Lilien

Ausgefahrene Antennen

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    Daniel Schmitt
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Darmstadt 98 ist Vorletzter, hat seit Anfang August nicht mehr gewonnen und will dennoch nicht in Panik verfallen.

Carsten Wehlmann ist ein freundlicher Mensch, einer, der in der Regel für Journalisten gut zu erreichen ist, der fast immer ausführliche Rede und Antwort steht – egal, ob es nun gut läuft für den Fußball-Zweitligisten SV Darmstadt 98 oder schlecht wie in diesen Tagen. Manchmal ist Carsten Wehlmann sogar so freundlich, das verriet der Sportdirektor nun der FR, dass er sich fast nicht in das Büro von Dimitrios Grammozis und dessen Assistenten hineintraut. Er könnte ja womöglich die Arbeitsabläufe stören. Wenn er die Akribie und Leidenschaft des Trainerteams beim Vorbereiten der Übungseinheiten und bei der Analyse der Gegner sehe, „dann möchte ich manchmal überhaupt nicht stören“. Wehlmann lachte bei diesen Worte, denn er tut es natürlich trotzdem, jeden Tag sogar mindestens einmal. „Wir finden immer genug Zeit, um alle Themen zu besprechen“, sagt er.

Derzeit ist der regelmäßige Austausch zwischen Trainer und Sportdirektor vielleicht wichtiger denn je. Denn die Themen sind gerade alles andere als erfreuliche. Nachdem es seit der Anstellung von Grammozis im Februar anfangs bergauf ging, sind die Darmstädter mittlerweile fast unbemerkt in eine veritable Krise gerutscht. Die Leistungen stimmen zwar häufig, die Punkteausbeute aber nicht.

Der letzte Sieg der Lilien datiert vom 4. August, am zweiten Spieltag war das. Mittlerweile sind die Darmstädter Tabellenvorletzter mit acht Punkten, nur der hessische Konkurrent SV Wehen Wiesbaden ist noch schlechter. Am Samstag steht nun das schwierige Auswärtsspiel beim fünftplatzierten und im Aufschwung befindlichen FC St. Pauli an. „Uns fehlt momentan die Effizienz im Verwandeln der Torchancen, die wir uns kreieren. Manchmal ist es schlicht Spielpech, manchmal haben wir in dem Moment selbst nicht den richtigen Blick für die Situation und treffen falsche Entscheidungen. Das Resultat ist aber das gleiche: Die bis dato erzielten Tore sind zu wenig“, analysiert Wehlmann, der logischerweise auch die Punkteausbeute für „nicht zufriedenstellend“ hält, gleichwohl aber die Ruhe bewahren will. Denn die Mannschaft entwickele sich vor allem fußballerisch weiter.

„Nicht angenehm“

Und tatsächlich: Im Vergleich zu den Zeiten unter Vorgängertrainer Dirk Schuster spielen die Darmstädter unter Grammozis einen guten Ball. Sie versuchen vom Torwart über die Viererabwehrreihe bis nach vorne zu kombinieren. Teils schraubten die Lilien zuletzt ihre Ballbesitzanteile in lange nicht gekannte Prozentzahlen nach oben. Doch zu oft enden die Passstafetten doch schon vor dem gegnerischen Strafraum. „Die momentane Tabellenposition fühlt sich natürlich nicht angenehm an, aber wenn man die Punkteabstände betrachtet, ist alles noch sehr eng beieinander“, sagt Wehlmann und meint damit, dass der VfL Bochum nur wegen der etwas besseren Tordifferenz vor den Lilien auf dem ersten Nichtabstiegsplatz liegt.

Ein Murren im Umfeld ist dennoch deutlich zu vernehmen. In Darmstadt waren die Fans in den vergangenen Jahren ja durchaus gewohnt, nicht immer die schmackhafteste Fußballkost aufgetischt zu bekommen, die Ergebnisse aber sollten dann schon stimmen, das ist das, was zählt. „Unsere Sinne sind geschärft und die Antennen ausgefahren, aber in Panik verfallen wir definitiv nicht“, so der 47-jährige Wehlmann, für den der Sportdirektorenposten in Darmstadt der erste in vorderster Reihe eines Klubs ist. In Kiel war Wehlmann jahrelang hochangesehener Kaderplaner und Chefscout.

Optimistisch stimmt ihn, dass „wir uns die Torchancen überhaupt herausspielen“, und, dass einige zum Saisonstart verletzte Profis mittlerweile wieder fit sind. „Die Rückkehr von Offensivspielern wie Mathias Honsak und Erich Berko tut uns definitiv gut“, so Wehlmann. Entsprechend ist er guten Mutes, dass in Hamburg am Millerntor ein gelungener Auftritt hingelegt wird: „Ich bin davon überzeugt, dass unsere Mannschaft ein gutes Spiel abliefern und etwas Zählbares holen wird – am besten etwas, das dreifach zählt.“

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