Darmstadt 98

Die Darmstädter Anführer

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Kempe und Dumic beschenken ihren Trainer Grammozis mit drei weiteren Punkten in Nürnberg.

Als hätte er es geahnt, ließ Tobias Kempe im Verlauf der vergangenen Woche verlauten, dass es nun mal zu den Aufgaben eines 30-Jährigen wie ihm dazugehört, die eigene fußballspielende Truppe anzuführen. „Ich bin ein Spieler, der vorangehen muss“, erklärte Kempe in einem Interview mit dem „Darmstädter Echo“. Gesagt, getan. Am Sonntagmittag in Nürnberg schnappte sich der Mittelfeldspieler von Darmstadt 98 daher eilig den Ball, legte ihn elf Meter vor dem gegnerischen Kasten auf den weißgefärbten Punkt, wartete, bis er endlich randurfte und haute die Kugel mittig in die Maschen. „Ich habe ein wenig darauf spekuliert, dass Chris eine Ecke wählt“, sagte Kempe nach dem Abpfiff und meinte seinen ehemaligen Darmstädter Kameraden und heutigen Nürnberger Torhüter Christian Mathenia.

Der Geradeaus-Elfer ins Glück war das zwischenzeitliche 1:1 für die Südhessen im Frankenland, kurz vor dem Abpfiff reichte es dank eines zweiten satten Schusses, diesmal von Abwehrmann Dario Dumic, noch so ein Anführer, sogar zum 2:1-Auswärtserfolg. Die Darmstädter sind nun seit acht Partien ungeschlagen, die vergangenen drei gewannen sie sogar und kletterten in der Zweitligatabelle bis auf Rang sieben nach oben. Chapeau, das war nicht unbedingt abzusehen in dieser souveränen Art und Weise, hatte doch unlängst ein gehöriger Druck auf dem Team von Trainer Dimitrios Grammozis gelastet, weil sich die Abstiegsränge stets in nächster Nähe befanden. „Die Jungs haben mir ein sehr schönes Geschenk gemacht“, sagte Grammozis, der gestern dann seinen ersten Jahrestag als Darmstädter Fußballlehrer beging und äußerst zufrieden war ob der nun acht Zähler Vorsprung auf die bedrohliche Zone.

„Für uns geht es nicht um die Tabelle. Wir wollen in jedem Spiel drei Punkte holen“, sagte Leitfigur Kempe: „Das bleibt auch das Ziel für die nächsten Wochen. Wir wollen weiter auf Punktejagd gehen.“ Kempe, einst auch 28-mal für Nürnberg am Ball, war im Duell gegen seinen Ex-Klub mal wieder ein entscheidender Faktor im Spiel der Hessen. Mit all seiner Erfahrung, aber auch mit seinem begabten rechten Fuß, ist der gebürtige Weseler, bei Düsseldorf, stets dafür gut, selbst Tore zu erzielen oder sie anderen aufzulegen. Neun Scorerpunkte (fünf Tore, vier Vorlagen) sammelte der erfahrenen Fußballer in dieser Saison, obwohl Chef Grammozis ihn anfangs der Saison nahezu außen vor gelassen hatte. Erst am elften Spieltag durfte Kempe das erste Mal von Beginn an ran. Mittlerweile ist natürlich längst wieder gesetzt in der Startelf, meist auf dem linken Flügel, um mit seinem starken rechten Fuß häufig in die Mitte zu ziehen. Grammozis will und kann schlicht nicht auf die Qualität von Kempe verzichten.

Ebenso wenig wie auf jene von Dario Dumic. Der Neuzugang vom FC Utrecht, der aber schon vergangene Saison in Dresden kickte, war sofort Stammspieler. Er ist mit seinen 1,93 Metern Körperlänge und den breiten Schultern ein stabiler Baum im gegnerischen Angriffswirbel, er köpfte die Bälle hinten raus oder haut am Boden in den Zweikämpfen resolut dazwischen. Und vorne ist Dumic für Tore gut, meist nach Standards – siehe Körperlänge –, am Sonntag mit einem Fernschuss aus 22 Metern, dem Siegtreffer in der 89. Minute. „Ich habe eine Lücke gesehen und abgezogen. Ich habe gedacht, einen Versuch ist es wert. Dann war der Ball im Netz“, sagte Dumic, dessen Abwehrkollege Fabian Holland kreativer formulierte: „Da musste Dario mit dem Knüppel kommen.“ So wie es sich für Führungsspieler ziemt.

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