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Abstiegskampf kann schmerzhaft sein: der Darmstädter Marvin Mehlem kracht in Hannovers Torhüter Ron-Robert Zieler hinein

Hannover 96 - Darmstadt 98

Darmstadt 98 mit Glück - Stendera sieht Rot

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Darmstadt 98 bezwingt Hannover 96 im Kellerduell der 2. Bundesliga.

Marc Stendera konnte es nicht fassen. Der Mittelfeldspieler, der ja eine äußerst unglückliche Zeit bei Bundesligist Eintracht Frankfurt hinter sich hat und gerade erst im Sommer zu Hannover 96 eine Spielklasse nach unten gewechselt war, hatte kurz vor Schluss in der Heimpartie gegen Darmstadt 98 einen sehenswerten Treffer erzielt. Aus 24 Metern zog er ab, traf die Kugel voll – und sie segelte geradewegs ins Netz. Jubel bei Stendera über das vermeintliche 2:2 in der 88. Minute, Erleichterung bei ganz Hannover 96 über den späten Punktgewinn. Pustekuchen. Denn kurz vor dem satten Schuss des 23-Jährigen war der Ball gegen den Rücken von Schiedsrichter Martin Thomsen geprallt, das ist seit dieser Saison nicht mehr erlaubt. Und so musste der Unparteiische das Tor zurücknehmen und das Spiel mit einem Hochball fortsetzen. Die Darmstädter gewannen mit 2:1 (2:1) und sind nun Tabellenzehnter, Hannover bleibt Drittletzter. „Die Einstellung und Mentalität der Mannschaft war stark“, sagte der Darmstädter Trainer Dimitrios Grammozis hinterher, „die Jungs haben bis zum Schluss gekämpft.“

Während der neue 96-Trainer Kenan Kocak im Vergleich zum vergangenen Ligaauftritt unter Vorgänger Mirko Slomka vier Wechsel in der Startelf vornahm, unter anderem durfte der Ex-Frankfurter Sebastian Jung rechts hinten ran und war prompt ein Schwachpunkt, tauschte Grammozis nur einmal. Für Mathias Honsak kickte Marvin Mehlem im offensiven Mittelfeld. Am Spielstil der Südhessen änderte das freilich wenig, der ist unabhängig von der personellen Besetzung ohnehin fast immer identisch: Hinten robust verteidigen, im Spielaufbau geduldig sein und vorne möglichst über die Außen gefährliche Szenen kreieren. Letzteres allerdings gelang den Darmstädtern in dieser Saison zu selten.

Der Plan ging auf

Und diesmal in Hannover? Da ging der Attackeplan über die Außen auf. Nach nur vier Minuten gingen sie durch ein Eigentor von Waldemar Anton in Führung. Der Darmstädter Tobias Kempe hatte auf dem linken Flügel zu viel Platz, sah Mehlem auf rechts, der den geflankten Ball eilig stoppte, abzog, zwei Hannoveraner tunnelte und Anton auf der Torlinie traf. Anstatt den Ball weit, weit wegzuhauen, was leicht machbar gewesen wäre aus Sicht des ehemaligen U-21-Nationalspielers, beförderte er ihn gegen den Innenpfosten und ins Netz. 

Hannover nach dem Wechsel besser

So sieht es wohl aus, wenn verunsicherte Fußballer ihrem Job nachgehen. In der Folge kamen die Hausherren zwar dank eines Treffers von Genki Haraguchi zum Ausgleich (14.), weil Lilien-Keeper Marcel Schuhen einen Weydandt-Kopfball auf den Fuß des Japaners faustete, insgesamt aber waren die Darmstädter besser und belohnten sich. In der 29. Minute lief der Angriff wieder über links, diesmal brachte Fabian Holland den Ball in die Mitte, Serdar Dursun ließ ihn abtropfen und Kempe zog ab – ein schönes Tor, dieser Mix aus schnellen Passfolgen und brachialem Abschluss (29.).

Nach dem Seitenwechsel kamen dann die Gastgeber energischer auf den Platz und hatten durch Weydandt (52.) und Marvin Duksch (55.) gute Gelegenheiten. Darmstadt agierte „zu passiv“, wie Trainer Grammozis befand. Die Abwehr aber verteidigte den Vorsprung mit viel Verve – und einer Menge Glück beim aberkannten Treffer von Stendera. Der kassierte aus purem Frust kurz darauf auch noch die Gelb-Rote Karte. Blöd gelaufen.

Von Daniel Schmitt

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