Unsichere Zeiten

Darmstadt 98 plant von Tag zu Tag

  • Jakob Böllhoff
    vonJakob Böllhoff
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Komplizierte Situation beim Fußball-Zweitligisten. Wir der Vertrag mit Trainer Grammozis möglicherweise doch verlängert?

Klar ist nur, dass nichts klar ist, da geht es Carsten Wehlmann nicht anders als allen anderen Fußballmanagern. „Wir arbeiten auf Sicht“, sagt der Sportdirektor des Zweitligisten SV Darmstadt 98: „Die Planungen gestalten sich natürlich schwierig. Wir wissen ja nicht einmal, wann die aktuelle Saison endet und wann die neue beginnt. Wir müssen da von Tag zu Tag schauen.“ Alles andere verbieten die Wirrungen um den Coronavirus.

Es ist eine undankbare Zeit für die Manager und nicht zuletzt für den Darmstädter Wehlmann. 13 Spielerverträge laufen zum 30. Juni aus beim südhessischen Klub, darunter jene von Stützen wie Tobias Kempe, Fabian Holland und Immanuel Höhn, auch der gute, alte Marcel Heller, zuletzt allerdings nur noch Ersatzspieler, steht ab Juli ohne gültiges Arbeitspapier da. Eigentlich wäre dies nun die Zeit für Wehlmann, alle Vertragsgespräche zu intensivieren, auch die mit potenziellen Neuzugängen. Aber dafür wäre es nicht schlecht, würden ein paar Grundlagen vorliegen. Wann geht’s weiter mit dem Fußball, wie geht’s weiter und, nicht ganz unwichtig: Wie viel Geld ist da für die nächste Saison, wann immer sie denn stattfindet?

Noch kennt Wehlmann das Budget für die kommende Spielzeit nicht, in erster Linie deshalb, weil’s noch gar kein Budget gibt. Was eine weiterführende Kaderplanung zurzeit quasi unmöglich macht. „Niemand weiß, wie die Situation in einer Woche oder in zwei Wochen aussieht, geschweige denn in vier Wochen. Zurzeit ist ja nichts normal, und das müssen alle Beteiligten verstehen.“

Verkomplizierend kommt bei den Darmstädtern hinzu, dass die Kaderplanung für die neue Saison auch den Trainerposten betrifft, weil man sich mit Dimitrios Grammozis nicht über eine Zusammenarbeit über den Sommer hinaus einigen konnte. Ob es in dieser speziellen Situation doch sein könnte, dass Grammozis und der SVD noch einmal zusammenfinden? „In diesen Tagen kann man gar nichts ausschließen und schon gar nichts garantieren“, sagt Wehlmann: „Aber ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir zur neuen Saison, wann immer das sein wird, einen Trainer haben werden.“ Sogar die größten Selbstverständlichkeiten klingen dieser Tage wie eine Nachricht.

Das Wichtigste sei, dass die Saison zu Ende gespielt werde, betont Wehlmann. Jedenfalls das Wichtigste, was den Fußball anbelangt und die zweite Liga und den SV Darmstadt 98. Was, im Gesamtkontext einer Pandemie betrachtet, dann vielleicht doch wieder nicht ganz so wichtig ist. Darauf legt Wehlmann wert. „Das ist hier ein Thema, das die ganze Welt betrifft“, sagt er: „Von daher müssen wir die Situation alle angehen. Wir müssen alle unseren Beitrag leisten, dass irgendwann wieder ein vernünftiges Leben stattfinden kann.“ Für jene Menschen, die nicht bereit sind, ihr vernünftiges Leben auch nur zwischenzeitlich aufzugeben und weiter massenhaft in den Parks abhängen, hat Wehlmann deshalb kein Verständnis. „Wenn ich Bilder sehe, wie Leute es noch nicht verstanden haben, kann ich nur den Kopf schütteln“, sagt der ehemalige Kieler: „Jeder in der Verantwortung, seinen Teil dazu beizutragen.“

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