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Auf dem Weg zum 1:0: Tim Skarke (rechts).

SV Darmstadt 98

Tim Skarke schwebt auf Wolke sieben

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Der SV Darmstadt 98 feiert dank eines Neuzugangs den ersten Heimsieg der Saison.

Der Sonntagnachmittag hatte nicht gut begonnen für alle, die es mit dem SV Darmstadt 98 halten. Um halb drei gab der südhessische Zweitligist bekannt, dass sich Torwart Marcel Schuhen am Freitag im Training den linken Arm gebrochen hatte, der Neuzugang vom SV Sandhausen wird aller Voraussicht nach sechs bis acht Wochen ausfallen. Bitter für den 26-Jährigen, der nach dem Wechsel von Daniel Heuer Fernandes zum Hamburger SV als Nummer eins vorgesehen war, und bitter für die Lilien.

Dass der Sonntagnachmittag aber schließlich ein angenehmes Ende für die Darmstädter fand, lag dann allerdings auch an Schuhens Vertreter, Florian Stritzel. Mit 2:0 (1:0) setzten sich die Lilien am zweiten Spieltag der Zweiten Fußball-Bundesliga durch, gegen Holstein Kiel, und Stritzel, 26, hielt, was zu halten war. „Einstand, dann zu Null spielen – ich könnte nicht glücklicher sein“, sagte der 1,97-Meter-Mann hinterher mit leiser Stimme. Und Trainer Dimitrios Grammozis lobte: „Er hat es sehr, sehr gut gemacht. Das zeigt, dass wir zwei gute Torhüter haben.“

Überhaupt war Grammozis voll des Lobes nach diesem etwas seltsamen und zähen Zweitligaspiel bei lähmenden Temperaturen. Er lobte sein eigenes Team für eine kämpferische und disziplinierte Leistung, und er lobte die Kieler („eine sehr, sehr gute Mannschaft“), und indem er die Spielstärke des Gegners extra betonte, konnte er direkt noch einmal sein eigenes Team loben. Denn: „Die Kieler haben ein sehr gutes Kombinationsspiel, auch im letzten Drittel. Das wollten wir unterbinden, und das ist uns auch meistens gelungen.“ Nur mit den Kontern der Lilien war Grammozis nicht zufrieden, die habe man, zum Teil in Überzahl, nicht gut ausgespielt.

71 Prozent Ballbesitz stand am Ende für die Gäste aus Kiel in der Statistik, aber es war ein stumpfer Wert. „Darmstadt hat sich den Sieg verdient, weil sie couragiert aufgetreten sind und eng in der Defensive standen“, sagte Gäste-Trainer André Schubert, der die zum Teil krassen Fehler seiner Mannschaft im Spielaufbau bemäkelte.

Ex-Eintrachtler Ignjovski hilft den Darmstädtern

Auch Aleksandar Ignjovski, einst relativ erfolglos bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag und vor der Saison vom Absteiger Magdeburg zu Holstein gekommen, fiel in dieser Hinsicht mit ein paar hanebüchenen Fehlpässen auf. Auch sonst glänzte „Iggy“, der gelernte Goldschmied, an diesem Tag eher nicht.

Tim Skarke sorgte mit dem 1:0 (11.) für die Lilien dafür, dass sich das Bild bei der Einweihung der neuen Stehplätze auf der Gegengerade am Böllenfalltor früh verfestigte: Kiel hatte den Ball, passte ihn sich fleißig hin und her, fand aber gegen die tief und kompakt stehenden Darmstädter keine Lösungen. Es war Skarkes zweites Saisontor, nachdem der Neuzugang bereits in der Vorwoche beim 1:1 in Hamburg schon die Führung erzielt hatte, da noch als Einwechselspieler. Diesmal durfte der Flügelflitzer von Beginn an, setzte sich vor seinem Treffer nach Vorlage Marvin Mehlems stark gegen einen Gegenspieler durch und tunnelte Kiels Torwart Dominik Reimann. „Der schwebt gerade auf Wolke sieben“, sagte Grammozis später lachend und ließ gleichzeitig keinen Zweifel daran, dass beim 22-Jährigen noch viel zu tun ist. Zum Beispiel in Sachen Power: Nach 60 Minuten musste Skarke entkräftet ausgewechselt werden.

Vier Minuten später sorgte Serdar Dursun dann für die Entscheidung mit dem 2:0, in einer Szene, die stellvertretend für einen Nachmittag stand, den beide Offensiven mit Unzulänglichkeiten prägten. Dursun ignorierte bei einem Konter zwei mitgelaufene Kollegen, völlig frei, verhedderte sich dann beim Versuch, es irgendwie alleine hinzubekommen, und hatte Glück, dass Ignjovski ihn völlig unnötig foulte. Dursun verwandelte den Elfmeter selbst.

„Er muss abspielen. Zum Glück hat er den Elfmeter rausgeholt, sonst wäre ich sauer gewesen“, sagte Marcel Heller, einer der Mitgelaufenen, und blickte drein, als wäre er auch so nicht eben glücklich. Gibt also trotzdem Gesprächsbedarf am Bölle – auch nach dem gelungenen Saisonstart mit vier Punkten aus zwei Spielen. 

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