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Individuelle Klasse setzt sich durch: Erik Durm (links) gegen Darmstadts Florian Jungwirth.

Darmstadt 98

Darmstadts Blick nach unten

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Für den SV Darmstadt 98 kündigt sich der erwartete Überlebenskampf bis zum letzten Spieltag an.

Es ist nicht genau überliefert, wie sich das am Donnerstag im Hause von Aytac Sulu wirklich abgespielt hat. Aber freudvoll kann die erste Begegnung am frühen Morgen zwischen Vater und Tochter nicht gewesen sein. „Ich muss ihr direkt nach dem Aufwachen das Ergebnis erzählen. Wenn wir gewinnen, werde ich wahrscheinlich erdrückt, bei einer Niederlage müssen wir es beim nächsten Male besser machen. Am besten mit einem Tor von Papa.“

Diese Anekdote hatte der Kapitän des SV Darmstadt 98 vor dem verlorenen Heimspiel gegen Borussia Dortmund (0:2) im Stadionmagazin „Lilienkurier“ zum Besten gegeben. Das Herz, welches der Anführer nach seinen Toren regelmäßig formt, ist der Tochter gewidmet, die im Bett lag, als am Mittwochabend das Flutlichtspiel lief. Dass die Lilien beim „Wrestling-Match im Matsch“ (BVB-Verteidiger Neven Subotic) den Kürzeren zogen, kann im Nachhinein niemand überraschen, aber mittlerweile scheint klar, dass es für die Südhessen so kommt, wie Dirk Schuster immer gesagt hat: Überlebenskampf bis zum bitteren Ende. Trotz des Zwischenhochs mit zeitweise komfortablem Vorsprung vor den Abstiegsplätzen.

„Das alles war eine Momentaufnahme“, findet der Trainer, „für uns war von Anfang klar, dass es für uns bis zum letzten Spieltag geht.“ Der 48-Jährige hatte bereits vor dem Dortmund-Spiel darauf hingewiesen, dass etablierte Erstligisten wie Hannover 96, Werder Bremen und TSG Hoffenheim in den letzten Wochen alles mobilisieren, um den Klassenerhalt zu schaffen. In Trainingslager reisen, den Trainer entlassen oder Verein und Stadt zusammenschweißen.

Und tatsächlich haben nun Bremen und Hoffenheim Befreiungsschläge gelandet, die Darmstadt direkt in die Bredouille bringen. Sollten am Samstag die Konkurrenten Frankfurt (gegen Ingolstadt) und Bremen (gegen Hannover) ihre Heimspiele gewinnen, dann könnte Darmstadt sich zumindest für einen Tag auf dem Relegationsrang wiederfinden. Was wiederum eine schwere Hypothek für das Auswärtsspiel beim FSV Mainz 05 (Sonntag, 15.30 Uhr) bedeuten würde. Denn die Rheinhessen schweben gerade auf Wolke sieben – es dürfte allemal schwierig werden, deren Lauf einzubremsen.

„Müssen mutiger werden“

Schuster erweckt indes nicht den Eindruck, als beunruhige ihn diese Situation. Auch gegen den zweiten Liga-Giganten Dortmund habe seine Mannschaft „alles versucht“, aber letztlich ist die Kraft des Kollektivs gegen so viel individuelle Übermacht begrenzt. „Erste Halbzeit gut verteidigt“ (Torwart Christian Mathenia), „gut gegengehalten“ (Flügelmann Konstantin Rausch) – das alles nützte wenig. Letztlich führte erneut die fehlende Effektivität zu einer Besorgnis erregenden Heimschwäche. „Wir müssen einen Tick mutiger werden“, glaubt Rausch zu wissen. Und vielleicht hilft ja die Tatsache, dass der Aufsteiger auswärts immerhin 18 Punkte geholt hat.

Dass daheim der kaputte Rasen zuletzt wirklich ein Vorteil gewesen ist, kann nun niemand mehr behaupten. Schuster ging das Geläuf gar dermaßen auf den Geist, dass er sich einer bemerkenswerten Entschuldigung in Richtung Dortmund gemüßigt sah. „Ich schäme mich, so einen Platz anzubieten. Das ist mir peinlich und hat mit Bundesliga-Niveau nichts zu tun“, sagte er auf der Pressekonferenz ungefragt in Richtung des Kollegen Thomas Tuchel. Und mit Sarkasmus fügte er noch an: „Wir freuen uns, dass wir alle 14 Tage auf ordentlichen Plätzen Fußball spielen können. Und das ist nicht hier.“ Immerhin: Am Montag soll neuer Rollrasen aus den Niederlanden herangekarrt werden, für den die Darmstädter Sportsstätten GmbH als zuständige Instanz einen sechsstelligen Betrag investiert. Damit der Ball dann zum nächsten Heimspiel gegen den FC Augsburg (12. März) besser rollt. Und sich vielleicht auch im Hause Sulu wieder gefreut wird.

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