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Zu oft zu spät: In Kiel, wie hier beim Gegentor, agierten die Darmstädter um Patrick Herrmann (rechts) nicht immer konzentriert.

Darmstadt 98

Die Angst vor dem Absturz spielt mit

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Nach dem glücklichen Unentschieden in Kiel wartet auf Darmstadt 98 das immens wichtige Heimspiel gegen Osnabrück.

Mit ein bisschen Glück, so führte Fabian Holland kurz nach dem Abpfiff am Mittwoch aus, hätte seine Mannschaft sogar gewinnen können. Die Aussage des Spielführers vom SV Darmstadt 98 ist natürlich nicht per se falsch, schließlich vergab Kollege Marvin Mehlem in der finalen Phase des Auswärtsspiels bei Holstein Kiel eine recht passable Gelegenheit, als er den Ball übereifrig in den kühlen Kieler Nachthimmel drosch. Das errungene 1:1 im Norden der Republik war für den südhessischen Zweitligisten aber im Grunde das Maximum, was das Glück an diesem Abend so hergab. Die Darmstädter waren im insgesamt tristen Duell die noch tristere Mannschaft, sie gewannen nur 43 Prozent der Zweikämpfe, hatten auch nur 42 Prozent Ballbesitz, schossen lediglich sechsmal auf des Gegners Kasten – Kiel zog 22-Mal ab – und spielten schwache 115 Fehlpässe. Da sollte man mit einer Punkteteilung schon zufrieden sein.

Und im Großen und Ganzen waren sie es dann auch auf Darmstädter Seite. Man könne mit dem Punkt „sehr gut leben“, sagte etwa Torjäger Serdar Dursun, der wenige Sekunden vor der Pause den Rückstand durch den Kieler Florian Thesker (30. Spielminute) ausgeglichen hatte. Auch Kapitän Holland fand abschließend, dass der Punkt „absolut in Ordnung“ für sein Team sei. Und Chef Dimitrios Grammozis, der Trainer, der sich ein ums andere Mal mit den Händen nervös durchs perfekt getrimmte Haar gefahren war, analysierte das vierte Unentschieden nacheinander wie folgt: „Mit der ersten Hälfte war ich nicht zufrieden, in der zweiten war es eine Leistungssteigerung. Deswegen bin ich insgesamt froh, dass wir bei einem guten Gegner einen Punkt entführen konnten.“

Ein Punkt, der als Ausbeute für ein Auswärtsspiel ganz grundsätzlich in Ordnung ist, zumal die Darmstädter in der Hinrunde ja nur zwei Siege auf fremden Rasen geholt hatten und sie daher nicht gerade als Auswärtsmacht daherkommen. Es ist aber auch ein Punkt, den die Truppe von Trainer Grammozis am Wochenende tunlichst veredeln sollte.

Platte feiert sein Comeback

Wenn am Sonntag (13.30 Uhr) der VfL Osnabrück im Stadion am Darmstädter Böllenfalltor antritt, stehen die Hausherren unter Zugzwang. Solche Spiele gegen mittelklassige Teams vor eigenem Publikum sollten dringend gewonnen werden, will man den Ligaerhalt möglichst ohne allzu große Aufregung packen. Zwei Zähler haben die Darmstädter aktuell nur Vorsprung auf die Abstiegszone, das ist nicht besonders viel, positive Ergebnisse im eigenen Stadion sollten da nicht allzu oft ausbleiben.

Neun Spiele machten die Südhessen in dieser Saison daheim, sie gewannen zwei davon, spielten sechsmal unentschieden – unter anderem zuletzt gegen die Spitzenteams aus Stuttgart und Hamburg – und verloren nur eines. Eine recht passable Bilanz, aber eben auch keine, die ein Team von allen Sorgen des Absturzes in Liga drei befreit. Immerhin feierte am Mittwoch der Dauerverletzte Felix Platte sein Kurz-Comeback und erweitert damit im Angriff die Optionen von Grammozis.

Mit oder ohne Platte sollte gegen Osnabrück jedenfalls der Bock umgestoßen werden, gegen jenen Kontrahenten, der die Darmstädter im Hinspiel vorführte und mit 4:0 gewann. Da ist noch eine Rechnung offen. „Wir werden aus dem Spiel in Kiel unsere Schlüsse ziehen und wissen, was wir verbessern müssen“, sagte der Darmstädter Rechtsverteidiger Patrick Herrmann. Vor allem, so Kapitän Holland, „sind wir zu viel hinterhergelaufen. Da müssen wir das nächste Mal anders auftreten.“ Absolut richtig.

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