Fußball-Bundesliga

Bloß nicht in den Abstiegsstrudel ziehen lassen

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Darmstadts Trainer Schuster sieht einen „riesigen Druck“ bei den Hoffenheimern.

So ganz ohne Druck und Anspannung wird der immer noch recht frische Bundesligist SV Darmstadt 98 die exakt 92,5 Kilometer kurze Dienstreise hinüber nach Sinsheim nicht antreten. „Jedes Spiel ist enorm wichtig“, sagt Trainer Dirk Schuster. Das sagt er vor jedem Spiel. Und stimmt ja auch, irgendwie. Also ist auch jene Begegnung bei der TSG Hoffenheim von einiger Bedeutung.

Und doch: Für die Kraichgauer steht deutlich mehr auf dem Spiel als für die Lilien. Sie sind zum Siegen verdammt. Das Fachmagazin „Kicker“ hat die Gemengelage beim Tabellenvorletzten mit nur 14 Punkten messerscharf analysiert: „Die Zeit der Ausflüchte, Alibis oder Ausreden ist nun definitiv abgelaufen. Ab Sonntag muss Hoffenheim liefern und punkten.“ Wenn es nur so einfach wäre.

Ein Endspiel ist es für die TSG natürlich nicht, weil auch nach der sonntäglichen Partie (17.30 Uhr) noch 14-mal drei Punkte vergeben werden. Doch wer bislang nur zwei Siege insgesamt geholt und schon sieben Punkte Rückstand aufs rettende Ufer hat, der sollte schon das große und einzige Ziel vor Augen haben, gegen einen Neuling zu gewinnen. „Die Hoffenheimer“, sagt der Darmstädter Trainer Schuster, „die Hoffenheimer stehen unter riesigem Druck.“ Bisher konnten sie damit nicht so wirklich gut umgehen, auch wenn der Start der Rückrunde nicht so schlecht war. Aus den kniffligen Partien gegen Leverkusen und Bayern gab es zumindest einen Punkt (gegen Bayer 04). Das ist einer mehr als man den Sinsheimern zugetraut hatte. Für die Mannschaft von Huub Stevens geht es darum, Anschluss zu finden und heranzurobben an die Klubs, die über der TSG rangieren. Und es geht darum, die Lilien ganz tief mit hineinzuziehen in den Abstiegsmorast. Deshalb ist die Partie am Sonntag eine von vorentscheidender Bedeutung. Wenn die Hoffenheimer es nicht schaffen sollten, die Hessen in die Knie zu zwingen – ja, wen denn dann?

Die 98er konnten sich bisher aus dem gröbsten Abstiegskampf heraushalten, auch wenn das Ringen um den Ligaverbleib rund ums Böllenfalltor immer präsent ist. Die Darmstädter sind aber erstmals so ein bisschen stärker in den Strudel geraten, der einen auch mal ganz nach unten ziehen kann. Das liegt in erster Linie an der Konkurrenz wie Frankfurt oder Stuttgart, die zuletzt fleißig gepunktet hat. Noch immer ist die Ausgangsposition der Lilien komfortabel, der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz beträgt sieben Zähler. Und die Südhessen fahren trotz der jüngsten Niederlage gegen Schalke 04 voller Optimismus ins Dietmar-Hopp-Land, alldieweil sie ja auch auswärts eine ziemliche Macht sind. Nach Bayern, Dortmund und Leverkusen zählt das Schuster-Team mit 14 errungenen Zählern (vier Siegen) zur viertbesten Mannschaft in der Fremde. Eine herausragende Bilanz. Auswärts, das muss man konstatieren, sind die Lilien noch kompakter, noch entschlossener und zielstrebiger. Vor allen Dingen sind sie nicht verpflichtet, das Spiel zu machen, sie müssen wegen ihrer rigorosen Defensivtaktik nicht mal ein schlechtes Gewissen haben. Und sie lauern auf fremdem Terrain noch geistesgegenwärtiger auf Kontersituation – und schließen diese nicht selten erfolgreich ab. Auch die Standards, ohnehin eine Waffe der Lilien, kommen in auswärtigen Stadien noch gefährlicher – warum auch immer.

Und doch werden die Darmstädter, bei denen Neuzugang Felix Platte von Schalke 04 im Kader steht, aber zunächst einmal auf der Bank sitzen wird, immer wieder genannt, wenn es darum geht, Kandidaten auszumachen, für die es am Ende doch nicht reichen wird. Paderborn gilt da immer als mahnendes Beispiel. Auch die Ostwestfalen hatten eine gute Hinserie gespielt, wurden dann aber durchgereicht. Sie hatten nach 19 Spielen aber zwei Zähler weniger als die Lilien. Es ist nicht zu erwarten, dass die Darmstädter, die auf Rechtsverteidiger György Garics (Knieprobleme) verzichten müssen und für den Florian Jungwirth spielen wird, einbrechen werden. Dazu ist die Mannschaft zu fit und zu gefestigt. Ob es letztlich für den Klassenerhalt reicht, steht auf einem anderen Blatt. Ein Punkt in Hoffenheim würde die Situation aber noch komfortabler machen.

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