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Fußball als Kampf und Krampf: Linus Wahlqvist (Dresden) und Lilien-Profi Serdar Dursun.

Darmstadt - Dresden 0:0

Darmstadt 98 geht gegen Dresden auf Nummer sicher

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Darmstadt 98 wird für seinen biederen Defensivfußball ausgepfiffen.

Alles hängt mit allem zusammen, natürlich auch im Fußball, und so war es unmöglich, den Freitagabend in Darmstadt ohne den Montagabend in Osnabrück zu verstehen. Der Montagabend war erschütternd verlaufen für den Zweitligisten SV Darmstadt, mit einer 0:4-Niederlage beim Aufsteiger aus Niedersachsen. Weil sich derartiges am Freitagabend unter keinen Umständen wiederholen sollte, schrumpften die Lilien ihr Spiel gegen Dynamo Dresden auf die absoluten Grundlagen des Profifußballs zusammen: Gut verteidigen, nichts zulassen. Klassischer „Die Null muss stehen“-Fußball, und am Ende des Abends standen dann gleich zwei Nullen, und auch das war in Ordnung für die Darmstädter.

„Es war heute sehr wichtig, dass wir nach dem Scheißspiel von Osnabrück die Null gehalten haben“, sagte der defensive Mittelfeldspieler Victor Palsson nach dem torlosen Unentschieden gegen die Sachsen: „Wir mussten zurückkehren zu unseren Basics, damit es wieder schwierig ist, gegen uns Tore zu machen.“

Trainer Dimitrios Grammozis sagte, er sei „absolut zufrieden“ mit dem Ergebnis und sprach seiner Mannschaft ein Kompliment aus, denn er wisse „wie das nach so einer Klatsche ist. Da kann es gegen eine starke Dresdner Mannschaft extrem schwer werden“. Viele Darmstädter Fans waren indes überhaupt nicht zufrieden mit dem Verlauf des Abends und dem beschränkten Spiel ihrer Mannschaft, es gab deshalb Pfiffe, während des Spiels, zur Pause und, am heftigsten, direkt nach Spielschluss. Das Darmstädter Publikum ist leidgeprüft, was die spielerischen Leistungen der Südhessen anbelangt, nach vielen Jahren mit dem Trainer Dirk Schuster, einem Meister des biederen Sicherheitsfußballs. Doch die Lust, sich mit einer derart trockenen Leistung wie am Freitagabend gegen Dresden zu begnügen, hält sich bei den Lilien-Fans in Grenzen. Punktgewinn hin, Osnabrück her.

Fan verunglückt

Bei einem Sturz von einer Betonmauer im neu eröffneten Gästeblock in Darmstadt hat sich ein Fan von Dynamo Dresden schwere Verletzungen zugezogen. Der 36-Jährige wurde nach dem Spiel mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik gebracht. Auch am Sonntag war der Zustand des Mannes noch kritisch.

Die Arbeiten am Gästeblock auf der sich im Bau befindlichen Gegengeraden des Stadions am Böllenfalltor waren erst in der Woche vor dem Spiel abgeschlossen worden. Am Freitag wurde der Block erstmals für Fans geöffnet. Zuvor sei der neue Bereich von den zuständigen Behörden mit Blick auf die Sicherheit abgenommen worden, teilte Darmstadt 98 mit. (FR/dpa)

Gegen die feldüberlegenen Dresdner half manches Mal das Glück mit, dass der SVD ohne Gegentor davon kam. Baris Atik kam einmal völlig frei zum Abschluss, scheiterte aber am klasse reagierenden Lilien-Keeper Florian Stritzel (41.). „Wir hatten ein, zwei Situationen, in denen wir Fehler gemacht haben und das Glück bemühen mussten“, sagte Yannick Stark: „Ansonsten war alles recht ausgeglichen. Unsere Möglichkeiten waren leider nicht so zwingend, wir haben ein paar falsche Entscheidungen getroffen, so ist es für mich leistungsgerecht.“

Ganz selten war Darmstadt mal in der Lage, sich spielerisch zu lösen. „In engen Spielen liegt unser Augenmerk auf der Verteidigung“, erklärte Stark: „Die zweite Liga ist ausgeglichen, und da ist es eine gute Basis, defensiv sicher zu stehen, darauf können wir dann aufbauen, besonders, weil es uns Montag nicht gelungen ist. Mit unseren schnellen Spielern wollen wir schnelle Konter fahren und uns dann auch in Zukunft spielerisch weiterentwickeln.“

Und es liegt natürlich auch an der Personalsituation, dass Trainer Grammozis und die Lilien aktuell lieber auf Nummer sicher gehen. Zahlreiche Verletzte beschränken die Möglichkeiten in der Offensive, die Flügelspieler Braydon Manu, Mathias Honsak fehlen aktuell, Erich Berko ist wieder gesund, braucht aber nach seiner schweren Muskelverletzung in der Vorbereitung noch etwas Zeit. Felix Plattes erneuter Muskelbündelriss kostet den Lilien eine wertvolle Option im Sturmzentrum, wo sich Serdar Dursun gegen Dresden genauso in Abwehrarbeit aufopferte wie Marvin Mehlem im offensiven Mittelfeld. Nach Ballgewinnen fehlte dann oftmals die Präzision und die Ballsicherheit, und auf den Außen fanden Marcel Heller rechts und Tim Skarke links fast keine Bindung zum Spiel.

Grammozis hätte zwar durchaus Möglichkeiten, um spielerische Impulse zu setzen, mit Tobias Kempe (gegen Dresden nach 76 Minuten eingewechselt) etwa oder Fabian Schnellhardt (kam in der Nachspielzeit). Fürs Erste setzt der 42-Jährige aber lieber auf die körperliche Präsenz der Doppelsechs Palsson/Stark. Eine Grundsatzentscheidung in der sensiblen Frühphase der Saison: Stabilität statt Attraktivität, Abwehr vor Angriff.

Die Punkteausbeute der Lilien zum Saisonstart ist jedenfalls wesentlich besser, als es die Stimmung am Freitagabend vermuten ließ: Fünf Punkte aus vier Spielen. Das taugt erstmal als Basis für die kommenden Wochen, ist wertvoll für die sportliche Grundlagenarbeit am Böllenfalltor. Wenn auch alles andere als schön.

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