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Darmstadt jubelt, Aue trauert.

Darmstadt 98

Darmstadt besiegt Aue: Später Endorphin-Ausstoß

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Darmstadt 98 besiegt Erzgebirge Aue dank eines Tores kurz vor Schluss und darf Durchatmen.

Die Partie steuerte bereits auf seinen wohlverdienten Endstand zu, denn nichts anderes als ein torloses Unentschieden wäre angemessen gewesen für dieses tendenziell grauenhafte Zweitligaspiel. Da erfasste eine Eruption das Stadion am Böllenfalltor in Darmstadt, und Dario Dumic rannte los. Rannte brüllend über den Rasen, und mit ihm brüllten die Fans des SV Darmstadt 98, entzückt über das eben Geschehene. Per Kopf hatte Dumic, der Innenverteidiger, den Ball ins Tor befördert – 1:0, 86. Spielminute. Der Siegtreffer im Spiel gegen Erzgebirge Aue. So endete das Wiedersehen mit Ex-Trainer Dirk Schuster für die Darmstädter mit einem massiven Endorphin-Ausstoß.

Darmstadt gegen Aue: Taktisches Geplänkel

Mit dem Sieg, dem zweiten in Serie nach dem 1:0 auf St. Pauli in der vergangenen Woche, macht die Mannschaft von Trainer Dimitrios Grammozis in der Tabelle einen gewaltigen Satz, steht nun auf Rang sieben. Die Gefahr der alljährlichen Herbstkrise ist damit erst einmal gebannt in Darmstadt.

Es war ein schwer beladenes Spiel, so vollgepackt mit Subtext, dass es schier nicht von der Stelle kam. Das Stadion am Böllenfalltor war ja schon immer ein spezieller Ort der Begegnung, aber am Freitagabend war alles halt noch ein bisschen spezieller. Darmstadt 98 traf auf seinen alten Trainer, Dirk Schuster, und mit ihm auf einen gewichtigen Teil der Klub-Vergangenheit. Auf dem Platz standen sich zudem die Kempe-Brüder gegenüber, Tobias bei den Lilien, in seinem ersten Startelfeinsatz der Saison, und Dennis beim bisherigen Zweitliga-Überraschungsteam aus Aue.

Sportlich wurde der Abend all den Geschichten kaum gerecht, auch aus taktischen Gründen. Schuster hatte gegen seinen langjährigen Ex-Klub erkannt, dass die Lilien zuletzt Probleme hatte, wenn sie das Spiel machen mussten. Seinen Auern vermittelte er deshalb eine Herangehensweise, die wie Vintage-Fußball bester Darmstädter Durchmarsch-Zeiten anmutete: kompakt stehen, hinter der Mittellinie auf den Gegner warten, und dann, nach Ballgewinnen, ohne jeden Schnörkel die Konter ausspielen.

So passten die Lilien sich den Ball fleißig im Mittelfeld zu, tauschten immer wieder die Positionen auf der Suche nach Räumen, welche die Gäste geschickt versteckten. Und es geschah – nichts. Und selbst wenn mal etwas geschah, geschah nichts. Serdar Dursun hatte eine gute Chance nach Kempe-Vorarbeit, trat aber am Ball vorbei (42.). Ein Loch im eigentlich makellosen Rasen am Böllenfalltor.

Lilien Darmstadt: Das „Bölle“ wandelt sich

Die größere Action schien sich das Spiel für den zweiten Durchgang aufgehoben zu haben. Nachdem Kempe nach einer schönen Einzelaktion für den SV 98 die Führung verpasst hatte (54.), kamen die Veilchen aus Sachsen wenig später gleich zu drei guten Chancen in kurzer Folge (56., 57., 58.), wobei Marko Mihojevic gar nach einer Ecke den Ball ins Tor köpfte, wegen Abseits aber zurückgepfiffen wurde.

Aue schien nun zeigen zu wollen, dass Schuster-Fußball auch anders aussehen kann und brachte die Heimelf bisweilen mit Powerplay ordentlich in Bedrängnis. Lilien-Trainer Grammozis reagierte auf die phlegmatischen Anwandlungen seiner Elf, brachte den schnellen Tim Skarke Mathias Honsak in die Partie (64.). Von irgendeiner Action, größer wie kleiner, war danach allerdings erst einmal nichts mehr zu sehen, bis kurz vor Schluss, bis Tobias Kempe eine Ecke vors Tor schlug und Dumic den Ball am Auer Keeper Martin Männel vorbei ins Netz wuchtete.

Von Jakob Böllhof

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