IOC-Präsident: Olympia-Absage wäre "am wenigsten faire Lösung"
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IOC-Präsident: Olympia-Absage wäre "am wenigsten faire Lösung"

Kommentar

Olympische Spiele in Tokio: Verschieben! Jetzt!

  • Jörg Hanau
    vonJörg Hanau
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Das IOC spielt momentan noch auf Zeit. Die Olympischen Spiele in Tokio müssen verschoben werden. Ein Kommtentar.

Es ist schon eine sehr eigenwillige Gefühlswelt, durch die wir in diesen Tagen und Wochen des „social distance“ schlendern. Da hockt man zu Hause, räumt endlich mal die Bude auf oder liest ein längst vergessenes Buch zu Ende. Nebenbei läuft die Glotze in der Corona-Dauerschleife. Wir werden mit neuen Zahlen aus Deutschland gemästet. Schreckensbilder aus Italien flimmern über den Flachbildschirm. Särge, überall Särge. Betroffenes Schweigen. Und plötzlich, völlig unerwartet und ebenso irrwitzig, kommt da einer um die Ecke und redet von Olympischen Spielen im Sommer in Tokio: Thomas Bach, Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), betont gebetsmühlenartig, dass „eine Absage nicht auf der Tagesordnung“ stehe.

Wie bitte?

Die Träume von Athleten würden zerstört werden, fabuliert der Hüter des olympischen Grals, fast so, als wäre er der Superheld in einem neuen Marvel-Comic. Eine Absage, sagt der Fecht-Olympiasieger von 1976, wäre die „am wenigsten faire Lösung“ für Sportlerinnen und Sportler auf diesem, unseren Planeten.

Bei allem gebotenem Respekt, Herr Bach. Bitte reden Sie endlich Klartext und betreiben Sie keine Wortklauberei. Die Olympischen Spiele können und dürfen in diesem Sommer nicht durchgeführt werden. Eine Absage des Termins ist unumgänglich, das sagen nicht nur führende Virologen. Olympische Spiele im Juli und August wären kein Freudenfest für junge Menschen, wohl aber ein riesiger Spaß für das viel Leid und auch Tod über die Menschheit bringende Coronavirus.

Das sich rasant ausbreitende Virus lähmt das komplette gesellschaftliche Leben. Einen Impfstoff dürfte es frühestens Anfang des kommenden Jahres geben, bedeuten uns die Wissenschaftler. Nichts wird mehr so sein wie es einmal war. Darauf müssen, darauf sollten wir uns einstellen. Der Weg zurück in die Normalität wird ein langer sein – auch und gerade im Sport.

Mit einer Absage verschwindet also nur ein Datum, nicht aber die Olympischen Spiele in Tokio. Eine große Herausforderung unzweifelhaft für die Organisatoren. Angesichts der allgegenwärtigen Bedrohung aber alternativlos. Das Sportfest im Zeichen der fünf Ringe muss einfach nur verschoben werden. Je früher das beschlossen wird, desto mehr Zeit haben die Verantwortlichen, alternative Szenarien zu entwickeln.

Alle großen Sportevents wurden bereits verschoben oder abgesagt. Das IOC spielt momentan noch auf Zeit, aber zu glauben, in den kommenden Wochen werde sich etwas an den entscheidenden Parametern ändern, wäre fatal, um nicht zu sagen dumm.

Wenn Bach der Fairness das Wort redet, sollte ihm klar werden, dass es auch um Chancengleichheit geht. Die ist schon jetzt nicht mehr herzustellen. Das Antidopingsystem, es ist längst aus den Angeln gehoben. Viele Athleten sind in ihrer Vorbereitung eingeschränkt. Von den ausgesetzten Olympia-Qualifikationen ganz zu schwiegen.

Die Botschaft ist daher klar: Verschieben! Jetzt! Und nicht erst in vier Wochen!

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