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Flügelstürmer Marcel Heller kränkelt.

HSV - Lilien

Aufmüpfiger Außenseiter

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Der SV Darmstadt 98 reist selbstbewusst zum Hamburger SV: „Es ist alles möglich“.

Etwas mehr als drei Wochen ist es her, da zeigten die Mundwinkel in Darmstadt nach unten. Ob bei Fans, Spielern oder Verantwortlichen - die Laune rund um den Zweitligaklub vom Böllenfalltor war mies. Der SV 98 stolperte schnurstracks der Abstiegszone entgegen, 24 Tage später scheint das damals möglich erscheinende Szenario vom Gang in die Dritte Liga nahezu ausgeschlossen. Dabei holten die Darmstädter in der Zwischenzeit aus zwei Spielen gerade drei Punkte. Klar, nicht schlecht, aber auch keine Sensation. Eigentlich ganz normal. Dennoch ist die Stimmung rund um das Stadion im Südosten der Stadt mittlerweile eine ganz andere. Gelöst, glücklich, gutgelaunt.

Verantwortlich für diesen 180-Grad-Wandel ist vor allem Dimitrios Grammozis. Der 40-Jährige Trainernovize beerbte Ende Februar den glücklosen und bei der Mannschaft nicht mehr wohlgelittenen Dirk Schuster. Seitdem zeigt die Leistungskurve des Darmstädter Ensembles nach oben. Die Mannschaft habe wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, so Abwehrmann Marcel Franke: „Wir haben uns gesagt, dass wir es drauf haben, dass wir gute Kicker haben.“ Mit diesem neuen Selbstvertrauen geht der Tabellenzwölfte gar seine unliebsamste Disziplin zuversichtlich an: ein Auswärtsspiel. Am Samstag (13 Uhr) sind die Südhessen beim Hamburger SV zu Gast, dem Zweiten, der gerade im Stadtderby mit 4:0 über den FC St. Pauli hinweggefegte.

Palsson und Heller kränkeln

Die Gäste, ihrerseits mit gerade mal sechs Pünktchen in der Fremde das schwächste Auswärtsteam der Liga, scheint der starke Gegenüber aber kaum zu jucken. Zumindest behaupten sie das. Hamburg sei natürlich der Favorit, fand Victor Palsson Anfang der Woche: „Das ist ja eigentlich ein Bundesligaverein. Aber Fußball ist Fußball – in dieser Liga ist alles möglich.“ Mittlerweile kränkelt Palsson ebenso wie Flügelstürmer Marcel Heller, die Einsätze der beiden werden sich kurzfristig entscheiden. Am grundlegenden Auftritt beim HSV soll das aber nichts ändern. Abwehrchef Franke findet: „Wenn wir so eine Leistung wie zuletzt gegen Kiel zeigen, wird es für jeden schwer, gegen uns zu punkten. Wer gegen Kiel gewinnt, der kann auch in Hamburg etwas holen.“ Das nennt man wohl gesundes Selbstvertrauen.

Klar ist, dass der angesprochene Sieg gegen Kiel, am vergangenen Samstag denkbar knapp mit 3:2 ausgefallen, jener ist, aus dem die Darmstädter Profikicker ihre Zuversicht saugen. Die Partie vor Wochenfrist hätte locker auch mit einem Remis oder gar einer Niederlage für Darmstadt enden können, vor allem die Art und Weise macht den Darmstädter aber Mut. Spielerisch war das eine klare Steigerung, ach was, ein Quantensprung, zu Schusterschen Zeiten. „Wir wollen auch in Hamburg unser Offensivspiel zeigen“, sagt Franke. Dass die Gäste aus dem Hessenland in der Hansestadt nicht zu mutig auftreten und blindlings in ihr Verderben rennen, darauf wird vor allem Dimitrios Grammozis allergrößten Wert legen.

Der Trainer ist mit der Entwicklung seines Teams natürlich zufrieden, auch wird er gegen ein selbstbewusstes Auftreten im Volksparkstadion sicher nichts einzuwenden haben. Ganz so euphorisch wie manch Spieler sieht er die aktuelle Lage aber nicht. „Die acht Punkte Vorsprung zum Relegationsplatz sind nicht schlecht, aber auch nicht genug, um in der Liga zu bleiben. Wir dürfen uns jetzt nicht in eine Komfortzone zurückziehen.“

Volle Konzentration, energische Zweikampfführung, ein mutiger Spielaufbau - all das will Grammozis von seiner Mannschaft sehen. Denn: „Wir fahren nicht nach Hamburg, um uns dort die Alster anzusehen.“ Punkte sollen es sein, dann werden auch die Mundwinkel weiter nach oben zeigen.

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