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Arbeiten seit Februar eng zusammen, Präsident Fritsch (re.) würde das gerne auch künftig machen. Und Trainer Grammozis?

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Darmstädter Dilemma

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Um einen möglichen Abschied von Trainer Grammozis macht sich Lilien-Präsident Fritsch keine Sorgen – jedenfalls „im Moment“.

Derzeit vergeht kaum ein Tag, ohne neue Wasserstandsmeldungen aus Hamburg – wohlgemerkt nicht jene die Pegel von Alster oder Elbe betreffend, sondern die des in der Hansestadt kickenden Zweitligisten, dem HSV. Gestern also erklärt deren Sportchef Ralf Becker, dass die wegen der Trennung von Hannes Wolf nötige Trainersuche noch eine Weile dauern könnte. Nicht zu hastig sein, Sorgfalt vor Schnelligkeit wollen sie (ausnahmsweise) in Hamburg walten lassen, das klingt nach einem vernünftigen Plan. Auch beschrieb Becker ein Anforderungsprofil, das der neue Mann an der Seitenlinie doch bitte zu erfüllen hat. Um es vorweg zu nehmen, Becker blieb vage: „Ob jung oder erfahren, das ist nicht entscheidend. Wir wollen einen Trainer finden, der mit uns aufsteigt.“ Logisch, lässt aber viel Raum für Spekulationen.

Genau in diese Lücke stieß am Montag erneut der „Kicker“ und kaute die schon vergangene Woche gehandelten Wolf-Nachfolger noch einmal kräftig durch. Demnach seien weiter der in Köln gerade erst geschasste Markus Anfang, der im Januar in Hannover entlassene André Breitenreiter, der Osnabrücker Aufstiegstrainer Daniel Thioune Kandidaten, die Becker auf seiner Liste stehen habe. Und, das ist das Dilemma des SV Darmstadt 98, auch Dimitrios Grammozis soll dort auftauchen.

Der 40 Jahre alte Ex-Profi, der ja erst Ende Februar vom Jugendtrainer in Bochum zum Cheftrainer in Darmstadt gemacht wurde und seitdem gerade mal elf Spiele als Proficoach auf dem Buckel hat, hielt sich merklich zurück, als er mit den Gerüchten konfrontiert wurde. Er wolle das grundsätzlich nicht kommentieren, wiederholte er auch am Sonntag seine Worte von vergangener Woche. „Ich möchte mich bei der Mannschaft für tolle Monate bedanken, wir haben eine intensive Zeit miteinander verbracht.“ Ob er nach seinem Sommerurlaub wieder ans Böllenfalltor in Darmstadt zurückkehre, wurde Grammozis noch gefragt. „Wir wollen uns jetzt erst mal neu sortieren, dann werden wir die nächsten Schritte angehen.“ Kein nein, kein ja.

Ob Grammozis diesen Interpretationsspielraum bewusst groß lässt, um im Fall der Fälle ein Angebot des HSV trotz des bis 2020 in Darmstadt laufenden Vertrags anzunehmen, oder ob er tatsächlich einfach nicht in diesem schnell drehenden Spekulationsrad mitstrampeln will, dies zu deuten, obliegt anderen. Rüdiger Fritsch zum Beispiel, dem Präsidenten des SV 98. Der erklärte gestern: „Wir haben derzeit überhaupt keine Anzeichen, dass da irgendetwas dran sein könnte.“ Derzeit nicht, und in Zukunft? „Ich mache mir da im Moment überhaupt keine Sorgen.“ Im Moment also, klingt verdächtig ähnlich wie Stand jetzt. Worin diese Worthülse Niko Kovac vor einem führte, ist bekannt. Weg von Eintracht Frankfurt, hin zu Bayern München.

Nun gut, gestern jedenfalls verabschiedeten sich Grammozis und seine Spieler in die Sommerferien. Bekanntlich werden Sandro Sirigu und Slobodan Medojevic nicht mehr zurückkehren. Die Verträge wurden nicht verlängert. Auch die Leihspieler Marcel Franke, Christoph Moritz und Tim Rieder wurden am Sonntag beim 1:0 gegen Aue verabschiedet. Während sie in Darmstadt auf Rieder künftig guten Gewissens verzichten können, hätten sie Moritz und Franke doch gerne in ihren Reihen. Das Problem: Beide sind relativ teuer, und wollen womöglich lieber bei anderen Klubs kicken. Zudem gilt vor allem Torhüter Daniel Heuer Fernandes nach einer erneut starken Saison beim Tabellenzehnten als Wechselkandidat, sollte er ein Stammplatz in der Bundesliga oder bei einem aufstiegsambitionierten Zweitligisten in Aussicht gestellt bekommen. „Der Verein ist mittelfristig auf Transfererlöse angewiesen“, sagte Fritsch dazu, obwohl die aktuelle Saison trotz des kostspieligen Stadionumbaus wohl mit einem kleinen finanziellen Überschuss abgeschlossen werden kann.

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