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Matsch, Wiese oder Rasen? Die Realität im Stadion am Böllenfalltor, wo Darmstadts Bundesligaspiele stattfinden.

Darmstadt - Dortmund

BVB bereit für den Kulturschock

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Nicht nur wegen des schlechten Rasens erwarten Darmstadt und Dortmund ein besonderes Spiel.

Erst am Ende der Pressekonferenz hat Dirk Schuster laut losgeprustet. Als der Trainer des SV Darmstadt 98 doch noch mal seine prägendste Erinnerung aus seinen aktiven Zeiten abrufen sollte, die er mit Borussia Dortmund verbinde. Sofort grinste der Fußballlehrer. „Andy und ich lachen uns darüber bis heute kaputt.“ Schuster feixte noch vom Vogel, der damals durchs Westfalenstadion geflattert sei. Tatsächlich waren der schnelle Nationalspieler Andy Möller, damals BVB, und der aufrechte Abwehrrecke Schuster, damals Karlsruher SC, an der berühmtesten Schwalbe der Bundesliga-Geschichte beteiligt. Das Wort „Schutzschwalbe“ war wochenlang in aller Munde.

Der dreiste Täuschungsversuch am 26. Spieltag der Saison 1994/95 brachte dem ehemaligen Frankfurter und heutigen Co-Trainer der ungarischen Nationalelf sogar eine nachträgliche Sperre ein. Lang, lang ist’s her. Und doch freut sich Schuster fast diebisch auf das Wiedersehen mit einem Verein, für den er aktuell nur lobende Worte übrig hat. „Es erübrigt sich fast, über Dortmunds Qualitäten zu reden. Es kommt der beste Tabellenzweite Europas: Sie stehen für viel Tempo, viele Tore, taktische Flexibilität“, sagte der 48-Jährige im kleinen Kabuff des Stadions am Böllenfalltor beinahe ehrfurchtsvoll. „Wir sind krasser Außenseiter.“ Aber seine Spieler sollen es einfach mal genießen: „Mittwochabend, Flutlicht, volles Haus: Dafür lebt ein Fußballer.“

Nur Garics fehlt verletzt

Vielleicht irgendwie „einen Punkt hier behalten“, gab der Lilien-Coach für das heutige Heimspiel (20 Uhr) als Losung aus. Als Blaupause könnte für die Südhessen, bei denen bis auf den an Knieproblemen leidenden Rechtsverteidiger György Garics alle Akteure zur Verfügung stehen, das spät erkämpfte 2:2 im Hinspiel dienen, als Aytac Sulu noch der späte Ausgleich gelang, sein. Damals zeigte sich Schuster von den „vielen Dortmunder Ballpassagen“ arg beeindruckt, „sie passen so lange, bis irgendwo eine Tür aufgeht.“ Was ist dagegen zu tun? „Alle zehn Feldspieler müssen definitiv nach hinten mitarbeiten und die Räume zumachen.“

Noch etwas anderes könnte helfen, den schwarz-gelben Spielfluss zu zerstören. Der Rasen, das seit Jahren im Darmstädter Stadion ausliegt, verdient seinen Namen kaum mehr. Der Untergrund ist zwar eben gewalzt, aber der Bewuchs überaus spärlich – erstligatauglich ist dieses versandete Spielfeld mitnichten, auf dem die Darmstädter Profis am Dienstagabend auch ihr Abschlusstraining abhielten. Und so manch andere kampfbetonte Trainingseinheit ging hier auch vonstatten, was die Platzqualität gewiss nicht verbessert hat.

Schuster nervt das Thema inzwischen ein bisschen. „Ich kann da kein fachmännisches Urteil abgeben. Ich habe keine Ahnung vom Rasen“, lautete seine lapidare Zustandsbeschreibung. BVB-Star Marco Reus hat bereits abfällig von einem „super Rasen“ gesprochen, der größter Gegner für den Gast sein werde. Sein Trainer Thomas Tuchel äußerte sich am Dienstag nicht ganz so kritisch: „Es gibt auch dort die Möglichkeit Fußball zu spielen.“

Er freue sich jetzt halt „auf Fußball pur“, Das Böllenfalltor sei „etwas ganz Ursprüngliches“. Was aber völlig in Ordnung sei: „Das ist so, wie es mal begonnen hat.“ Nur werde der erste Borussia-Auftritt an diesem Ort seit 34 Jahren eine Art „Kulturschock“ sein. Wenn der BVB diesen überstanden hat, gibt es ja zur Belohnung etwas Besseres: Samstagabend das Topspiel gegen den FC Bayern. Auf besonders liebevoll gepflegtem, stets künstlich bestrahltem Grün in Dortmund.

Aber auch Darmstadt darf sich freuen: Anfang nächster Woche soll neuer Rollrasen herangekarrt und verlegt werden, der dann zum Heimspiel gegen den FC Augsburg (12. März) endlich optimale Bedingungen bieten soll. Schuster sagte noch, diese Nachricht habe er „bislang nur aus der Presse erfahren.“ Sollte wohl heißen: Er glaubt es erst, wenn neuer Rasen wirklich ausliegt.

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