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Spektakel ohne Spectateur: Bayern-Basketballer Deshaun Thomas attackiert Justin Simon im Bundesliagspiel gegen Ludwigsburg.
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Spektakel ohne Spectateur: Bayern-Basketballer Deshaun Thomas attackiert Justin Simon im Bundesliagspiel gegen Ludwigsburg.

Sport und Corona

Damokles lässt grüßen

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Die Hallensportarten trifft der Notbetrieb ohne Fans viel härter als den Fußball. Die Furcht vor dem kompletten Stillstand ist allgegenwärtig.

Es ist vielleicht ein angemessenes Zeichen, dass die meisten Fußball-Bundesligisten am Tag danach keinen Kommentar mehr abgeben wollten. Mit Verweis auf sich wiederholende Argumentationen. Auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) äußerte sich durchaus verständnisvoll, dass das neue Jahr flächendeckend mit Geisterspielen beginnt, die sich über den gesamten Winter erstrecken könnten. Zwar seien die vorübergehenden Einschränkungen von Bund und Ländern „bedauerlich, aber nachvollziehbar – auch wenn wir alle noch bis vor Kurzem gehofft haben, dass es eine bundesweite Rückkehr zu Spielen ohne Fans in den Stadien nicht mehr geben würde.“ Die spitzzüngige Tonalität, die der am Mittwoch seinen Schreibtisch räumende Chef Christian Seifert in einem letzten Mediengespräch in der Vorwoche angeschlagen hatte, war aus diesem Statement nicht herauszulesen.

Vielleicht, weil über dem gesamten deutschen Sport ein viel größeres Damoklesschwert schwebt. Eines, das an die düstersten Zeiten der Pandemie erinnert, als am Anfang der Corona-Krise gar kein Ball mehr rollte. Weder bei den Amateuren noch bei den Profis. Als Sport- und Spielplätze wochenlang zugesperrt waren. Kann das wieder passieren? Das Robert-Koch-Institut hatte vor dem Bund-Länder-Gipfel in seinem Strategiepapier unter anderem ein „Verbot von Großveranstaltungen“ und die „Schließung von Sportstätten im Innenbereich“ als Sofortmaßnahmen gefordert. Dieses Szenario droht nun wohl, wenn die hochansteckende Omikron-Variante die Zahl der Infizierten in kaum beherrschbare Bereiche treibt.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) forderte die Politik schon auf, den Breitensport nicht wieder mit einem Bannstrahl zu bedenken. „Es ist wichtig und notwendig, dass die 90 000 Sportvereine in Deutschland ihren 27 Millionen Mitgliedern weiterhin niedrigschwellige Bewegungsangebote machen können und so die Bevölkerung aktiv bleibt.“ Der ehemalige DOSB-Vizepräsident Kaweh Niroomand, Manager von Volleyballmeister BR Volleys und Sprecher der Berliner Profivereine, sagte gegenüber der Deutschen Presseagentur: „Die Vereine sind Sozialstationen der Gesellschaft. Nirgendwo ist die Schule der Demokratie besser aufgestellt als in den Vereinen.“ Neben ökonomischen Hilfen müssten auch in sozialen Bereichen was getan werden, „um das Verlorengegangene wiederzubringen.“ Aus seiner Sicht mache ein „Konjunkturprogramm Sport“ durchaus Sinn.

Ein Shutdown käme „einem Berufsverbot gleich“ und müsse mit aller Macht abgewendet werden, warnte auch Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL), die das Glück hat, dass der Spielbetrieb wegen der Europameisterschaft ohnehin bis zum 9. Februar ruht. Gerade die Hallensportarten trifft der Zuschauerausschluss viel härter als die Freiluftsportart Fußball mit seinem aus den Fernsehverträgen garantierten Milliarden-Grundstock.

Handball, Eishockey oder Basketball hängen am Tropf der Ticketeinnahmen – und tragen zwischen den Feiertagen eigentlich jedes Jahr publikumsträchtige Partien aus.

„Wir sind in der Hochsaison rund um Weihnachten und spielen laufend. Es schlägt schon voll rein, die Folgen sind wirtschaftlich schlicht katastrophal“, sagte Stefan Holz, Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga (BBL) dem Sportinformationsdienst. Vor einem Jahr hätte man sich auf die Geisterspiele eingestellt, diesmal aber hätten die Klubs mit halber Auslastung geplant: „Das Geld ist ausgegeben.“

Holz fürchtet um vieles; die Bindung an die Fans, das Training für Jugendliche. „Und bei den Sponsoren ist nach der dritten Saison in der Pandemie irgendwann auch mal völlig nachvollziehbar die Solidarität aufgebraucht.“ Auf der einen Seite verschließe er nicht die Augen davor, „was auf Deutschland wohl zukommt.“ Aber nach zwei Jahren sei es „schon frustrierend, dass der Profisport bei jeder Welle als erstes dran glauben muss. Das ist für mich keine Strategie.“ Ein häufig gehörter Vorwurf.

Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) hat vorsichtshalber die Gehälter häufig an die Zuschauerzahlen gekoppelt, entsprechende Klauseln seien in den Verträgen verankert, verriet Geschäftsführer Gernot Tripcke. „Die Klubs werden irgendwie über die Saison kommen, aber viele sind für die Zukunft wirklich gefährdet.“ Daher müssten die Corona-Hilfen für den Profisport nicht nur verlängert, sondern noch erhöht werden. Ob die Politik auf solche Forderungen eingeht?

Viele Profiligen würden bei einer längeren Pause von mehreren Wochen zudem in Terminprobleme geraten. Ein bisschen Puffer gäbe es für die Fußball-Bundesliga beispielsweise noch im Sommer, wenn die Uefa ihre Nations-League-Partien im Juni opfern würde, aber danach geht wegen der WM 2022 in Katar gar nichts mehr: Die nächste Saison 2022/23 ist heillos überfrachtet.

Und wenn der Fußball auch oft von Demut in Krisenzeiten geredet hat: Weder die Nationalverbände wie der DFB, noch Uefa oder Fifa waren bereit, auch nur irgendeinen Wettbewerb zu opfern. Selbst die unwichtigen Freundschaftsspiele der Nationalmannschaften, Supercups und der Weltpokal wurden allesamt durchgepeitscht.

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