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Umarmen erlaubt? Die FFC-Spielerinnen Shekiera Martinez (links) und Barbara Dunst.

Coronavirus

Coronavirus: Folgen für die Clubs im Rhein-Main Gebiet

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  • Jan Christian Müller
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  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt
  • Jörg Hanau
    Jörg Hanau
  • Kerstin Schellhaas
  • Markus Katzenbach

Das Coronavirus und die Folgen für die Klubs aus dem Rhein-Main-Gebiet. Regionalligisten FSV und Kickers sind gegen Geisterspiele.

Was bedeutet das Coronavirus für die hiesigen Spitzenklubs? Die FR-Sportredaktion hat Reaktionen eingesammelt.

Coronavirus: Unklarheit für Bundesligisten aus Rhein-Main

Bei Eintracht Frankfurterfuhren sie am Montagnachmittag, dass das Rückspiel der Europa League am 19. März beim FC Basel nicht in Basel stattfindet und die Begegnungen am Donnerstag gegen Basel und Sonntag gegen Borussia Mönchengladbach in der Frankfurter Arena wahrs cheinlich vor Publikum stattfinden können.

Für Mainz 05bekundete Trainer Achim Beierlorzer seine „Solidarität mit Menschen, die vielleicht mehr gefährdet sind als wir selbst“ und somit auch Verständnis dafür, vor leeren Rängen zu spielen. „Die Gesundheit steht an erster Stelle.“ Sportlich hält Beierlorzer eine Partie am Samstag in einer verwaisten Arena in Köln für keinen Nachteil. Er weiß, wovon er spricht, schließlich coachte er die Kölner im Herbst 2019 elf Spieltage lang, ehe er auf Rang 17 beurlaubt wurde. „Das Kölner Stadion kann schon eine Wucht erzeugen“, sagt Beierlorzer, „für die Kölner ist es ein Nachteil, vor leeren Rängen zu spielen.“ Sportvorstand Rouven Schröder ergänzte, sollten Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit angesetzt werden, „werden wird das mittragen“. Beim Spiel am Sonntag gegen Düsseldorf gab es auch in der engen Mixed Zone, wo Spieler auf Medienvertreter treffen, keinerlei Einschränkungen.

Coronavirus: Zweitligisten aus Rhein-Main in Abstimmung mit Behörden

Eine Liga tiefer, bei den Zweitligisten Darmstadt 98und SV Wehen Wiesbaden, üben sie sich in Geduld. Die Abstimmungsprozesse mit den Behörden seien in vollem Gange, hieß es vom Klub aus der hessischen Landeshauptstadt, während auch der SV 98 laut Pressesprecher Jan Bergholz in „Kontakt“ mit dem zuständigen Darmstädter Bürgermeister Rafael Reißer stehe. Die Lilien können relativ entspannt die Entwicklungen und Vorgaben der Ligabosse beobachten, da sie am Samstag erst einmal auswärts in Karlsruhe gefordert sind. 

Der KSC seinerseits teilte mit: „Stand jetzt haben wir kein Signal von den Behörden bekommen, das Heimspiel gegen Darmstadt ohne Zuschauer zu bestreiten.“ Ein höherer Zeitdruck mit Blick auf mögliche Fanausschlüsse liegt auch beim SV Wehen Wiesbaden, der am Sonntag den Aufstiegsfavoriten VfB Stuttgart empfängt. Der Ticketverkauf könne aber nicht mehr gestoppt werden, ließ Jörg Bock, Leiter der Medienabteilung, verlauten - und hat dafür ein einleuchtendes Argument parat: Das Wiesbadener Stadion ist längst ausverkauft.

Coronavirus: Frauen-Bundesligist 1.FFC Frankfurt in Rhein-Main mit nächstem Heimspiel erst Ende März

Auch beim Frauen-Bundesligisten 1. FFC Frankfurtist das Virus ein Thema, wenngleich die Bundesliga aufgrund der Teilnahme der Nationalmannschaft am Algarve-Cup gerade ruht. Das nächste Heimspiel des FFC ist erst für den 27. März gegen den SC Sand angesetzt. FFC-Manager Siegfried Dietrich ist in Personalunion Vorsitzender des neuen DFB-Ausschusses für die Frauen-Bundesligen. Dieser Ausschuss hat sich für Dienstag zur Telefonkonferenz verabredet. Möglicherweise könnte es der Frauen-Bundesliga zupass kommen, dass die durchschnittliche Zuschauerzahl knapp unter jenen tausend Besuchern rangiert, die Gesundheitsminister Jens Spahn als Grenzgröße für Absagen von Veranstaltungen genannt hat. Beim FFC sind es indes oft mehr Besucher bei Heimspielen, der Schnitt liegt bei 1400 Zuschauern. Siegfried Dietrich will der Telefonkonferenz nicht vorgreifen, ist aber kein Freund von Geisterspielen.

Trotz Coronavirus: Regionalligisten aus Rhein-Main gegen Geisterspiele

In der Regionalliga Südwest finanzieren sich Klubs wie der FSV Frankfurtoder Kickers Offenbachnicht über TV-Gelder. „Wir sind von unseren Partnern, Sponsoren und Zuschauern abhängig“, sagt FSV-Präsident Michael Görner. Da ist es nur logisch, dass sich der Boss der Bornheimer „aus wirtschaftlichen Gründen“ bei einem Zuschauerschnitt von rund 1600 gegen Geisterspiele in der vierthöchsten Klasse ausspricht. Noch aber sei der FSV nicht betroffen, das nächste Heimspiel des Fußballsportvereins ist erst am 22. März (gegen den SC Freiburg II). Früher muss der OFC im eigenen Stadion auf dem Bieberer Berg ran, am Samstag gegen den FC Homburg. „Je weiter man die Ligen runtergeht, desto wichtiger werden die Zuschauereinnahmen.

Neben den Werbeeinnahmen sind sie die zweitwichtigste Säule für uns“, sagt der Offenbacher Geschäftsführer Thomas Sobotzik. Er vermutet, dass sein Klub ligaweit wohl am meisten finanziell betroffen wäre, sollten keine Fans ins Stadion dürfen. Der OFC weist trotz durchwachsener Saison noch immer einen äußerst achtbaren Zuschauerschnitt von 5700 auf, der höchste in der Südwest-Klasse, der dritthöchste nach RW Essen (10 900) und Energie Cottbus (6200) im bundesweiten Viertligavergleich.

Coronavirus: Skyliners Frankfurt bevorzugen Ligapause vor Geisterspielen in Rhein-Main

Bei den Basketballern derFrankfurt Skyliners ist die Situation ähnlich. „Wir halten es für die wesentlich bessere Maßnahme, die Liga auszusetzen, als vor leeren Rängen zu spielen“, sagt Gunnar Wöbke, der geschäftsführende Gesellschafter. Die Skyliners sind abhängig von den Ticketeinnahmen. Von den verbleibenden zwölf Ligaspielen haben die Hessen noch acht Partien in der heimischen Ballsporthalle. Die Tickets zu ersetzen und zu erstatten, wäre ein Riesenaufwand für den Klub. „Und es wäre auch ein sportlicher Nachteil, ohne eigene Fans zu spielen“, findet Wöbke.

Coronavirus: Kein Pläne für Spielabsagen für Volleyball-Bundesliga in Rhein-Main

Auch bei Volleyball-Bundesligist United Volleys Frankfurt wird die Situation aufmerksam beobachtet. Nach Auskunft von Sprecher Jan Wüntscher hält die Liga engen Kontakt zu den Vereinen. Noch gibt es keine Pläne, Spiele abzusagen. „Uns würde es sehr hart treffen, wenn es zu Absagen kommen würde. Das wäre wohl auch kaum möglich, weil wir wegen der internationalen Wettbewerbe ohnehin nur ein Zeitfenster bis Mitte Mai haben, um die Playoffs zu spielen. Das würde dann vermutlich bedeuten, dass unter Ausschluss der Öffentlichkeit gespielt würde“, sagt Wüntscher.

Zu prüfen wäre es auch, ob zu künftigen Spielen vielleicht nur eine auf 1000 Zuschauer limitierte Anzahl an Fans in den Hallen zugelassen wird, um der Empfehlung des Gesundheitsministers zu entsprechen. Wüntscher hat dabei auch schon das Heimspiel der United Volleys gegen die Berlin Volleys am 21. März im Kopf, „für uns das umsatzstärkste Spiel der Saison“, zu dem die United Volleys darüber hinaus eine größere Besuchergruppe aus Japan erwarten, die ihren Star Masahiro Yanagida live sehen will.

Für den Eishockey-Zweitligisten Löwen Frankfurtsteht alsbald ebenfalls die wichtigste Phase der Saison an, die Playoffs. Erster Spieltermin ist schon der kommende Freitag, 13. März. Dann empfangen die Hessen die Dresdener Eislöwen zum Start der Viertelfinalserie. „Wir planen noch mit den Playoffs, alles andere muss die Liga entscheiden“, sagte Löwen-Gesellschafter Andreas Stracke gestern.

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