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Rutschpartie in Nordrhein-Westfalen: Darmstadts Sören Betram (l.) und Duisburgs Fabian Schnellhardt.

Darmstadt 98

Suche nach Stabilität

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Darmstadt 98 schafft es auch im neuen Jahr bisher nicht, die Gegentorflut einzudämmen. Es dürfte in naher Zukunft personelle Wechsel geben.

Wo, wann und in welcher Atmosphäre das Gespräch genau stattfand, ist nicht überliefert. Der inhaltliche Schwerpunkt aber ergab sich von selbst: die wacklige Defensive des Fußball-Zweitligisten SV Darmstadt 98. Als sich Trainer Dirk Schuster also irgendwann Ende Dezember mit seinen engsten Vertrauten, den beiden Assistenten Sascha Franz und Frank Steinmetz, zur abschließenden Jahresanalyse zusammengesetzt hat, da diskutierten die drei Herren ziemlich sicher ziemlich lange darüber, wie sie im zweiten Saisonabschnitt denn am besten die Gegentorflut ihrer Mannschaft eindämmen könnten.

Über Begriffe wie Kompaktheit und Stabilität wurde gesprochen, das ließ Chef Schuster später durchblicken. Über Galligkeit, die dringend im hinteren Drittel erhöht werden müsste. Auch über die grundsätzliche Bereitschaft der ganzen Mannschaft, also auch der Offensivspieler, konsequenter gegen den Ball zu arbeiten. Und nicht zuletzt natürlich über personelle Veränderungen.

Fünf Spieler verpflichteten die Darmstädter in der Winterpause, mit Ausnahme von Sören Bertram alle zur Absicherung der Defensive. Patrick Herrmann kam aus Kiel für die rechte Abwehrseite, Mathias Wittek aus Heidenheim für das Zentrum, Victor Palsson aus Zürich und Christoph Moritz aus Hamburg dafür, als Sechser den gröbsten Schmutz schon vor der Abwehr aus dem Weg zu fegen. Allerdings: Nach insgesamt 180 Pflichtspielminuten im neuen Jahr musste Lilien-Torhüter Daniel Heuer Fernandes, im Übrigen ein Mann überdurchschnittlicher Qualität zwischen den Pfosten, schon wieder vier Bälle aus seinem Netz holen.

Drei ihrer vier Gegentore im neuen Jahr kassierten die Darmstädter am vergangenen Freitag bei der 2:3-Niederlage in Duisburg. Das war insofern überraschend, da die Südhessen ja eigentlich vorher einen idealen Auftakt mit dem 2:1-Erfolg gegen den FC St. Pauli hingelegt hatten und guten Mutes waren, mit einem ausgewogenen Maß an abwehrender Sicherheit und angreifender Lockerheit auch beim bisherigen Letzten ihren Weg ins sichere Tabellenmittelfeld fortsetzen zu können. Pustekuchen.

„Tore sind zu billig gefallen“

„Wenn der Gegner in der ersten Hälfte zweimal auf das Tor schießt und beide Schüsse drin sind, dann ist das schon nicht angenehm“, sagte Trainer Schuster: „Trotzdem denke ich, dass die Tore zu billig gefallen sind und wir das besser verteidigen können.“ Die Aussage trifft es genau. Denn zum einen war es natürlich unglücklich, dass die in dieser Saison ansonsten so harmlosen Duisburger aus vier Chancen drei Tore machten, zum anderen aber gingen den Treffern gravierende Patzer der Darmstädter voraus. „Da guckt man dumm aus der Wäsche“, sagte Innenverteidiger Immanuel Höhn.

Neun Minuten vor dem Ende lagen die Darmstädter in Duisburg also mit 0:3 hinten, ehe sie sich durch Tore der Neuzugänge Bertram und Moritz noch einmal zurückkämpften - die zweifelsohne vorhandene Moral sollte allerdings nicht mehr belohnt werden. So bleiben nach 20 Spieltagen folgende Fakten festzuhalten: Mit 22 Punkten stehen die Lilien auf Rang 14, sie haben bereits 37 Gegentore kassiert, nur Greuther Fürth ist schlechter. Immerhin: Der Vorsprung auf die Abstiegszone beträgt sechs Zähler.

„Wir müssen mitnehmen, dass wir selbst nach einem 0:3 nicht aufgegeben haben. Wenn wir so über 90 Minuten spielen, werden wir auch wieder punkten“, sagte Höhn, der nach dem Abgang von Aytac Sulu ja erst seit zwei Spielen zum Stammpersonal zählt, diesen Status aber schon am Sonntag im Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim, die sich übrigens still und heimlich an die Aufstiegsränge herangepirscht haben, wieder verlieren könnte.

Wittek, der erst Ende Januar verpflichtet wurde und in Duisburg erstmals zum Kader gehörte, dürfte für Höhn in die erste Elf rutschen. Ebenso Moritz, auch so ein später Januar-Zugang, für Yannik Stark. Herrmann und Palsson standen ja ohnehin schon in Duisburg von Beginn an auf dem Rasen. Der SV Darmstadt 98 also wird ziemlich sicher mit neuem Personal versuchen, das alte Abwehrproblem zu lösen - so hatten es sich die drei Herren Schuster, Franz und Steinmetz schließlich schon Ende Dezember vorgenommen.

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