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Auf Abstand gehalten: Der Darmstädter Dario Dumic (rechts) entledigt sich SVWW-Stürmer Manuel Schäffler.  

Nach dem 0:0 im direkten Duell

Darmstadt 98 und Wehen Wiesbaden: Durchmogeln zum Ligaerhalt

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Darmstadt 98 und der SV Wehen Wiesbaden wollen nach dem 0:0 im direkten Duell das Positive mitnehmen, die negative Kehrseite offenbart für beide aber viel Arbeit.

Das torlose Remis im hessischen Duell der Zweiten Fußball-Bundesliga hatten die beiden konkurrierenden Trainer zügig und einwandfrei eingeordnet. „Wir wussten vorher, dass es ein Spiel mit Derbycharakter werden würde. Es war dann auch intensiv. Ich denke, es war ein gerechtes Unentschieden“, sagte Dimitrios Grammozis, Chefanleiter des SV Darmstadt 98, und erhielt für seine Einschätzung erst anerkennendes Kopfnicken seines Gegenübers und dann lobende Worte. Rüdiger Rehm, Coach beim SV Wehen Wiesbaden, sagte: „Ich denke, Dimi hat das Spiel schon sehr, sehr gut analysiert.“ Punkt, fertig, aus. Oder etwa nicht? Zumindest nicht so ganz. Denn nach dem 0:0, das keine der beiden Mannschaften richtig weiterbrachte im Bestreben, am Saisonende den Klassenerhalt zu feiern, hat sich der Druck vor den zwei verbleibenden Spieltagen bis zur Winterpause eher vergrößert denn verringert.

SV Darmstadt 98:  Die Lilien zeigten sich vorwiegend aus drei Gründen mit der torlosen Vorstellung in Wiesbaden einverstanden. Erstens, weil Auswärtspunkte immer gute Punkte sind, fast schon egal, ob nun einer oder drei herausspringen. Zählbares nimmt man auf fremden Grün halt immer gerne mit, selbst wenn, wie in diesem Fall, das Auswärtsspiel ja gefühlt gar keine richtiges war. 4000 Darmstädter Fans hatten den kurzen Weg nach Wiesbaden mitgemacht und dann für „eine tolle Atmosphäre“ gesorgt, so Flügelspieler Marcel Heller,

Zweitens erfreute es die Südhessen besonders, dass sie die Schlussviertelstunde nach der Hinausstellung von Victor Palsson auch in Unterzahl unbeschadet überstanden. „Kompliment an die Mannschaft, da hat sie richtig für den Punktgewinn gefightet“, lobte Trainer Grammozis. Absolut wahr, und dennoch irgendwie nur die halbe Wahrheit.

Denn drittens hielten die Darmstädter den schlechter platzierten Gegner in der Tabelle auf Abstand. Einerseits. Andererseits verpassten sie den beruhigenden Sprung ins Mittelfeld der Liga. 19 Zähler haben die Lilien nun auf ihrem Punktekonto, das sind vier mehr als jene Mannschaft auf Relegationsrang 16 und fünf mehr als der SV Wehen Wiesbaden auf dem ersten direkten Abstiegsplatz. Das ist schon in Ordnung, aber halt auch nicht mehr. Gerade im Hinblick auf die beiden bevorstehenden Duell bis zur Weihnachtspause hätte eine dreifache Ausbeute für mehr Gelassenheit unterm Tannenbaum sorgen können. Am kommenden Montag geht es gegen den VfB Stuttgart und am Samstag darauf, das Jahr abschließend, gegen den Hamburger SV. Immerhin: jeweils daheim.

Allerdings wurde auch in Wiesbaden wieder deutlich, woran das Spiel der Darmstädter kränkelt. Nicht etwa am Grundkonstrukt, das funktioniert auf Zweidritteln des Spielfeldes recht passabel, dafür am finalen Toreplan. Auch beim Tabellenvorletzten schafften es die Lilien nicht, ihr solides Aufbauspiel bis in den Strafraum zu bringen. Ein einziger gefährlicher Abschluss aus dem Rechteck vor dem gegnerischen Kasten ist schlicht zu wenig. So bleibt es dabei, dass die Darmstädter zwar das Potenzial und die Spielanlagen für den souveränen Klassenerhalt besitzen müssten, sich alles in allem aber weiter eher durchmogeln in dieser Spielzeit.

SV Wehen Wiesbaden:  Durchmogeln würden sie sich auch gerne beim SVWW, das ist die Wunschvorstellung, denn viel mehr wird mit 14 Punkten nach 16 Spieltagen in dieser Runde für die Rehm-Schützlinge kaum noch möglich sein. Nach dem desolaten Saisonstart sind die Wehen Wiesbadener mittlerweile zwar weitestgehend zweitligatauglich, können fast immer mithalten. Sie schaffen es jedoch zu selten, auch mal einen Gegner zu dominieren. Gerade im eigenen Stadion gegen direkte Konkurrenten sollten häufiger drei Punkte her. Der letzte Platz in diesem gesonderten Tableau ist gewiss Ausdruck von spielerischen Mängeln, die die hessischen Landeshauptstädter nicht immer durch ihren enormen Einsatzwillen wettmachen können. Zudem sollte eher nicht davon ausgegangen werden, dass sich die beiden Ligahochkaräter aus Hamburg (1:1) und Stuttgart (2:1) ein zweites Mal vom SVWW in der Rückserie übertölpeln lassen. Heißt: In den beiden auswärtigen Dezemberduellen beim FC St. Pauli und dem Karlsruher SC müssen noch Zähler her. Ohne Wenn und Aber.

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