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Erfolgreich in ungewohnter Farbe: Lilien-Kapitän Aytac Sulu beim Jubel nach dem 1:0.

Hoffenheim - Darmstadt

Darmstadt verschärft Hoffenheimer Krise

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Dem SV Darmstadt gelingt im Kampf um den Klassenerhalt ein wichtiger Auswärtssieg. Mit einem 2:0 Sieg gegen die TSG Hoffenheim kann die Elf von Dirk Schuster sich weiter im Mittelfeld festsetzen. Hoffenheim liegt mit 14 Punkten weiter auf einem Abstiegsplatz.

Am Ende blieben für die TSG Hoffenheim nur Hohn und Spott. „Auf Wiedersehen, auf Wiedersehen“, grölte der Darmstädter Anhang in der Arena von Sinsheim, um mal lautstark auszudrücken, was nach diesem Kellerduell am Sonntagabend jeder dachte: Während der Überraschungsaufsteiger SV Darmstadt 98 durch den 2:0 (1:0)-Auswärtssieg einen weiteren Schritt in Richtung Klassenerhalt machte, herrscht im Kraichgau fast schon Endzeitstimmung. Als die Profis vor die Fankurve gingen, schallte ihnen ein lautes „Wir haben die Schnauze voll!“ entgegen.

Dagegen bildeten die Darmstädter sofort einen Kreis, um sich auf die kommenden Aufgaben einzuschwören. „Das ist ein kleiner, aber geiler Schritt zum großen Ziel“, konstatierte Mittelfeldspieler Peter Niemeyer. „Mit dieser Punktezahl hatte doch keiner gerechnet.“ Und dann wollte der ehemalige Berliner noch mal etwas loswerden, warum Kraftakte wie am Sonntagabend glücken: „Weil bei uns jeder einen Arsch in der Hose hat.“

Der kratzbürstige Aufsteiger ist dank seiner garstigen Spielweise bereits bei 24 Zählern angelangt und hat nunmehr schon fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang. „Wir haben uns in jeden Zweikampf gehauen und ein gutes Auswärtsspiel gemacht“, sagte Marcel Heller, ehe der Flügelspieler seinen Sieggaranten dankte: „Wir haben zwei Innenverteidiger, die hinten wie vorne gefährlich sind.“ Tatsächlich sicherten Treffer von Aytac Sulu (33.) und Slobodan Rajkovic (85.) den Erfolg ab. Trainer Dirk Schuster analysierte gewohnt sachlich den Auftritt. „Wir wollten die Hoffenheimer Verunsicherung ausnutzten. Wir haben in der einen oder anderen Szene auch das Quäntchen Glück gehabt, aber uns auch in alles reingeworfen, was auf unser Tor flog.“

Das Führungstor fiel für die von Beginn an selbstbewusst auftretenden Südhessen nach altbekanntem Muster: per Kopf durch Kapitän Sulu (33.). Dabei half Hoffenheims Torwart Oliver Baumann allerdings kräftig mit, versuchte er doch, ein Luftduell gegen Sandro Wagner körperlos zu gewinnen, seine verunglückte Faustabwehr nutzte der gute Slobodan Rajkovic zu einer Kopfballvorlage für Verteidigerkollege Sulu – fertig war das fünfte Saisontor des Darmstädter Anführers.

Überzeugend im Kollektiv

Baumanns dicker Bock in Form fehlender Entschlossenheit stand irgendwie exemplarisch für den Auftritt des Tabellenvorletzten, der in dieser Verfassung kaum die Klasse halten wird. Die Gäste überzeugten in der Arena an der A 6 einmal mehr als Kollektiv, bei dem einer für den anderen kratzt, rennt und beißt. Von einer derartigen Geschlossenheit ist das mit zu vielen labilen Charakteren besetzte Ensemble aus dem Kraichgau weit entfernt; und es ist auch nicht mehr zwingend erkennbar, ob Huub Stevens bis Mitte Mai da noch die richtige Stellschraube findet. Hoffenheims Coach gab sich hernach wieder ziemlich barsch: „Das 0:1 war ein Schlag auf unsere Ohren. Danach hatten wir unsere Möglichkeiten, aber Toreschießen ist das schwerste im Fußball überhaupt.“ Nur habe er keine leblose Mannschaft gesehen, knurrte der Niederländer noch, „auch wenn hier etwas anderes behauptet wird.“
Auch in der zweiten Halbzeit machten die Hausherren jedoch fast immer einen Schlenker und Schnörkel zu viel. Immer wieder verlagerte sich das Geschehen zwar in die Darmstädter Hälfte, aber symbolisch wie der schwache Kevin Volland auf den im Abseits stehenden Andrej Kramaric passte, anstatt selbst zu schießen (80.). Statt dem Ausgleich fiel das zweite Gegentor auf der anderen Seite. Nach Vorarbeit von Tobias Kempe – zuvor hatte Schiedsrichter Christian Dingert den Ball unfreiwillig aufgehalten –, krönte der aufgerückte Abwehrrecke Rajkovic seine Glanzleistung mit dem 2:0 (85.). „Er hat nicht umsonst bei Chelsea und dem HSV gespielt“, sagte Schuster, „uns freut es, dass er jetzt unser Vertrauen zurückzahlt.“

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