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Trainer Dimitrios Grammozis im Einsatz.

Lilien

Demütige Darmstädter

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Carsten Wehlmann pflegt einen engen Kontakt zu den Profikickern von Darmstadt 98 - das soll sich bei Vertragsgesprächen auszahlen.

Mitte Februar war es, da erhielt Carsten Wehlmann seine erste öffentlichkeitswirksame Mission beim SV Darmstadt: Finde einen Trainer. Wenige Tage später präsentierte der 46-Jährige mit der wallenden Mähne, dem breiten Lächeln und dem bodenständigen Auftritt sein Ergebnis: Dimitrios Grammozis.

Die Klubbosse des Fußball-Zweitligisten hörten auf ihren gerade erst vom Sportkoordinator zum Sportlichen Leiter hinaufgestuften Angestellten und kauften den als Trainer im Profigeschäft gänzlich unerfahrenen Grammozis für kleines Geld aus seinem Vertrag beim VfL Bochum heraus. Seitdem haben die Darmstädter aus drei Spielen sechs Punkte geholt, nach der Auftaktpleite in Bielefeld gab es unter Leitung des Deutsch-Griechen zwei Siege nacheinander, zuletzt das überraschende und von einem furiosen Schlussakt gekrönte 3:2 beim Hamburger SV. Der Abstand zur Abstiegszone ist vor dem Heimspiel am Samstag (13 Uhr) gegen Jahn Regensburg auf beruhigende neun Zähler angewachsen.

Für Carsten Wehlmann kein Grund, nun zu rasten. „Die guten Ergebnisse fördern natürlich das Selbstvertrauen, das hilft ungemein. Aber auch bei unseren Siegen war nicht alles hervorragend, weshalb wir weiter demütig bleiben“, sagt der ehemalige Torhüter. Es gelte nun, Konstanz in die Leistungen zu bekommen. „Die öffentliche Erwartungshaltung an uns steigt schnell, aber allen muss klar sein, dass das ein längerer Prozess ist, der auch wieder Dämpfer enthalten kann. Diesen Prozess haben wir gerade erst angestoßen.“

Nachdem Wehlmann im Februar aus dem breiten Schatten von Ex-Coach Dirk Schuster ins Licht an die Seite von Grammozis getreten ist, bemüht er sich auffällig darum, einen engen Draht zum Trainerteam und den Profis zu pflegen. Kaum eine Einheit auf dem Platz vergeht, der Wehlmann nicht zumindest für einige Minuten beiwohnt. Und klappt das mal nicht, greife er eben zum Telefon und rufe Grammozis einfach an. „Der Kontakt zum Trainer, aber auch zu den Spielern ist intensiv, weil alle Seiten ein noch besseres Gefühl voneinander bekommen sollen“, erklärt Wehlmann.

Medojevic fällt weiter aus

Schaden kann ein gutes Verhältnis gewiss nicht, immerhin nähert sich das Saisonende, die Transferperiode in großen Schritten. „Mir wird aktuell gewiss nicht langweilig, es gibt genug zu tun“, sagt Wehlmann, der bereits erste Gespräche mit den Spielern geführt hat, deren Verträge am Saisonende auslaufen. Von den Stammkräften sind das Abwehrchef Marcel Franke, Rechtsverteidiger Tim Rieder und Mittelfeldabräumer Slobodan Medojevic.

Gerade beim ehemaligen Eintracht-Profi ist die Situation keine leichte. Denn Medojevic ist zweifelsohne ein charakterlich guter Typ, dazu fußballerisch ebenfalls zweitligatauglich. Allerdings ist der 28-Jährige seit Mitte Dezember verletzt, dazu sicher kein Kleinverdiener im Kader. Eine Teilruptur am Außenband bremst ihn aus, mehrere Ärzte haben sich das schmerzenden Knie angeschaut, der Zeitpunkt für die Rückkehr ist dennoch ungewiss.

„Der Trainer konnte sich von ihm bisher leider auf dem Platz noch kein Bild machen. Das ist schade. Aber natürlich haben wir auch mit ihm über seine Situation geredet und sprechen ihm Mut zu, dass er schnellstmöglich wieder auf den Rasen zurückkehrt. Das ist erst mal das Wichtigste.“

Noch eine weitere Saison gültig, bis Sommer 2020, sind die Arbeitspapiere von Torhüter Daniel Heuer Fernandes und Spielmacher Marvin Mehlem - beide dürften aufgrund ihrer starken Leistungen aber auch bei anderen Klubs schon in diesem Sommer auf dem Einkaufszettel stehen. „Wir wissen, dass solche Spieler Begehrlichkeiten wecken“, sagt Wehlmann: „Aber natürlich würden wir solche Spieler gerne über ihre auslaufenden Verträge hinweg in Darmstadt sehen.“

Klingt so, als habe sich Carsten Wehlmann nach der geglückten Trainersuche seine nächste Mission selbst auferlegt.

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