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Erzielt den entscheidenden Treffer gegen die Lilien: Nico Hillenbrand.

DFB-Pokal

Blamables Pokal-Aus für Darmstadt 98 in Walldorf

Bundesligist SV Darmstadt 98 blamiert sich im Pokal beim Außenseiter aus der Regionalliga Südwest nach Kräften. Mittelfeldspieler Jerome Gondorf übt harte Kritik.

Die einen bildeten nach Abpfiff eine blaue Jubeltraube, der andere nestelte an seinem Anorak herum. Hier die tanzenden Spieler von Astoria Walldorf, dort der einsame Trainer des SV Darmstadt 98. Keine Frage: Während der Vertreter aus der Regionalliga Südwest nach diesem Pokalabend sein Glück kaum fassen konnte, wird sich Norbert Meier fragen müssen, warum all seine Warnungen in den Wind geschlagen wurden? Denn in der Zweitrundenpartie in der baden-württembergischen Provinz passierte am Mittwoch genau das, wovor der Coach doch gewarnt hatte. Mindestens eine Halbzeit lang zu hochnäsige Lilien ließen sich mit den eigenen Waffen schlagen.

Die 0:1 (0:1-)Niederlage nach dem goldenen Tor von Nico Hillenbrand (32.) ging als Lehrstück durch, dass in diesem Wettbewerb die Mentalität über die Qualität obsiegt – dann, wenn sich der vermeintliche Favorit einer unangemessenen Laissez-faire-Haltung bedient. „Astoria hat ein tolles Spiel abgeliefert. Wir hatten zwei Chancen, dann haben wir völlig den Faden verloren. Wir hätten noch zehn Stunden spielen können – wir hätten kein Tor gemacht. Walldorf ist der verdiente Sieger“, gab Meier unumwunden zu.

„Wir haben uns in einen Rausch gespielt und hätten den Sack sogar früher zumachen können. Jetzt hoffen wir auf ein gutes Los“, sagte Walldorfs Siegtorschütze Hillenbrand. Beim Favoriten herrschte dagegen das blanke Entsetzen. „Das war zu wenig. Wir hatten das Weiterkommen nicht verdient“, räumte Abwehrspieler Fabian Holland ein.

Somit verschenkte der Bundesligist leichtfertig die Chance auf eine hohe sechsstellige Zusatzeinnahme. „Wir haben am Anfang aus zwei hundertprozentigen Chancen kein Tor gemacht und dann den Gegner aufgebaut“, sagte Darmstadts Mittelfeldspieler Jerome Gondorf: „Wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen. Das war ein bitterer Abend für uns.“

Meier hatte zuvor Veränderungen angekündigt. Auf insgesamt fünf Positionen stellte er sein Team im Vergleich zum 3:1 gegen den VfL Wolfsburg um. Stürmer Antonio-Mirko Colak verdrängte im Sturmzentrum Sven Schipplock, der sich auf dem rechten Flügel wiederfand. Änis Ben-Hatira wurde genau wie Laszlo Kleinheisler geschont, für den Victor Obinna im offensiven Mittelfeld sein Pflichtspieldebüt gab, das nach einer Halbzeit schon wieder beendet war. Insgesamt stifteten die Umstellungen auf Darmstädter Seite viel Verwirrung.

Wer den Regionalliga-13. defensiv erwartet hatte, sah sich bald getäuscht. Zwar hätten Heller (5.) und Colak (6.) gleich zu Beginn für die Gästeführung sorgen können, im Falle Hellers sogar müssen, er scheiterte in seiner zögerlichen Aktion aus kürzester Distanz an Astoria-Torwart Jürgen Rennar. In der Folgezeit aber tat sich der Erstligist immer schwerer, seiner Favoritenrolle gerecht zu werden. Und so kam, was kommen musste: Nach 32 Minute startete der Hausherr über Darmstadts rechte Abwehrseite einen forschen Vorstoß und Nico Hillenbrand bugsierte den Ball aus Nahdistanz vor Torwart Michael Esser über die Linie. Die Südhessen hatten sich von einem übertölpeln lassen, der einst mal Borussia Dortmund von einer Bundesligakarriere träumte, dann aber doch nur ein einziges Erstligaspiel machen durfte: im Dezember 2007 noch unter Thomas Doll.

Darmstadt nahm im Grunde erst wieder nach der Halbzeit dieses Pokalspiel an. Zeitweise belagerten die Gäste auch den Strafraum des Viertligisten, doch es war schon tölpelhaft, wie beispielsweise Hoffenheim-Leihgabe Colak im Dietmar-Hopp-Sportpark aus Nahdistanz den Ball über den Balken drosch, der ihm zufällig vor die Füße gesprungen war (66.).

Mit der Hereinnahme des fast in Vergessenheit geratenen Hünen Dominik Stroh-Engel versuchte Darmstadt, mit der Brechstange den Ausgleich zu erzwingen; einen anderen Offensivplan hatte der Bundesligist gegen einen mit sechs Studenten angetretenen Gegner ohnehin nicht zu bieten. Der Torheld aus Darmstädter Drittliga-Zeiten brachte noch am meisten Unruhe und sollte einen Elfmeter für sich reklamieren, den ihm Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus aber nicht gewährte (88.). Unter dem Strich aber blieb das Anrennen erfolglos, weil zu durchsichtig. Viel Zeit zur Aufarbeitung der Blamage hat Darmstadt nicht – bereits am Samstag kommt der noch ungeschlagene Liga-Überflieger RB Leipzig ins Stadion am Böllenfalltor. (hel/böl/sid/dpa)

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