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Hat Begehrlichkeiten geweckt: Marvin Mehlem.

Lilien

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Bereits vor dem Trainingsstart hat Darmstadt 98 seinen Kader fast komplett – doch ein schwerwiegender Abgang droht.

Der Trainingsauftakt zur neuen Saison war in den vergangenen Jahren beim SV Darmstadt 98 eine eher gemächliche Veranstaltung. In der Regel versammelte sich ein gutes Dutzend Berufsfußballer auf dem Trainingsplatz am Böllenfalltor, beobachtet von zwei bis drei Dutzend Berufskiebitzen am Geländer. Dann drehten die Fußballer ein paar Runden, absolvierten ein paar Passübungen, und nach einer Stunde stellte sich ein Trainer namens Meier oder Frings oder Schuster vor die Aufnahmegeräte der Journalisten (halbes Dutzend) und erklärte, warum man die Ereignisse besser nicht allzu ernst nehmen solle. Denn die Vorbereitung sei lange, und die Transferperiode sei noch länger, und da werde sich noch einiges tun. Im Hintergrund prellte Kevin Großkreutz einen Ball über den Asphalt.

Inzwischen heißt der Darmstädter Trainer, der die Mannschaft am heutigen Dienstag um 13 Uhr zum Trainingsauftakt auf dem Rasen begrüßen wird, knapp sechs Wochen vor dem Start in die Zweitligasaison, Dimitrios Grammozis. Kevin Großkreutz, der alte Weltmeister, ist längst wieder weg. Dafür sind so viele andere da, dass man bereits von einer abgeschlossenen Kaderplanung beim SV98 reden könnte – wenn man es nicht besser wüsste. Wie Carsten Wehlmann, als Sportlicher Leiter der Lilien hauptverantwortlich für die Zusammenstellung der Mannschaft. Er sagt: „Ich bin sehr zufrieden damit, wie sich der Kader bisher entwickelt hat in diesem Sommer. Aber man kann nicht sagen, dass er fertig ist. Er ist nicht in Stein gemeißelt.“ Alleine schon deshalb, weil das Transferfenster noch zweieinhalb Monate offen ist und der Markt dazu neigt, erst zu später Stunde heißzulaufen.

Dennoch ist es Wehlmann, 46, mit seinem Team gelungen, bereits früh im Sommer eine gewisse Klarheit in den Kader des südhessischen Zweitligisten zu bringen. Da der Klassenerhalt relativ früh feststand, am drittletzten Spieltag, habe man zeitig Planungssicherheit gehabt, erklärt Wehlmann. „So konnten wir dann schon einiges umsetzen.“ So verging zuletzt kaum ein Tag, ohne dass die Darmstädter Medienabteilung einen Neuzugang verkündete. Torwart Marcel Schuhen, 26, kam vom SV Sandhausen, als Ersatz für den zum Hamburger SV gewechselten Daniel Heuer Fernandes; Rechtsverteidiger Mandela Egbo, 21, kam von Borussia Mönchengladbach, die Flügelstürmer Tim Skarke und Braydon Manu, beide 22, vom 1.FC Heidenheim respektive dem Halleschen FC. Fürs zentrale Mittelfeld wurde Fabian Schnellhardt, 25, vom Zweitligaabsteiger MSV Duisburg verpflichtet, für die Innenverteidigung Patric Pfeiffer, 19, der zuletzt beim Hamburger SV unter Vertrag stand. Der Transfer von Erich Berko, 24, von Dynamo Dresden nach Darmstadt wurde schon im vergangenen Winter ausgemacht.

Dass da Namen dabei sind, die man erst einmal googeln muss, ist tendenziell etwas Neues beim SV Darmstadt, aber auch Teil einer Gesamtentwicklung. „Es hat alles seinen Grund, warum welche Transfers wie gemacht wurden“, sagt Carsten Wehlmann: „Im Vorjahr gab es erst spät Planungssicherheit, im Winter haben wir aufgrund der brenzligen Tabellensituation erfahrene Spieler mit dazu genommen und auch über die Saison hinaus verpflichtet. Jetzt hatten wir eine frühe Planungssicherheit und auch schon eine erfahrene Mannschaft. Deshalb haben wir nun die Möglichkeit, einige eher jüngere Spieler zu verpflichten, bei denen der eine oder andere vielleicht noch etwas Zeit braucht. Dennoch ist bei Tim Skarke, Erich Berko und Fabian Schnellhardt auch schon einiges an Zweitligaerfahrung vorhanden.“ Während Skarke auf 13 Einsätze in Heidenheim kam, war Berko in Dresden genauso Stammspieler wie Schnellhardt in Duisburg. Spieler mit Perspektive, die aber sofort helfen können, derweil die Talente und Manu und Pfeiffer langsam herangeführt werden sollen an die Begebenheiten in der zweiten Liga.

Fast alle Positionen sind doppelt besetzt, manche sogar dreifach, sodass Trainer Dimitrios Grammozis, den Wehlmann als Glücksgriff bezeichnet, bereits zu Beginn der Vorbereitung viele Optionen hat. Formell fehlt noch ein vierter Innenverteidiger und ein Schlussmann, der das Torwarttrio komplettiert. Abgesehen davon natürlich, dass auch Abgänge möglich sind, auch solche, die den Lilien wehtun würden.

Dass Marvin Mehlem, 21, mit erfrischenden Auftritten die Aufmerksamkeit anderer Klubs geweckt hat, ist kein Geheimnis. Zuletzt war vom VfB Stuttgart die Rede. Aber auch beim Thema Mehlem klingt Carsten Wehlmann nicht sonderlich nervös. „Grundsätzlich hat Marvin noch Vertrag bis 2020 bei uns, es gab auch schon Gespräche über eine Verlängerung“, sagt der Manager. Und: „Es liegen aktuell keine Anfrage anderer Klubs für ihn vor. Dass so ein Spieler interessant für andere Vereine ist, das ist klar. Für uns ist er aber ein wichtiger Spieler. Wenn was passiert, haben wir das Heft des Handelns in der Hand.“

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