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Die Darmstadt-Fans feiern den Klassenerhalt ihrer Mannschaft.

SV Darmstadt 98

Klassenerhalt der Lilien: Ein bisschen befreit

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Für Darmstadt 98 ist der Klassenerhalt vor allem eine Erleichterung.

Fabian Holland gab sein letztes Hemd, aber seine letzte Hose behielt er glücklicherweise an. Wenigstens in Sportunterwäsche wandelte der Mannschaftskapitän des SV Darmstadt 98 über den Rasen in Köln Müngersdorf, Trikot, Stutzen und Hose hatte er bei den Lilien-Fans im Gästeblock abgeliefert. Holland, 28, bediente gerne die Sehnsucht nach Devotionalien bei der Anhängerschaft an diesem Freitagabend, der ganz sicher zu den angenehmeren Freitagabenden in der Vereinsgeschichte des Fußball-Zweitligisten gehörte.

Klassenerhalt geschafft, drei Spieltage vor Schluss, gleich mit dem ersten Matchball, und das beim Tabellenführer im Kölner Fußballtempel: „Wahnsinn, ein absolutes Highlight!“, jubelte Torschütze Serdar Dursun nach dem überraschenden und nachgerade glücklichen 2:1 (1:0)-Sieg: „Heute können alle feiern!“ Alle, abgesehen vielleicht von den Kölnern mit ihrem im Nachgang gefeuerten Trainer Markus Anfang.

Es lief nicht alles glatt

Während viele Fans umständehalber gleich in der Domstadt blieben zum Feiern, verlagerte die Mannschaft ihre kleine Klassenerhaltsparty auf die Heimfahrt im Bus und die Nacht in Darmstadt. Den Samstag hatte Trainer Dimitrios Grammozis kurzerhand freigegeben nach dem Husarenritt beim FC, auch am Sonntag musste kein Spieler ans Böllenfalltor kommen. Und für den Montag war dann nicht mehr mit Folgeerscheinungen vom Freitag zu rechnen, denn für überbordende Feierlichkeiten war der Anlass letztlich auch zu klein. Runtergebrochen auf seinen Kern: Die Erfüllung einer Pflichtaufgabe. Mehr nicht.

Ursprünglich hatten die Darmstädter ja gehofft, sich in dieser Saison nicht großartig über den Klassenerhalt freuen zu müssen. Als Ziel im Sommer, damals noch mit dem Trainer Dirk Schuster und dem Kapitän und der Vereinsikone Aytac Sulu auf der Kommandobrücke, war eine „sorgenfreie Spielzeit“ ausgerufen worden, aber dass der Trainer inzwischen Grammozis heißt und der Kapitän Holland, zeigt, dass alles anders lief als geplant, wie so häufig im Fußball. Letztlich erwies sich die Entlassung Schusters im Februar genauso richtig wie zuvor die Freigabe der latent unzufriedenen Führungskraft Sulu, die es nach exakt sechs Jahren in die Türkei zog. Mit neuem Trainerteam, mutigerer Spielphilosophie und veränderter Teamhierarchie befreiten sich die Lilien mehr und mehr im Verlauf der Rückrunde.

Nur so waren Siege wie in Hamburg (3:2) und nun in Köln möglich, wo sich Leidenschaft mit Spielglück und taktischer Disziplin verband. Natürlich waren die Kölner in Halbzeit zwei ordentlich am Drücker, nachdem Cordoba die Pausenführung durch Dursun nach 66 Minuten egalisiert hatte. Natürlich lag es dann nicht zuletzt am großartigen Torwart Daniel Heuer Fernandes, dass nicht weitere FC-Tore fielen. Dass ausgerechnet der eingewechselte Felix Platte, in dieser Saison von zwei großen Verletzungen aufgehalten, bei einem vereinzelten Konter für die Lilien zum 2:1 traf (76.), war dann die Pointe des Abends.

„Das war ein wichtiger Schritt für uns“, sagte Darmstadts Präsident Rüdiger Fritsch im HR: „Wir können jetzt planen, früher als sonst, und die letzten drei Spiel genießen.“ Schon am Sonntag, 13.30 Uhr, kann der SVD den nächsten Aufstiegskandidat ärgern, Union Berlin. Ganz sorgenfrei natürlich.

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