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Siegtorschütze: Der Darmstädter Dario Dumic.

Zweite Bundesliga

Darmstadt auf der Überholspur

Der hessische Zweitligist gewinnt beim 1. FC Nürnberg zum dritten Mal nacheinander und ist nun Tabellensiebter. Die Lilien sind eine stabile Mannschaft geworden.

Als sich die Fußballer von Darmstadt 98 in Nürnberg gerade im diffizilen Spannungsfeld befanden, trotz personeller Überzahl bei Gleichstand in der Schlussphase den Rasen als Verlierer zu verlassen, entschieden sie sich weitestgehend für den risikoarmen Weg. Bis auf Dario Dumic. Der Abwehrchef übernahm den Job seiner angreifenden Vorderleute und haute in der 89. Minute einfach mal aus der Ferne drauf. Aus 22, 23 Metern versenkte er den Ball wuchtig im linken unteren Eck des Nürnberger Tores und bescherte den Südhessen mit seinem „Dosenöffner“, wie der Darmstädter Trainer Dimitrios Grammozis hinterher sagte, nicht nur einen 2:1 (0:1)-Auswärtserfolg, sondern auch den dritten Dreier nacheinander.

Weil die Darmstädter zudem davor fünfmal in Serie die Punkte mit ihren Gegner geteilt hatten, sind sie nun zum einen schon acht Begegnungen ungeschlagen und zum anderen endgültig im Mittelfeld der zweiten Liga angekommen. Neun Punkte Rückstand sind es nun für den Tabellensiebte auf Platz drei, acht Punkte Vorsprung auf Relegationsrang 16. Wir haben nicht unser bestes Spiel gemacht“, sagte Grammozis, „aber die Jungs haben gefightet und verdienen ein Kompliment.“

Im Grunde begannen die Darmstädter, bei denen Winterneuzugang Nicolai Rapp den gesperrten Immanuel Höhn in der Startelf ersetzte, ganz ordentlich. Vor allem agierten sie für eine Auswärtsauftritt vom Start weg recht dominant. Nach der Hälfte der ersten Hälfte hatten die Südhessen mehr Ballbesitz (66 Prozent) und dazu auch ein deutliches Zweikampfplus (70 Prozent) vorzuweisen. Allerdings: Bis auf einen harmlosen Fernschuss von Yannick Stark nach fünf Minuten, der seine angeknackste Nase mit einer Maske schützte, sprang dabei wenig Erquickliches heraus.

Ihrerseits kamen die Nürnberger erst nach rund 25 Minuten besser in die Begegnung hinein, hatten dann mehr Zugriff auf die Gäste und münzten das schon fünf Zeigerumdrehungen später in die eigene Führung um. Über die rechte Darmstädter Abwehrseite lief der Angriff der Gäste, die scharfe Hereingabe parierte Torhüter Marcel Schuhen noch mittig an die Strafraumkante, von wo Nürnbergs bester Techniker, Nikola Dovedan, den Ball unter die Latte drosch – 1:0 nach einer halben Stunde mit dem ersten gefährlichen Abschluss des Spiels. Bis zur Pause waren die Franken nun besser, Asger Sörensen riss jedoch zeitnah nach dem Seitenwechsel all das ein, was sich das Team vorher mühsam aufgebaut hatte: die Führung und die Überlegenheit.

Der dänische Abwehrmann griff nach 52 Minuten Serdar Dursun im Fünfmeterraum an dessen linke Schulter, der Darmstädter Torjäger nutzt den kurzen Kontakt, um eilig zu Boden zu sinken. Elfmeter, eine relativ klare Sache. Für Schiedsrichter Patrick Alt aber noch nicht genug der Bestrafung. Seiner Ansicht nach hatte Sörensen eine derart riesige Möglichkeit von Dursun unterbunden, dass er dem Nürnberger Verteidiger etwas überzogen zusätzlich die Rote Karte zeigte, letztlich eine spielentscheidende Einschätzung. „Da blicke ich beim Regelwerk nicht mehr durch und weiß daher auch nicht, ob man sie geben kann“, haderte der Nürnberger Coach Jens Keller. Drei Minuten nach dem Foul und einer längeren Videoansicht des Referees haute Offensivmann Tobias Kempe für den SV 98 aus elf Metern den Ausgleich mitten ins Netz. „Der Elfmeter und die Rote Karte haben uns natürlich in die Karten gespielt“, fand Grammozis.

Fortan hatten die Gäste wieder mehr Ballbesitz, die nächste Gelegenheit aber vergab trotzdem Michael Frey für den FCN. Der Stürmer der Hausherren eilte alleine auf Torwart Schuhen zu, wollte den Keeper ausdribbeln, schaffte das auch, ließ sich aber etwas zur Seite drängen und platzierte die Kugel dann klar über dem Kasten. Eine klägliche Ausführung des gar nicht mal so schwierig anmutenden Schusses.

Die von dieser Riesenchance gewarnten Darmstädter minimierten nun das Risiko, entschleunigten ihre Attackeversuche, um genau darüber auf die Überholspur zu gelangen. Dem finalen, wuchtigen Fernschuss von Dario Dumic sei Dank.

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