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Die größte Chance für Darmstadt vergeben: Fabian Holland (rechts), dahinter Kollege Sven Schipplock.

Leipzig - Darmstadt

Alles eine Nummer zu groß

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Unvermögen, Pech, verteilte Geschenke: Darmstadt 98 erfüllt bei der 0:4-Niederlage in Leipzig alle Attribute eines Absteigers.

Der SV Darmstadt 98 hat am Samstag sein Auswärtsspiel beim Tabellenzweiten RB Leipzig bestritten wie ein Kellerteam, das partout und eigentlich nicht absteigen möchte. Und das wohl trotzdem ausziehen muss aus dem Fußballoberhaus, denn so wie das Spiel verlief und ausging, so verlaufen Partien von Mannschaften, die sich mit größeren Gegnern duellieren als mit elf Fußballern. Der eigene Kopf gesellte sich als Widerpart hinzu, Unvermögen, Pech und ein kraftvoller Abwärtssog. 0:4 (0:1) haben die Darmstädter durch die Treffer von Naby Keita (13., 80.), Emil Forsberg (67.) und Willi Orban (79.) verloren. Da braucht es für ein Nichtabstiegswunder mehr, als selbst der Teufel beitragen könnte, mit dem es hin und wieder im Leben wie im Fußball zugeht.

Auf den Relegationsplatz sind es 14 Punkte. Das ist eine mächtige Zahl mit Blick auf die kommenden Partien: am Mittwoch (20 Uhr) spielt der SVD daheim gegen Leverkusen, dann geht es am Sonntag (17.30 Uhr) zum Tabellennachbarn Ingolstadt, danach kommt Schalke 04.

Es heißt wohl Abschied nehmen. So jedenfalls, wie das für die Hessen in Sachsen zuging, ist das  alles eine Nummer zu groß. Der erste Gegentreffer, ein Dropkickabstauber von Keita nach Schuss von Emil Forsberg, war schon typisch für Mannschaften in der Abwärtsspirale. Oliver Burke, der die Szene einleitete, hatte unbemerkt Hand gespielt. Darmstadts Coach Torsten Frings stöhnte nach der Partie: „Du hast kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu.“

Das war noch gelinde geurteilt im Vergleich zu dem, was es gebraucht hätte, um zu beschreiben, was dem Rückstand folgte. Nämlich die wohl stärksten Auswärtsminuten der Hessen in dieser Spielzeit. Darmstadt spielte mit Biss, klug, gewandt. Die Lilien hatten eine Handvoll Torchancen – und nullkommanull Ertrag.

Frings hatte nach 22 Minuten genug vom angstvollen Auftritt seiner Elf. Er stellte gewitzt um, nahm Artem Fedetskyy vom Feld und brachte fürs Zentrum, durch das RB so gerne spielt, Wilson Kamavuaka. Sidney Sam rutschte dafür auf die rechte Außenbahn, Sandro Sirigu rückte auf den Posten dahinter. Plötzlich lief es. Die Mitte war dicht, RB irritiert und Darmstadt fünf Mal in bester Einschussposition. Aber es ging kein Ball rein. Sam stand als Erster allein vor RB-Keeper Fabio Coltorti, sein Schuss ging vorbei (24.). Marcel Heller bediente Jens Schipplock in der Luft – auch vorbei (34.), Heller bekam einen Ball von Sirigu serviert – wieder vorbei (35.). Sirigu legte auch Schipplock einen auf – drüber (36.). Und schließlich die größte Gelegenheit zum 1:1: Fabian Holland angelte sich einen langen Ball aus der Luft, schlug einen Haken und zirkelte den Ball Millimeter am Tor vorbei (45.).

So geht’s zu, wenn man unten drin steht, sagte Torhüter Fernandes Heuer, der Darmstadt mit zwei meisterlichen Paraden gegen Forsberg (17., 28.) im Spiel gehalten hatte. „Wenn du oben stehst, gehen die Dinger rein.“

Beim Gegner wollte niemand widersprechen. RB hatte zuletzt zwei Spiele gegen Wolfsburg (0:1) und Bremen (0:3) verloren, aber der Tabellenzweite steht dort, wo Heuer das Glück wähnt. Forsbergs Schuss zum 2:0 prallte von Kamavuakas Fußspitze ins Tor. Danach holte sich Sirigu die Gelb-Rote Karte ab (72.). Keitas Silbertablett-Tor und Orbans Kopfballtreffer nach einer Ecke waren Geschenke eines geknickten Gegners. Sirigu übergab das erste mit einem Ballverlust im Zentrum. Beim zweiten Treffer ließ man Orban einfach springen.

Und nun? Frings ließ sich hinreißen zu sagen, die Hoffnung sterbe bekanntlich zuletzt. Aber das wollte er dann doch nicht so stehen lassen. „Wir sind ja nicht blöd, wir sehen die Tabelle auch.“ Also? Weiter geht’s. Bis zum letzten Spiel. „Für die Ehre“, sagte Frings, „für unsere Fans, für den Wettbewerb. Und einfach für ein gutes Gefühl.“ Immerhin.

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