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Schwingt seit April 2019 die deutsche Fahne: der Österreicher Stefan Horngacher.
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Schwingt seit April 2019 die deutsche Fahne: der Österreicher Stefan Horngacher.

Skispringen

„Da war der Stecker draußen“

Skisprung-Bundestrainer Stefan Horngacher über den Weltcup in Willingen, die WM in Obertsdorf und erklärbare Formdellen seiner Schützlinge.

Herr Horngacher, die Kollegen der Deutschen Presseagentur haben Ihren Trainerstil als den eines „nüchternen Lehrers“ bezeichnet. Haben sie recht?

Ich beschränke mich auf die wesentlichen Dinge im Skispringen und versuche, eine Linie durchzuziehen. Ich weiß nicht, ob das nun ein Lehrerstil ist. Zumindest gibt es ein Konstrukt, an dem ich festhalte. Damit war ich immer erfolgreich und erwarte auch von meinen Co-Trainern, dass sie mitgehen. Das tun sie. Vielleicht ergibt sich daraus die Aussage.

Zur Person

Stefan Horngacher , 51 Jahre alt, wurde in Wörgl (Österreich) geboren und lebt in Titisee-Neustadt. Nach Jahren als Nachwuchstrainer in Österreich, als B-Kadertrainer und Assistent von Werner Schusters in Deutschland holte der polnische Verband ihn 2016 als Chefcoach. Im April 2019 trat der zweifache Vater, der als Aktiver je zweimal Olympia-Bronze und WM-Gold im Team gewann, Schusters Nachfolger beim DSV an.

Ihre Springer hatten nach der Vierschanzentournee einen Durchhänger. Lässt er sich mit einem Spannungsabfall erklären?

Wir hatten erst die Skiflug-WM und dann relativ zeitnah die Tournee. Solche Großereignisse kosten immer viel Kraft, und es gab danach tatsächlich einen leichten Spannungsabfall. Markus Eisenbichler ist allerdings auf einem guten Niveau weitergesprungen. Mehr hat es den Karl Geiger erwischt.

Auch wegen einer Corona-Infektion.

Ja. Er hat erst den Weltcup in Russland ausgelassen, um bei der Geburt seines Kindes dabei zu sein. Die Geburt hat in dieser Zeit nicht stattgefunden, dann ist er Skiflug-Weltmeister geworden, am Tag der Rückreise aus Planica ist das Kind auf die Welt gekommen, und tags darauf lag das positive Ergebnis seines Corona-Tests auf dem Tisch. Da kann man sich vorstellen, was in dem Menschen vorgegangen ist. Trotzdem hat er als Gesamtzweiter eine wahnsinnig gute Vierschanzentournee gesprungen. Irgendwann war der Stecker draußen. Inzwischen hat sich Karl wieder berappelt.

Jetzt steht das Weltcup-Wochenende in Willingen an: Eine Durchgangsstation zur WM in vier Wochen in Oberstdorf, oder hat Willingen sehr wohl eigenen Wert?

Prinzipiell sind jetzt alle Wettkämpfe auf die WM ausgelegt, genau wie der Trainingsrhythmus und die Material-Tests. Natürlich ist jeder Wettkampf für sich selber zu bewerten. In Willingen steht eine andere Schanze als in Oberstdorf, wir sind kürzer vor Ort, haben weniger Trainingssprünge als bei einer WM – unsere Herangehensweise ist also komplett anders. Aber wir sind froh, dass wir Wettkämpfe haben, sie bieten die beste Möglichkeit, sich optimal auf ein Ereignis wie die WM vorzubereiten.

Welchem Ihrer Springer trauen Sie in Willingen am meisten zu?

Markus Eisenbichler und Karl Geiger sind im Moment schon unsere Besten. Wir haben dazu mit dem schon ein bisschen älteren Pius Paschke – ein Spätzünder, sage ich immer – einen Springer, der aktuell auch schon sehr gute Sachen gezeigt hat.

Weltcup in Willingen ohne dieses begeisterungsfähige Publikum: Ist das noch ein Heimspiel?

Ich kann mir noch gar nicht richtig vorstellen, wie das ausschauen wird. Diese riesige Fläche unten am Auslauf war immer voller Leute, die extrem begeistert für den Sport waren. Es ist echt schade. Wir haben aber auch schon die Tournee ohne Zuschauer gesprungen, es war ziemlich langweilig unten. Aber wir müssen mit der Sache leben und werden versuchen, auch ohne die Fans den Heimvorteil zu nutzen. Er ist sicher nicht sehr groß, weil wir fast nie auf der Schanze trainieren. Man spürt ihn vielleicht darin, dass man daheim ist, alle deutsch sprechen und man gewisse Vorteile bei den Hallenbelegungen genießt.

Die Teams bewegen sich derzeit in einer Blase: Wie sehr behindern oder belasten die Corona-Auflagen?

Probleme haben wir momentan damit, Trainingszeiten in den Hallen zu bekommen. Wir haben uns arrangiert, unsere eigenen Hantelstangen dabei und können teilweise Training im Hotel machen. Bei der Anreise im normalen Pkw dürfen wir nur zu zweit fahren, im Kleinbus zu viert – natürlich nur mit Maske und anderthalb Metern Abstand. Der organisatorische Aufwand ist insgesamt relativ hoch, aber es ist alles machbar.

Der kleine Sport befindet sich im Stillstand. Sind Sie da nicht in einer privilegierten Position?

Wir haben mit Sicherheit ein extremes Privileg, dass wir unserem Sport nachgehen dürfen. Große Probleme haben auch wir im Nachwuchsbereich, wo das deutlich eingeschränkter ist. Der Nachwuchs, unsere Hoffnung für die nächsten zehn Jahre, sitzt auf dem Sofa und darf nichts machen.

Interview: Gerhard Menkel

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