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Erst antrittsstark, später verletzt: Mathias Honsak (li.) gegen Danilho Doekhi von Vitesse Arnheim.

Darmstadt 98

Immer mit der Ruhe

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Darmstadt 98 kriegt beim 0:1 gegen Arnheim ein Gefühl dafür, woran es vor dem Zweitligaauftakt beim HSV noch fehlt.

Begegnungen mit starken holländischen Fußballmannschaften werfen häufig Grundsatzfragen auf, und im Kern drehen sie sich darum, weshalb die Holländer sich weigern, den Ball herzugeben. Dimitrios Grammozis, Trainer des SV Darmstadt 98, wusste um die Thematik, als er nach dem 0:1 (0:1) im Abschlusstest des deutschen Zweitligisten gegen den niederländischen Erstligisten Vitesse Arnheim um eine Einschätzung gebeten wurde. „Holländer sind ja bekannt dafür, dass sie guten Fußball spielen“, sagte der 42-Jährige: „Die haben auch unter Druck ein sehr gutes Positionsspiel, sind sehr ballsicher. Das ist dann nicht so einfach.“

Als es Grammozis dann doch ein bisschen zu viel der Krittelei wurde am optisch dezenten Auftritt seines Teams im letzten Spiel vor dem Saisonauftakt am kommenden Sonntag beim Hamburger SV (13.30 Uhr), konterte er die Grundsatzfragen leicht angesäuert mit einer Grundsatzantwort. „Ich glaube nicht, dass wir jetzt hier Hau-Ruck-Fußball spielen sollten, um irgendwie eine gute Show abzuliefern. Wir müssen auf unsere Kompaktheit achten. Ich möchte auch an die Spiele in Köln oder Hamburg in der letzten Saison erinnern: Da hat keiner danach gesagt, dass wir nur hinterhergelaufen sind, sondern da hieß es: Wir haben gewonnen. Und das ist es, was am Ende zählt.“

Tatsächlich hatte Vitesse, konstant unter den Top Sechs der Eredivise in den vergangenen Jahren und zuletzt als Fünfter knapp an den Europapokalplätzen vorbeigeschrammt, die Lilien vor allem in der zweiten Halbzeit mit schier unendlichen Passstafetten gestresst. „Es ist klar, dass man gegen solche Mannschaften nicht in jeder Pressingsituation den Ball bekommt“, erklärte Grammozis: „Man muss auf die richtige Situation warten.“ So war am Ende nicht die relativ geringe Ballzeit der Darmstädter das Problem gegen die passverliebten, technisch starken Niederländer, sondern das, was nach den Ballgewinnen geschah, die es über die gesamte Spielzeit immer wieder gab. Da fehlte den Lilien mitunter die Ruhe, die sich bietenden Räume im Umschaltspiel auszunutzen, vielleicht auch die fußballerische Klasse. Chancen waren indes auf beiden Seiten rar, weil auch die Gäste bei hohen Temperaturen den Zug zum Tor meistens vermissen ließen, mit der Pausenführung im Rücken sowieso.

All das wird Grammozis ein willkommener Ansatzpunkt für die abschließende Woche der Vorbereitung sein, die im Spiel in Hamburg gipfelt. Auch dort erwartet die Südhessen ein spielstarker Gegner, auch dort wird es Phasen geben, in denen vor allem Geduld und Konzentration in der Defensivarbeit gefragt sind – und Präzision bei Gegenstößen. Das Spiel gegen Arnheim „gibt uns ein Gefühl dafür, wo wir noch justieren müssen“, sagte Grammozis. Was die Startelf angeht, wird er womöglich dazu gezwungen sein.

Denn das Verletzungspech auf den Flügelpositionen setzte sich am Samstag am Böllenfalltor fort. Linksaußen Mathias Honsak, 22, Neuzugang von RB Salzburg, war nach einem Foul umgeknickt und von zwei Betreuern gestützt vom Platz gehumpelt. „Der Doc hat gesagt, dass es nicht so schlimm ist, wie es zunächst ausgesehen hat“, sagte Grammozis.

Das genaue Ausmaß der Verletzung war allerdings auch am Sonntag noch nicht klar. Es ist alles andere als unwahrscheinlich, dass der schnelle Österreicher in Hamburg fehlt – wie ganz sicher auch die länger verletzten Außenbahn-Neuzugänge Erich Berko und Braydon Manu. Gegen Arnheim kam Tim Skarke, auch er ein Neuer, für Honsak ins Spiel.

Ebenfalls angeschlagen runter musste der vom Verletzungspech verfolgte Angreifer Felix Platte, nur wenige Minuten nach seiner Einwechselung. Muskuläre Probleme im Oberschenkel. In Sachen Startelf wäre Platte ohnehin keine Option gewesen, im Sturmzentrum gesetzt ist Serdar Dursun, genau wie Marcel Heller rechts und Marvin Mehlem im offensiven Mittelfeld. Dahinter soll Fabian Schnellhardt dem Darmstädter Fußball Struktur geben. Der Zugang vom Absteiger MSV Duisburg hat sich als Sechser etabliert in der Vorbereitung, ballsicher und laufstark. Fast könnte man meinen, er sei ein Holländer.

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