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Torhungrig: Lilien-Stürmer Antonio-Mirko Colak.

Darmstadt 98

Anders als Wagner

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Antonio-Mirko Colak trägt die Sturm-Hoffnungen des SV Darmstadt 98 zum Bundesligastart – Vergleiche mit seinem Vorgänger Wagner sind schlicht nicht statthaft.

Ob er sich auf den Bundesliga-Start freue? Antonio-Mirko Colak kann eine solche Frage gar nicht verstehen. Der in Ludwigsburg geborene Deutsch-Kroate fiebert dem Liga-Betrieb förmlich entgehen. „Die Bundesliga bietet eine tolle Atmosphäre. Und ich will zeigen, dass ich dort spielen kann.“ Die Chancen stehen nicht schlecht: Allenthalben wird damit gerechnet, dass der Neuzugang des SV Darmstadt 98 beim 1. FC Köln (Samstag 15.30 Uhr) als einziger Angreifer in der Startelf steht.

Wofür hat er bitte in der Vorbereitung Tor um Tor erzielt und jüngst im DFB-Pokal beim Bremer SV (7:0) einen Dreierpack geschnürt. „Das gibt mir Auftrieb. Das zeigt, dass wir bestens präpariert sind“, erklärte Colak hernach, der nicht nur zum gefragtesten Gesprächspartner avancierte, sondern auch eine neue Trophäe als „Man of the match“ freudestrahlend zum Mannschaftsbus schleppte.

Ansprüche auf einen Stammplatz werde er nicht stellen, erklärte er, aber: „Ich kämpfe um meinen Platz.“ Den 1,87 Meter großen Mittelstürmer, der bereits für die kroatische U18, U19 und U20-Nationalmannschaft zum Einsatz kam, indes nur auf diese Qualitäten zu reduzieren, wird ihm nicht gerecht: Colak ist mitnichten nur der Typ Wandstürmer, wie ihn noch Ex-Trainer Dirk Schuster bevorzugte.

Chefcoach Norbert Meier vertraut Colak, weil dieser auch spielerische Qualitäten besitzt, gerne aus dem Zentrum weicht, dann aber zur Stelle ist, wenn der Ball in den Strafraum kommt. Und im ersten Pflichtspiel vollstreckte die Nummer 16 stilsicher mit Kopf und Fuß. Eigentlich wie vorher Sandro Wagner. Gerade aber dieser Vergleich geht vor allen den Verantwortlichen auf die Nerven.

„Toni hat das gut gemacht, aber wir müssen vorsichtig sein: Er hat noch keine Bundesliga-Saison gespielt, wir dürfen ihn nicht unter Druck setzen“, meint Meier. „Es wäre fatal, ihn in diese Rolle zu drängen.“ Tatsächlich sind beim 22-Jährigen erst ein halbes Dutzend Bundesligaspiele gelistet – allesamt als Einwechselspieler aus der Abstiegssaison 2013/2014. Keine Partie hat Colak dabei gewonnen. Bei seinem letzten Bundesliga-Einsatz vor mehr als zwei Jahren – einem 1:4 auf Schalke – kam er nach 20 Minuten aufs Feld und erlebte den Abstieg der Franken mit. Anschließend ging er auf Leihbasis nach Polen, wo er für Lechia Gdansk zehn Tore in 30 Spielen erzielte.

Viel Lob von Holger Fach

Vor einem Jahr nahm ihn daraufhin die TSG Hoffenheim unter Vertrag, um ihn anschließend an den 1. FC Kaiserslautern zu verleihen und das nächste Leihgeschäft jetzt mit den Lilien einzugehen. Dem Sportlichen Leiter Holger Fach hat vor allem imponiert, dass sich Colak auf die Variante einließ, zunächst auch ein Probetraining zu bestreiten, „das war mutig, zeigte aber seinen Willen.“

Fach („Hoffenheim hat ihm nicht umsonst einen Dreijahresvertrag gegeben“) und Meier waren schnell überzeugt – bei einem Freundschaftsspiel Anfang Juli gegen den Gruppenligisten Sportfreunde Heppenheim netzte der Testspieler Colak sogar gleich achtmal. „Überall wo es nach Tor riecht, ist er dabei“, lobt Fach. Dennoch ist seit kurzem ein neuer Konkurrent aufgetaucht: Mit Sven Schipplock (Hamburger SV) haben die Südhessen einen ähnlichen Spielertyp für dieselbe Position ebenfalls als Leihgabe gebunden. Doppelt hält besser. Auch Schipplock hatte vergangenen Sonntag im Sportpark Vinnenweg sein Erfolgserlebnis und setzte den 7:0-Schlusspunkt.

Wenn sich die beiden künftig die Spielanteile und jene 14 Tore teilen, die Wagner in der erfolgreichen Vorsaison zum Klassenerhalt beisteuerte, ist alles bestens. „Ich denke nicht an Sandro – der spielt jetzt in Hoffenheim“, sagt Colak, der zu der Thematik als Wagner-Nachfolger bereits im Trainingslager in Haus im Ennstal erklärte: „Der Rucksack ist gar nicht so schwer, ich bin Stürmer, und ich weiß, was ich zu tun habe.“

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