Borussia Dortmunds Ausnahmetalent Youssoufa Moukoko trifft und trifft und trifft. Dreifach beim 5:0-Sieg bei Preußen Münster. Foto: David Inderlied/dpa/Archivbild
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Youssoufa Moukoko (l) und BVB-Trainer Lucien Favre. Nach den heftigen Beleidigungen setzt der Stürmer ein starkes Zeichen gegen Rassismus. (Archiv)

„Leg dich ins Grab!“

Üble Beleidigungen gegen BVB-Stürmer: Moukoko setzt mit besonderem Jubel Zeichen gegen Rassismus

  • Tim Vincent Dicke
    vonTim Vincent Dicke
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Borussia Dortmunds Youssoufa Moukoko wird in der U-19-Bundesliga heftig beleidigt. Nach dem Skandal setzt der 15-jährige Angreifer ein Zeichen gegen Rassismus.

  • In der U-19-Bundesliga kommt es zu einem Skandal.
  • Im Spiel zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 wird der 15-jährige Stürmer Youssoufa Moukoko auf übelste Art beleidigt.
  • Der dunkelhäutige Angreifer setzt im folgenden Spiel ein deutliches Zeichen gegen Rassismus.

Update vom Samstag, 24.10.2020, 15.23 Uhr: BVB-Juwel Youssoufa Moukoko hat beim 6:0-Sieg von Borussia Dortmunds U19 am Samstag gegen Rot-Weiss Essen vier Tore erzielt und ein Zeichen gegen Rassismus und Diskrimminierung gesetzt.

Nach heftigen Beleidigungen: Youssoufa Moukoko setzt Zeichen gegen Rassismus

Nach seinem Dreierpack beim 3:2-Sieg auf Schalke vor einer Woche, wo der Angreifer übel beleidigt worden war (Schalke-Zuschauer brüllten unter anderem „Ich brech dir alle Knochen!“ oder „Leg dich ins Grab!“), ging Moukoko nach seinem 1:0-Führungstor auf das rechte Knie und reckte die linke Faust nach oben. Danach gelangen dem Angreifer, der seit Saisonbeginn bei den BVB-Profis mittrainiert, drei weitere Treffer.

Mit dem von Moukoko gezeigten Zeichen protestierten im Zuge der „Black-Lives-Matter“-Bewegung zahlreiche Sportler nach dem gewaltsamen Tod des Schwarzen George Floyd bei einem Polizeieinsatz in den USA.

Talente-Trainer über Moukoko-Beleidigungen: „Leider gibt es immer noch zu viele Idioten da draußen“

Talente-Trainer Otto Addo stärkte Youssoufa Moukoko nach den Beleidigungen den Rücken. „Er hat seinen eigenen Weg und ist letztlich auch super damit umgegangen“, sagte der frühere Abwehrspieler am Dienstag bei „sport1.de“. „Leider gibt es immer noch zu viele Idioten da draußen, die so denken. Ich finde das traurig und schade“, sagte Addo zu den Vorfällen. „Dass so etwas in der Jugend passiert, setzt dem ganzen die Krone auf. Der Junge hat sportlich die richtige Antwort gezeigt und lässt sich auch von solchen Begleitumständen nicht aufhalten“, ergänzte der 45-Jährige.

Schalke kündigte an, die Täter schnell zu ermitteln. „Der FC Schalke 04 hat das ihm zur Verfügung gestellte Audio- und Videomaterial des Spiels ausgewertet und arbeitet nunmehr intensiv an der Identifikation der verantwortlichen Personen“, teilte der Club auf seiner Homepage mit.

Erstmeldung vom Sonntag, 18.10.2020, 17.19 Uhr: Gelsenkirchen – Skandal in der U-19-Bundesliga: Borussia Dortmunds Sturmjuwel Youssoufa Moukoko ist bei einem Spiel gegen Schalke 04 wüst beschimpft worden. Auch rassistische Äußerungen sind von der Tribüne zu hören.

Rassismus-Skandal in der U-19-Bundesliga: Blanker Hass auf dunkelhäutigen Youssoufa Moukoko

Der 15-jährige Moukoko erzielte bei dem 3:2-Sieg im Revierderby gegen Schalke 04 alle Tore. Nach seinem Dreierpack rutschte er mit weit aufgerissenem Mund jubelnd und voller Freude über den Rasen. Eine provokante Geste machte er dabei nicht, trotzdem traf er auf eine Wand des blanken Hasses.

Einige Schalker Zuschauer brüllten dem Ausnahmetalent des Erzrivalen im neuen Gelsenkirchener Parkstadion wüste Beschimpfungen und schwere rassistische Beleidigungen entgegen.

„Wir können uns bei Youssoufa Moukoko für die Aussagen einiger Fans (...) nur entschuldigen“, schrieb Schalke am Sonntag (18.10.2020) über die hässlichen Vorfälle im U19-Derby: „Bei allen Emotionen im Derby – solche Beleidigungen verurteilen wir aufs Schärfste und lehnen sie ausdrücklich ab.“ Der Klub kündigte via Twitter an, er werde „die notwendigen Maßnahmen“ ergreifen. Schalke verwendete zudem dem Hashtag „#NoToRacism“.

BVB-Juwel Moukoko von Zuschauern schwer beleidigt: „Ich brech dir alle Knochen!“

Auf Videoaufnahmen sind deutlich Drohungen gegen den Dortmunder wie „Ich brech dir alle Knochen!“ oder „Leg dich ins Grab!“ zu hören. Ein Fan kündigt die „Beerdigung“ des 15-Jährigen an. Auch Schimpfwörter fallen, ein Zuschauer brüllt: „Verpiss dich, du Hurensohn“, ein anderer „Verpiss dich, du schwa...“ – der Rest ist nicht klar vernehmbar.

Der BVB zeigte auf Twitter ein Foto des jubelnd über den Rasen rutschenden Derby-Helden. Dieses garnierte die Borussia mit einem Emoji, das die Schalker Pöbler mit Zeigefinger auf den Lippen zum Schweigen auffordert und den Hashtags: „NoToRacism“ sowie „BorussiaVerbindet“. Der englischsprachige Account der Dortmunder teilte ein gemeinsames Bild mit Moukoko und BVB-Kapitän Marco Reus und schrieb: „Borussia Dortmund verbindet Generationen, Männer und Frauen – aller Nationen“.

Rassismus-Skandal im Revierderby: Bestürzung nach Angriffen gegen BVB-Star Moukoko

In den sozialen Medien löste der Rassismus-Vorfall Bestürzung aus. „Es ist – und man kann es an dieser Stelle gar nicht deutlich genug sagen – ein absolut ekelhaftes und nicht zu tolerierendes Verhalten. Wir hoffen, dass die Verantwortlichen ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden“, hieß es von der Redaktion der WDR-Sendung „Zeiglers wunderbarer Welt des Fußballs“.

Reaktionen auf die Beleidigungen gab es während des Spiels ebenso wenig wie Konsequenzen für die entsprechenden Anhänger. Fans beider Lager forderten Schalke aber zum Handeln auf. (tvd/sid)

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