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Diskussionsbedarf: Der Darmstädter Immanuel Höhn (vorne) und der Stuttgarter Hamadi Al Ghaddioui geraten während des Spiels aneinander. 

2. Fußball-Bundesliga

Angestachelte Genussmenschen

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Gegen starke Gegner überzeugt Darmstadt 98 regelmäßig – richtig zufrieden ist damit zur Halbzeit der Saison aber keiner.

Gesetzt den Fall, der Fußball-Zweitligist SV Darmstadt 98 würde auf seine beste Hinrunde seit der Aufstiegssaison 2014/15 eine punktemäßig genauso erfolgreiche Rückserie abliefern, stünde das Team vom Böllenfalltor mit 40 Punkten da. Sind die bisher errungenen 20 Zähler also schon die halbe Miete für den Klassenerhalt? „Nein, nein“, antwortete Dimitrios Grammozis auf jene ihm gestellte Frage, untermauerte die ersten beiden Zurückweisungen mit einem heftigen Kopfschütteln und schob dann noch hinterher: „Nein, nein, auf keinen Fall.“ Zum Erreichen des angestrebten Ziels, dem Ligaverbleib, gehörten mehr Punkte dazu, so Grammozis, „wir müssen in der Rückrunde noch mal alles aus uns herausholen.“

Tatsächlich war das 1:1 zum Abschluss des ersten Saisonteils am Montagabend gegen den aufstiegsambitionierten VfB Stuttgart für die Darmstädter Fußballer eine kleine Erleichterung. Vier Zähler liegen die Südhessen nun vor dem Relegationsrang 16 (1. FC Nürnberg), sogar sechs vor dem ersten direkten Abstiegsplatz (SV Wehen Wiesbaden). Ein wenig Luft zum Durchatmen, nicht viel natürlich, aber immerhin. „Ich bin mit dem Saisonverlauf größtenteils zufrieden“, zog Grammozis eine erste Bilanz und ließ das Aber prompt folgen: „Aber es wären einige Punkte mehr drin gewesen. Das stachelt uns weiter an.“ Auch für Immanuel Höhn, Abwehrmann der Darmstädter, „sind die 20 Punkte zu wenig für das, was wir gespielt haben. Das spiegelt nicht im Ansatz wider, was wir geleistet haben.“ Und Mittelfeldmann Tobias Kempe fand, dass mehr Punkte vor allem „viel mehr Ruhe“ gebracht hätten, „aber jetzt haben wir halt einen zusätzlichen Anreiz für die Rückrunde.“

Das Unentschieden gegen die Schwaben nährte bei den Darmstädtern die Überzeugung, dass sie eigentlich besser sind als ihr Tabellenplatz zwölf. Das mag einerseits stimmen, vor allem in den direkten Duell gegen die stark eingeschätzten Zweitligavereine wie Stuttgart oder den HSV zeigte die Grammozis-Truppe gute Leistungen. So ganz stimmt es aber eben auch wieder nicht, denn andererseits sprangen unter anderem gegen die zwei schlechtesten Ligateams aus Dresden und Wiesbaden nur zwei Pünktchen heraus. Da sollte die Gefahr, von hinten überholt zu werden, sicher nicht vernachlässigt werden. Teams wie Nürnberg (16.), St. Pauli (15.) und Hannover (14.) wähnten sich vor Saisonbeginn in höheren Gefilden und werden daher in der Winterpause mit hoher Wahrscheinlichkeit personell nachrüsten.

„Unser Anspruch sollten in der Rückrunde mehr als die 20 Punkte sein“, sagte daher auch der Mittelfeldspieler Yannick Stark. Der Ur-Darmstädter führte dann einleuchtend an, warum es gegen bessere Mannschaften besser läuft. „Vielleicht sind wir noch einen Tick motivierter, wenn ein gefühlter Bundesligakader auf der anderen Seite steht.“ Und weiter: „Wir sind taktisch sehr diszipliniert, das ist dann gegen Teams mit viel Ballbesitz meist recht dankbar.“ Auch am Montag war Stuttgart doppelt so oft am Ball wie die Gastgeber, erzielte aber ebenfalls nur einen Treffer durch Borna Sosa. „Ein Dreckstor“, wie Verteidiger Höhn befand, nachdem der Kroate „völlig blank“, so Grammozis, Sekunden vor dem Pausenpfiff die Führung durch Kempe ausgeglichen hatte.

Ansonsten verteidigten die Gastgeber jedoch geschickt, fast immer giftig in den Zweikämpfen, ab und an auch darauf bedacht, schnelle Konter in Spiel einzustreuen, um damit für Entlastung zu sorgen, und natürlich auch mit dem nötigen Spielglück versehen. Denn, ganz klar, die Stuttgarter hatten die besseren Gelegenheiten, sie trafen unter anderem einmal den Pfosten in der Schlussphase.

In diesem Moment, der 78. Minute, atmeten nicht nur die Männer auf dem Feld durch, sondern auch die Anhänger auf der Tribüne. Kurz war es still im ausverkauften Böllenfalltor, dann lärmte es wieder los. Die Fans hätten einen Rieseneinfluss auf das Ergebnis gehabt, sagten Grammozis und Spieler hinterher unisono. „Es war ein großer Genuss“, fand der Trainer, auch Kempe sprach von einem „geilen Abend“ und verspürte sofort wieder „großen Bock auf den nächsten Kracher“. Am Samstag wartet zum Rückrundenauftakt und Jahresabschluss noch das nächste Höhepunktduell – daheim gegen den Hamburger SV.

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