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Cumali kann schon fast schwimmen

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Von: Jürgen Streicher

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Freude über kostenlosen Schwimmkurs: Hanauer Kinder profitieren von Schlappekicker-Spende.
Freude über kostenlosen Schwimmkurs: Hanauer Kinder profitieren von Schlappekicker-Spende. © Privat

Die Schlappekicker-Aktion der FR unterstützt Schwimmkurse für Kinder der Hanauer Tafel.

Wenn Mehmet ins Wasser darf, ist er voll bei der Sache. Trotz ADHS und Autismus. Der Fünfjährige darf schwimmen lernen, er will schwimmen lernen. Auch sein zwei Jahre älterer Bruder Cumali, der schon in die Schule geht. „Ich kann schon fast schwimmen“, sagt er mit Überzeugung im Ton, der kleine Bruder ist noch nicht ganz so weit. Beide Jungs kommen gerne und regelmäßig zum Schwimmkurs, Verbindlichkeit war die Bedingung für die Teilnahme. Zehn Wochen, dazu mussten sich auch die Eltern bekennen.

Schon richtig was los im Heinrich-Fischer-Bad beim Treffpunkt am Sonntagmorgen gegen elf Uhr. Nur die Schwimmlehrerin fehlt noch, sie wird aber auch gleich pünktlich da sein. Viele Menschen strömen ins Bad an der Eugen-Kaiser-Straße, Mehmet und Cumali gehören zu einer Gruppe von elf Kindern, die am Wochenende einen zehnwöchigen Schwimmkurs beenden. Mit der professionellen Schwimmtrainerin Silvana Weigel vom Hanauer Schwimmverein, die den Kurs mit sehr viel Einfühlungsvermögen leitet, wie mehrere Mütter bestätigen. Cumali und Mehmet haben das Glück, dass ihre Mutter sie angemeldet hat. Bianca H. wurde in der Tafel angesprochen und nahm das Angebot an, das über die Stiftung Lichtblick des Diakonischen Werks und deren Arbeitsbereich Hanauer Tafel zu ihr kam.

Schwimmvereine, Schulen und die DLRG lassen die Alarmglocken seit Jahren immer lauter schrillen. Zehntausende Kinder in Deutschland können nicht schwimmen, die Corona-Pandemie hat das Problem mit der „Generation Nichtschwimmer“ verstärkt, Kurse für Anfänger wurden rigoros gestrichen. Ohnehin schon benachteiligte Kinder sind davon besonders betroffen, in Krisenzeiten ist in vielen Familien noch weniger Geld da für den „Luxus“ Schwimmkurs. „Die Jungs haben überhaupt das erste Mal ein Schwimmbad gesehen, die waren glücklich“, sagt die Mutter von Mehmet und Cumali. „Ich bin dankbar dafür.“

Bianca H. ist Kundin der Hanauer Tafel, einen Schwimmkurs für die Buben hätte sie sich nie leisten können. 90 Euro für jeden hätte das gekostet, dafür ist kein Geld vorhanden in einem Haushalt, der auf die Tafel angewiesen ist. Annette Geier-Neugebauer von der Tafelleitung hat sie und andere Mütter und Väter angesprochen. Über den Stiftungsfonds „DiaKids“ unter dem Dach der Stiftung Diakonie Hessen ist ein Teil des Geldes für die Finanzierung des Schwimmkurses für eine ursprünglich sogar größer konzipierte Gruppe geflossen und damit die Basis für das Engagement gelegt.

Auch der Vorstand der FR-Aktion „Schlappekicker“ fand das Projekt förderwürdig, als er um Unterstützung und Mithilfe gebeten wurde. Dessen stellvertretender Vorsitzender Harald Stenger überreichte den Initiatoren am Sonntag einen Scheck in Höhe von 2000 Euro. Dadurch ist jetzt sogar noch ein bisschen Geld im Topf. Daher plant Annette Geier-Neugebauer schon einen weiteren Kurs für Tafel-Kinder im Herbst. Jetzt sollen aber die ersten Absolventen des Hanauer Schwimmkurses erstmal von der Spende profitieren: Sie erhalten Wertmarken für einen Besuch, damit sie „dranbleiben“, so die Initiatorin des Tafel-Projekts. Auf der potenziellen Nachrückerliste stehen mehr als 300 Namen von Kindern aus 25 Nationen, die ebenso dringend einen Schwimmkurs benötigen. (Jürgen Streicher)

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