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Ist noch nicht auf Betriebstemperatur: Flügelflitzer Marcel Heller.

Mainz 05 - Darmstadt 98

Der Davongelaufene

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Der schnelle Darmstädter Außenstürmer Marcel Heller steckt vor der Partie gegen Mainz in der Krise. Wäre es nach ihm selbst gegangen, hätte er mit dem Saisonstart der Lilien ohnehin nichts zu tun gehabt.

Es ist noch nicht sehr lange her, da galten für die Gegenspieler von Marcel Heller mildernde Umstände. Vorletzter Spieltag der Saison 2015/16, Darmstadt 98 spielt bei Hertha BSC. Die Berliner gehen nach einer Viertelstunde in Führung, aber keine zehn Minuten später passiert, was so oft passierte in dieser vergangenen Spielzeit: Pass auf Heller, rechter Flügel, Heller ist schneller, schneller als der junge Maximilian Mittelstädt in dem Fall, er bringt den Ball in die Mitte, und dort verstaut Jérôme Gondorf den Ball fachgerecht im gegnerischen Tor – Ausgleich. Später gelingt Sandro Wagner dann noch der Treffer zum 2:1, zum Sieg, zum Klassenerhalt für Darmstadt 98. Der Berliner Himmel hing voller Lilien damals, an diesem 7. Mai 2016.

„Heller ist schon größeren Namen weggelaufen“, versicherte Hertha-Trainer Pal Dardai nach dem Spiel, um den 19-jährigen Mittelstädt in Schutz zu nehmen: „Wir hatten das vorher besprochen, dass es dann eigentlich eine Absicherung gibt.“

Ja, es gab sie, die Zeiten, als man Heller, 30, vor dem Spiel schon in Ketten legen und auf der Toilette hätte einsperren müssen, um seinen Gegenspieler die Blamage im Laufduell zu ersparen. Aber selbst dann wäre er vermutlich bald durch die Wand hindurch aufs Spielfeld gebrochen, wild rotierende Beine, zuckelnde Arme, er hätte irgendeinen armen Kleinstädt oder Großstädt oder Mittelstädt mitsamt dreifacher Absicherung zur Schnecke gemacht und den Ball schließlich vom Strafraumeck ins Tor geschlenzt. So war es mal.

Wann wird es wieder so sein?

Es ist nun also offenbar geschehen, Marcel Heller ist sich selbst davongelaufen. Die neue Saison ist noch jung, es ist erst der siebte Spieltag, wenn die Darmstädter am Sonntag zum Rhein-Main-Derby nach Mainz reisen, aber dass der rasende Außenbahnspieler des SVD irgendwie in der Krise steckt, dass er krampfhaft nach der Erinnerung zu suchen scheint, wie das vor einem Jahr noch gleich funktioniert hat, das Ding mit den Toren (sechs in 15/16) und den Vorlagen (fünf), das darf als Erkenntnis des Darmstädter Saisonstarts schon notiert werden. Wäre es nach Heller selbst gegangen, dann hätte er mit diesem Saisonstart ohnehin nichts zu tun gehabt.

Im Sommer wollte er ja unbedingt fort, drei Jahre in Darmstadt sollten genügen. Die Konturen des Umbruchs im Verein hatten deutliche Züge angenommen, Wagner weg, Rausch weg, Caldirola weg, Mathenia weg, und, vor allen Dingen: Trainer weg. Dirk Schuster war aus Karrieregründen nach Augsburg weitergezogen, jener Mann, der Heller 2013 aus Aachen ans Böllenfalltor transferiert hatte, und unter dem seine Fußballerlaufbahn mit 27 doch noch Fahrt aufnahm, nachdem er bei seinen vorherigen Vereinen kein nachhaltiges Glück gefunden hatte.

Glaubt man der offiziellen Wortregelung in Darmstadt, dann hat Heller abgehakt, dass die Lilien-Verantwortlichen ihm vor der Saison die Freigabe verweigerten. Glaubt man hingegen der eigenen Wahrnehmung, dann hängt der vergangene Sommer diesem vertrauensbedürftigen Spieler durchaus noch in den Sportklamotten. Verzagen gilt aber nicht. Schon gar nicht für einen, dem schon qua Geburtsort eine gewisse Forschheit eingeschrieben sein müsste. Marcel Heller, geboren 1986 in: Frechen.

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