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Vollspann ins Glück: Marcel Heller trifft zum zwischenzeitlichen 1:1.

Sieg gegen St. Pauli

Darmstädter Stehaufmännchen

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Die Lilien gewinnen nach einem Rückstand noch 2:1 gegen St. Pauli. Alex Meier spielt nur sechs Minuten.

Knapp 20 Minuten waren gespielt, da schauten gefühlt alle Augenpaare der 11 800 Zuschauer am Darmstädter Böllenfalltor nicht mehr nach dem Treiben auf dem Rasen und fixierten nur einen einzigen Mann: Alex Meier. Der Angreifer, der 14 Jahre lang regelmäßig die Fans der Frankfurter Eintracht zu Jubelorgien geschossen hatte, erhob sich von der Ersatzbank seines neuen Klubs, dem FC St. Pauli. Er hatte das Signal zum Warmmachen erhalten, Kollege Jeremy Dudziak krümmte sich mit Schmerzen am Boden. Meier also trabte in Richtung des eigenen Kastens, begleitet von lauten Pfiffen des Darmstädter Publikums, ehe kurz darauf das Schauspiel auch schon wieder beendet war: Dudziak hatte sich erholt, Meier machte es sich wieder auf der Bank gemütlich.

Dort sah der 36-Jährige ein Spiel, dass die Gäste aus Hamburg Anfang der zweiten Hälfte zu ihren Gunsten hätten entscheiden müssen, in dem die Hausherren vom SV Darmstadt 98 sich durch einen starke Schlussphase aber nicht unverdient den 2:1 (0:1)-Heimerfolg sicherten.

Die Hessen, bei denen Victor Palsson als einziger Neuzugang in der Startelf begann, waren gut ins Spiel gekommen. Angeführt vom neuen Kapitän Fabian Holland, der auf den in die Türkei abgewanderte Aytac Sulu gefolgt war, hatten die Lilien nach einer halben Stunden häufiger den Ball (62 Prozent) als die Kiezkicker, gewannen mehr Zweikämpfe (58 Prozent) und schossen die Kugel öfter in Richtung des gegnerischen Kastens (5:0). Allerdings: Nur einmal geriet das Gästetor dabei wirklich in Gefahr, als Holland Gästekeeper Robin Himmelmann zur Parade zwang (26.).

Und die Hamburger? Die agierten wie eine abgezockte Spitzenmannschaft. In der 37. Minute setzte sich Mats Möller Daeli auf der rechten Seite gegen Holland durch, flankte scharf in die Mitte und traf genau den Kopf von Ryo Miyaichi. Der Japaner köpfte zur überraschenden Führung ein.

Fortan war die Ordnung im Darmstädter Spiel nicht mehr vorhanden. Yannik Stark, der als Sechser ran durfte, weil Tobias Kempe und Slobodan Medojevic verletzt fehlten, lief nur noch hinterher. Holland wurde mehrfach ausgespielt, die Offensivkräfte verloren jeden Ball. So konnten sich die Hausherren glücklich schätzen, bis zur Pause nicht höher in Rückstand geraten zu sein. Dimitrios Diamantakos traf nur den Außenpfosten (44.).

Auch nach dem Seitenwechsel war es wieder der Hamburger Stürmer, der die ersten Akzente setzte. Zweimal verpasste er freistehend die Vorentscheidung, er scheiterte kläglich an Lilien-Schlussmann Daniel Heuer Fernandes (46., 54.).

Die Darmstädter ihrerseits wehrten sich nun gegen die drohende Niederlage, sie rackerten und hätten durchaus einen Elfmeter bekommen können, als Marcel Heller im Strafraum zu Fall kam. Der Pfiff blieb aus, was letztlich auch irgendwie berechtigt war, hatte Heller vorher doch hauchzart im Abseits gestanden (61.). Vier Minuten später verpasste Marvin Mehlem mit einem Schuss von der Strafraumkante das 1:1.

Die Darmstädter waren nun aber zielstrebiger als noch im ersten Abschnitt und kamen zum 1:1. Marcel Heller traf die Kugel in halbrechter Position satt, der Ball zappelte links im Netz. (81.). Und eine Minute vor dem Abpfiff machte es ihm Serdar Dursun nach, als er nach Vorarbeit von Felix Platte in selbiges Eck zum Darmstädter Sieg traf.

Und Alex Meier? Der durfte in den letzten sechs Minuten mitwirken. Statt Pfiffe bekam er nun aber nur noch den Jubel der Darmstädter Fans über den ersten Dreier nach zuvor sechs sieglosen Partien zu hören.

***

Der SV Darmstadt 98 hat gestern Mittag die Verpflichtung von Patrick Herrmann perfekt gemacht. Der Rechtsverteidiger, der von Ligakonkurrent Holstein Kiel ins Hessenland wechselte, erhielt einen Vertrag bis zum Sommer 2020. Herrmann durfte am Abend beim Spiel gegen St. Pauli in den letzten sieben Minuten bereits mitwirken.

Der 31-Jährige spielte seit 2011 für Kiel und machte 270 Pflichtspiele für Holstein. In dieser Saison verlor er seinen Stammplatz und kam nur zu fünf Einsätzen. „Mit Patrick Herrmann bekommen wir einen erfahrenen Spieler, der über Jahre extrem zuverlässig seine Qualitäten unter Beweis gestellt hat“, sagt Lilien-Trainer Dirk Schuster. dani

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