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Abgekämpft und glücklich: Christoph Moritz und die Darmstädter Fans.

Darmstadt 98

Die Feier vor der Feier

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Darmstadt 98 will sich erst zum Klassenerhalt gratulieren lassen, wenn er rechnerisch perfekt ist - schiefgehen wird aber nichts mehr.

Nach dem Spiel drifteten Worte und Taten bei den Fußballprofis des SV Darmstadt 98 so ein bisschen auseinander. Nicht schlimm war das, überhaupt nicht, aber doch auffällig genug, dass es zu einer Erwähnung taugt. Bereitwillig also marschierten die Zweitligakicker kurz nach dem Abpfiff des torlosen Unentschiedens gegen den VfL Bochum zu ihrem Fanblock. Die Anhänger hinter dem Tor reckten die Arme durchs Tribünengitter, und wer es nicht rechtzeitig in die vorderste Reihe geschafft hatte, klatschte stattdessen kräftig in die Hände. Applaus vom Großteil der 10 590 Anhänger im Stadion am Böllenfalltor, Applaus für das Erreichte, Applaus für den Klassenerhalt - so machte es allenthalben den Anschein.

Klassenerhalt? Nein, sagten die Darmstädter Beteiligten wenige Minuten später, kurz nachdem sie die ganze Tribüne noch breit grinsend abgelaufen, ihre Treuesten der Treuen abgeklatscht und Glückwünsche entgegengenommen hatten. „So lange wir rechnerische noch nicht gerettet sind, werden wir keine Gratulationen für den Klassenerhalt annehmen“, sagte der Darmstädter Mittelfeldspieler Christoph Moritz. Sein Trainer Dimitrios Grammozis ergänzte: „Im Fußball habe ich schon zu viele Sachen gesehen. Ich bin ein Mensch, der nicht auf die Hoffnung setzt. Ich muss so etwas sicher haben.“

Nun gut, wirklich unsicher ist die Lage für die Darmstädter nach 30 absolvierten Spieltagen aber gewiss nicht mehr. Passiert nichts Außergewöhnliches, könnten sogar alle vier noch ausstehenden Partien versemmelt werden und die Lilien würden kommende Saison trotzdem zweitklassig dem Ball hinterherjagen. Zehn Punkte haben die Südhessen nach der Punkteteilung gegen die Bochumer nun Vorsprung auf die Abstiegszone, das scheint mehr als genug, um in dieser Saison keine Überraschung mehr zu erleben, „Das hört sich natürlich gut an“, sagte Moritz, den es kaum störte, in einem durchschnittlichen Duell den auch rechnerisch entscheidenden Heimsieg verpasst zu haben. „Wenn es nicht gelingt, sich zahlreiche Chancen zu erspielen, dann will man zumindest hinten die Null halten“, sagte er.

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In der Tat, einen Sieger hatte das Spiel nicht verdient. In den ersten Minuten waren die Gastgeber zwar überlegen, hatten ihre beste Torchance durch einen Seitfallzieher von Kapitän Fabian Holland (15.), spätestens danach aber waren die Bochumer ebenbürtig. VfL-Torjäger Lukas Hinterseer scheiterte am herausragend reagierenden Darmstädter Schlussmann Daniel Heuer Fernandes (22.).

Anschließend bewegten sich die 22 Spieler den äußeren Umständen entsprechend auf dem Platz umher. Derart gemächlich, dass es so ein bisschen anmutete, als würden sie nicht auf einem perfekt getrimmten Rasen um Punkte spielen, sondern nur auf der wildwachsenden Wiese des Großen Woogs um die Ehre. Die Sonne, die Temperaturen verlangsamten das Duell doch sichtbar, es galt, mit den Kräften hauszuhalten. Lange passierte nichts. Erst nach der Pause wurde der zur Führung einköpfbereite Darmstädter Tobias Kempe gerade noch am 1:0 gehindert (51.), später setzte wieder Hinterseer einen Ball freistehend über den Kasten (70.). Das war’s.

„Wenn man nicht gewinnen kann, dann muss man mit einem Punkt zufrieden sein“, sagte Trainer Grammozis hinterher. Eine Aussage, die für alle Beteiligten galt. Und für die sich beide Mannschaften nach dem Schlusspfiff wohltuenden Applaus von ihrer jeweiligen Anhängerschaft abholten.

Aber nicht für mehr, das versteht sich von selbst. Denn das, betonte Christoph Moritz gleich ein zweites Mal, wolle man wirklich erst machen, wenn auch rechnerisch nichts mehr schiefgehen kann. „Es wäre natürlich toll, in Köln den Klassenerhalt klar zu machen und ihnen in die Aufstiegssuppe spucken zu können“, sagte Moritz mit Blick auf das anstehende Freitagsspiel beim Tabellenführer.

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