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Daniela Bleymehl: Triumph der jungen Mutter

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Von: Harald Joisten

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Am Ende die Beste einer dünnen Konkurrenz; Daniela Bleymehl aus Darmstadt an der Ziellinie am Frankfurter Römer.
Am Ende die Beste einer dünnen Konkurrenz; Daniela Bleymehl aus Darmstadt an der Ziellinie am Frankfurter Römer. © dpa

Training mit dem Baby-Jogger zahlt sich für Darmstädterin aus. Sie wird Europameisterin, aber es gibt auch nur fünf Konkurrentinnen.

Eine komplette Nacht durchgeschlafen hat Daniela Bleymehl seit fast einem Jahr nicht mehr. Stets ist sie „zwei oder dreimal wach“ und stillt dann die kleine Alicia. Ihr zweites Kind kam vor knapp einem Jahr auf die Welt. Seitdem ist der Alltag für die Profi-Triathletin aus Darmstadt noch umfangreicher geworden. Sie schiebt Alicia sogar tagsüber beim Lauftraining im Baby-Jogger (Kinderwagen) vor sich her.

Gestern hatte die sonst so gut organisierte Mama jedoch ein kleines, wichtiges Details übersehen. Erst kurz vor dem Start ihres Heimrennens in Frankfurt fiel der 33-Jährigen auf, ihre Radschuhe zu Hause in Darmstadt vergessen zu haben. Und so setzte sich ihr Mann Moritz kurzerhand ins Auto, holte die Schuhe und brachte sie rechtzeitig in die Wechselzone – womit er seiner Frau zu ihrem ersten EM-Titel verhalf: Die zweifache Mutter siegte gestern bei der Ironman-Europameisterschaft in 9:02:55 Stunden vor der Britin Nikki Bartlett (9:05:21) und Dimity-Lee Duke (Australien/9:16:46). „Sportlich hatte ich mir mehr vorgenommen. Mir war aber schon ab der zweiten Radrunde übel. Ich bin froh, dass ich es durchgezogen habe“, sagte Bleymehl.

Nur sechs Profis waren bei den Frauen an den Start gegangen – trauriger Minusrekord. Nach dem Auftakt-Schwimmen im Langener Waldsee lag Bleymehl noch 2:09 Minuten hinter der führenden Caroline Lehrieder, die die 3,8 Kilometer in 56:28 Minuten bewältigte. Nachdem sie ihre verspätet eingetroffenen Radschuhe angezogen hatte und aufs Triathlon-Rennrad gestiegen war, begann ihre persönliche Triumphfahrt. Bereits nach den ersten 13 Kilometern hatte Bleymehl den Rückstand auf die gleichaltrige Würzburgerin Lehrieder schon auf eine Minute verkürzt. Nach 30 Kilometern übernahm die Topfavoritin erstmals die Spitze. Zwar konterte Lehrieder, Siegerin des Ironman Italien 2019, noch einmal kurz und zog wieder nach vorne. Doch kurz darauf übernahm Bleymehl wieder die Führung, spulte die 180 Rad-Kilometer in 4:46:48 Stunden ab und gab diese nicht mehr ab, obwohl sie auch im abschließenden Marathon (3:11:59 Stunden) gegen die Übelkeit ankämpfte und „nicht wusste, ob ich es durchhalte“. Ausgerechnet in Frankfurt, wo sie 2016 einmal Dritte geworden war und dadurch einen Anschub für ihre Karriere erhalten hatte, bewies sie einmal mehr große Willenskraft. Alicia scheint ihr zusätzliche Kräfte zu verleihen. Denn bereits im April 2022 hatte die Mama den Ironman Südafrika gewonnen. Und der Saisonhöhepunkt steht mit der WM am 6. Oktober auf Hawaii noch aus. joi

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