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Darmstadt 98 sucht den Nachfolger für Dirk Schuster.

Darmstadt 98

Es hat sich ausgeschustert

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Darmstadt 98 scheint von Woche zu Woche schlechter zu werden. Jetzt musste der Verein handeln. Ein Kommentar.

Wer in den vergangenen Jahren irgendwann mal auf die Idee gekommen ist, seine Gedanken um den SV Darmstadt 98 kreisen zu lassen, dem dürfte unweigerlich auch das Konterfei von Dirk Schuster durch den Kopf gehuscht sein. Der 51-jährige Fußballlehrer hatte den südhessischen Klub erstmals 2012 an der Schwelle zur Bedeutungslosigkeit übernommen, ihm durch harte Arbeit neues Leben eingehaucht, ihn bis auf die große Bühne Bundesliga geführt und nicht zuletzt wieder zu einer (kleinen) Nummer im Profifußball gemacht. Die Verdienste von Dirk Schuster rund um den SV 98 sind groß. Vor der Entlassung nach 434 Tagen im Amt - Schuster hatte im Dezember 2017 zum zweiten Mal in Darmstadt angeheuert - bewahrte das den Trainer freilich nicht, aus nachvollziehbaren Gründen hat es sich ausgeschustert am Bölle.

Präsident Rüdiger Fritsch legte gestern glaubhaft dar, dass ihm die Trennung von seinem langjährigen Weggefährten nicht leichtgefallen ist. Er habe sich aber aufgrund der starken Gefährdung der Saisonziele dazu gezwungen gesehen. Die reinen Fakten waren zweifelsohne alarmierend genug, um solch eine Entscheidung zu rechtfertigen.

Legten die Darmstädter noch einen guten Saisonstart hin und hätten im Herbst mit ein, zwei Siegen sogar an die Aufstiegsplätze heranrobben können, ging danach fast nichts mehr. Nur ein Erfolg aus den vergangenen zehn Spielen - dieser dazu noch äußerst glücklich in letzter Sekunde gegen St. Pauli -, das war zu wenig. Zumal die Mannschaft, die aktuell nur noch vier Zähler Vorsprung auf den Relegationsrang vorweisen kann, von Woche zu Woche schlechter zu werden scheint. Die Darmstädter rackerten, das schon, sie machten auch nicht den Eindruck, gegen ihren Trainer zu spielen. Bloß hatte das, was da auf dem Rasen geschah, mit gutem Fußball nichts zu tun.

Schwierige Trainerwahl

Gerade in diesem Punkt muss sich auch Präsident Fritsch Kritik gefallen lassen. Vor etwas mehr als einem Jahr, die Lilien hatten die spielerisch ordentlichen Ansätze unter Ex-Coach Torsten Frings zu selten in Punkte ummünzen können, entschied sich der 57-Jährige in einer ähnlich prekären Situation ganz bewusst für den Schritt zurück. Weg vom spielerischen Ansatz, hin zum kämpferischen. Denn wer Dirk Schuster als Trainer verpflichtet, der weiß, was er bekommt. Einen Mann, der viel und hart arbeitet, der sich gerne mit dem Defensivverhalten seiner Schützlinge beschäftigt, der garantiert aber kein Mann ist, der eine Mannschaft auf ein höheres Niveau heben kann.

So kam es, wie es zu erwarten war: Kurzfristig verlief die Geschichte des SV 98 erfolgreich, der Klassenerhalt gelang. Langfristig war sie unbefriedigend, die fußballerische Weiterentwicklung misslang. Nun stehen Präsident Fritsch und vor allem der Sportliche Leiter Carsten Wehlmann vor der schwierigen Aufgabe, einer derzeit erfolglosen Mannschaft einen Trainer überzustülpen, der zu Beginn seiner Amtszeit durchaus Schuster’sche Züge mitbringen sollte - jene eines knorrigen Ergebnistrainers. Der Neue muss sein Fußballlehrerdasein darüber hinaus aber auch in der spielerischen Weiterentwicklung einer Mannschaft sehen. Keine ganz leichte Aufgabe.

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