Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Olympische Spiele

Olympia 2022: Dabei sein ist nicht alles

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
    schließen

Die USA kündigen einen diplomatischen Boykott der Winterspiele in Peking an, Deutschland wägt noch ab - und das IOC weist wie so oft alle Verantwortung von sich.

Frankfurt am Main - Jene deutsche Athletinnen und Athleten, die in den vergangenen Wochen schon mal antesten konnten, was sie da bald erwarten wird beim Höhepunkt ihres sportlichen Schaffens, kamen doch einigermaßen ernüchtert zurück aus Peking. Man habe sich ausschließlich in einer Blase aufgehalten, „wir durften das Hotelgelände nicht verlassen“, übermittelte etwa Deutschlands erfolgreichste Shorttrackerin Anna Seidel. Shuttlebusse, die von außen gereinigt wurden, brachten die Athlet:innen zur Eishalle und zurück. Mehr Auslauf war nicht gestattet. Christian Baude, der Skeleton-Bundestrainer, beschrieb dies als „harte Wochen“ in chinesischer Einsamkeit. Corona lässt grüßen.

Längst ist diese vermaledeite Pandemie aber nicht das größte Problem bei Olympia 2022, da türmen sich ganz andere auf, höher gar als manch alpiner Steilhang in den Bergen rund um Peking. „Man liest wirklich verrückte Sachen“, sagt die Biathletin Franziska Preuß: „Dass da jeder zum Beispiel Angst hat, dass er abgehört wird. Das ist total crazy – es geht doch eigentlich nur um den Sport und nicht um ein Staatsgeheimnis. Das ist alles abgefahren.“ Sie ahnt: „Die große Sport-Euphorie werden wir dort nicht erleben.“

Olympia 2022: Der politische Druck wächst

Die Winterspiele in Peking sind konfliktbeladen, ohne Zweifel. Da wäre als ein Auslöser der aktuellen Hektik der Fall Peng Shuai, der seit Anfang November China und das Internationale Olympische Komitee (IOC) in ein mieses Licht rückt. Der politische Druck wächst knapp zwei Monate vor der Eröffnung. Die Ankündigung der US-Regierung, im Februar keine diplomatischen oder offiziellen Vertreter:innen nach Peking zu entsenden, heizt die Debatten um den Gastgeber an. Als Hintergrund nannten die USA den „Genozid“ in der autonomen Region Xinjiang und andere Menschenrechtsverletzungen Chinas. „Das ist eine rein politische Diskussion. Auch in dieser Frage ist das IOC politisch neutral“, wiegelt Präsident Thomas Bach ab.

Hält sich am liebsten raus: IOC-Präsident Thomas Bach.

Auch für Bachs Nach-Nachfolger beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), den erst am Samstag gewählten Präsident Thomas Weikert, ist die Frage nach einem diplomatischen oder gar kompletten Boykotts der Spiele nach eigener Aussage die derzeit am meisten an ihn gestellte. Weikerts Antwort: „Ein simpler Boykott hat nach meiner Überzeugung noch nie jemandem etwas gebracht. Die Athletinnen und Athleten wollen unbedingt starten, denn die Olympischen Spiele sind der Höhepunkt ihrer sportlichen Karriere.“ Die Aufgabe des DOSB sei es, „den Sportlern ein möglichst optimales Umfeld zu bieten.“ Dies heiße nicht, „dass wir vor der Situation in China die Augen verschließen. Wir bereiten Sportlerinnen und Sportler auf dieses Thema bestmöglich vor.“

Olympia 2022: Annalena Baerbock geht in die Offensive

Die Spitze der künftigen Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP ließ offen, ob sie sich dem Schritt der USA anschließen wird. Man werde sich sorgfältig und im internationalen Zusammenhang beraten und Entscheidungen treffen, sagte der designierte Kanzler Olaf Scholz (SPD) bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Grünen-Chef Robert Habeck und dem FDP-Vorsitzenden Christian Lindner. Scholz betonte, in der deutschen Außenpolitik werde es Kontinuität geben. Auf mehrere Nachfragen betonte er im Zusammenhang mit einem möglichen Boykott: „Wir finden, dass es wichtig ist, dass man alles dafür tut, dass die Welt international zusammenarbeitet.“

Tags zuvor hatte sich die künftige Außenministerin Annalena Baerbock in die Offensive gewagt: „Wenn ich sehe, wie Chinas Führung mit der Tennisspielerin Peng Shuai umgeht oder mit der verhafteten Bürgerjournalistin Zhang Zhan, sollten wir natürlich auch die Olympischen Spiele genauer in den Blick nehmen.“ DOSB-Boss Weikert riet ihr daraufhin zu, „die Kirche im Dorf“ zu lassen.

Der Frankfurter Grünen-Politiker Omid Nouripour forderte derweil, dass sich Deutschland den USA anschließen solle. „Bei den massiven Menschenrechtsverletzungen, die wir in China erleben, ist es notwendig, dass man auch ein klares Signal setzt“, sagte der Kandidat für den Parteivorsitz dem rbb.

Olympia 2022: Thomas Bach betont wieder einmal die Neutralität des IOC

China dagegen kritisierte den Beschluss der US-Regierung scharf. Washington solle aufhören, den Sport zu politisieren, sagte Außenamtssprecher Zhao Lijian. Durchaus ähnlich klingt die Argumentation von IOC-Chef Bach. Mit den Spielen könne das IOC keine politischen Konflikte lösen, sagte der Würzburger. Dies sei eine überzogene Erwartung. „Das IOC hat nicht die Macht und die Mittel, politische Systeme zu verändern. Hier gilt die politische Neutralität des IOC und der Spiele“, sagte Bach. Ein Argument, auf das sich der IOC stets gerne zurückzieht.

Für die Spiele zumindest wolle das IOC seiner Verantwortung gerecht werden, beteuerte Bach. Das heiße: „Keine Diskriminierung, Freiheit der Presse, offenes Internet, freie Meinungsäußerung der Athleten.“ Für einen politischen Wandel, wie ihn sich mancher von den Sommerspielen 2008 in Peking noch erhofft hatte, sei das IOC indes nicht zuständig. „Die Olympischen Spiele können keine Probleme lösen, die Generationen von Politikern nicht gelöst haben“, sagte Bach.

Olympia 2022: Chinas fragwürdiger Umgang mit Peng Shuai

Starke Zeichen, wie sie die Frauentennis-Organisation WTA in ihrer Sorge um Peng Shuai setzte, in dem sie die Turniere in China absagte, wird es mit Bachs IOC nicht geben. „Die WTA ist ihren Weg gegangen und hat ihre Entscheidung getroffen. Viele andere Sportorganisationen haben einen anderen Weg gewählt. Die Wege können unterschiedlich, die Ziele aber durchaus gleich sein“, sagte Bach. Der Verein „Athleten Deutschland“ urteilte hart: „Der fragwürdige Umgang mit Peng Shuai hat unsere Zweifel an den handlungsleitenden Motiven des IOC erneuert.“ Die Haltung des Dachverbands lasse befürchten, dass das IOC den „politischen und wirtschaftlichen Interessen größeren Stellwert“ beimesse als dem Schutz von Athleten und Athletinnen.

Dass nach seiner Videoschalte mit der Tennisspielerin wenig über die aktuellen Umstände Peng Shuais mitgeteilt wurde, erklärte der IOC-Chef mit der gebotenen Vertraulichkeit. „Das Gespräch mit ihr ging mir sehr nahe. Es ist nicht einfach, ein solch sehr persönliches Gespräch über Video zu führen“, sagte Bach. Der Sorge, dass das IOC nach den Spielen schnell das Interesse an Peng Shuai verlieren könnte, trat der Fecht-Olympiasieger von 1976 entgegen. „Wir werden diesen humanitären Ansatz fortsetzen und den Kontakt pflegen. Die Winterspiele werden kein Endpunkt sein“, so Bach. (Daniel Schmitt mit dpa/sid)

Rubriklistenbild: © Jean-Christophe Bott/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare