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FC Bayern München betreibt eine Fußballschule in China.

Talentsuche

Der Blick in die Ferne

In China, den USA oder auch Namibia: Fast überall auf der Welt setzen die Bundesligaklubs auf der Suche nach Talenten auf Kooperationen – oft dienen diese aber nur Marketingzwecken.

Der Kampf um Fußballtalente wird mit immer härteren Bandagen geführt. Frankreichs Spitzenklub Paris Saint-Germain sucht neuerdings den Nachwuchs sogar in Deutschland und kooperiert dazu mit Klubs in Düsseldorf und Oberhausen. Wie die 18 Bundesligavereine ihre jungen Spieler finden – Auszüge und ausgewählte Projekte.

FC Bayern: Die Münchner haben eine Partnerschaft mit dem FC Dallas in den USA, ein zentraler Bestandteil ist die Talentförderung. Im Jugendbereich kooperieren sie auch mit bayerischen Vereinen, Hauptaugenmerk hat aber natürlich die Ausbildung am eigenen Campus. Der deutsche Rekordmeister arbeitet seit dem vergangenen Jahr zudem mit Japans und seit diesem Jahr mit Südkoreas Fußballverband zusammen. Außerdem betreiben die Bayern international einige Fußballschulen, ein besonderes Augenmerk liegt auf China.

Borussia Dortmund: Der BVB hat in Münster, Bocholt und Moers Trainingsstützpunkte der eigenen Jugendakademie. Wöchentlich wird dort mit talentierten Kindern gearbeitet. Aus dem Kreis der Teilnehmer werden diejenigen ausgewählt, die bei den BVB-Teams mittrainieren dürfen. Darüber hinaus gibt es in sieben Ländern Akademiestandorte. Dabei geht es jedoch weniger um die Suche nach Talenten als vielmehr um Marketingmaßnahmen.

RB Leipzig: Der Verein hat mehrere Standorte zur Talenteentwicklung, früher sogar in Ghana. Aktuell setzt Ralf Rangnick als neuer „Head of Sport and Development Soccer“ auf die Standorte New York und nördlich von Sao Paulo mit dem neu gekauften Zweitligisten CA Bragantino, der spätestens 2020 RB Bragantino heißen soll. Trotz geforderter Entflechtung vom einstigen Schwesterklub RB Salzburg ist die Zusammenarbeit mit dem dortigen Farmklub FC Liefering immer noch aktuell.

Bayer Leverkusen: Leverkusen hat seit vergangenen Sommer einen Kooperationsvertrag mit dem japanischen Erstligisten V-Varen Nagasaki. Die Partnerschaft ist auf drei Jahre angelegt, beinhaltet eine enge Zusammenarbeit im Nachwuchsbereich. Das U17-Team von Bayer bestreitet einmal pro Jahr ein Trainingslager in Nagasaki, die Nachwuchstrainer unterstützen sich gegenseitig.

Bor. Mönchengladbach: Die Gladbacher haben sechs Partnerklubs in der Umgebung – von der Kreisliga bis zur Oberliga. Dabei geht es nicht darum, die Talente sofort zum Bundesligaverein zu lotsen. „Auf diese Weise werden auch viele talentierte und junge Fußballer verbrannt. Jetzt soll sich das Talent im Heimatklub in Ruhe entwickeln“, sagte Roland Virkus, Direktor des Nachwuchsleistungszentrums. Dann erst kommt ein Wechsel zur Borussia infrage. Die Kooperationsklubs kommen alle aus der Nähe.

VfL Wolfsburg: Vor einem Jahr ist der VfL eine Kooperation mit dem Orlando City Soccer Club in den USA eingegangen. Dazu haben die Wolfsburger 110 Partnervereine aus dem niedersächsischen Umland sowie Sachsen-Anhalt.

Eintracht Frankfurt: Die Eintracht konzentriert sich vornehmlich auf die Märkte Spanien, Portugal, Frankreich und Südamerika. Dort sind einige Späher aktiv, gerade in Frankreich bewegt sich das Preis-Leistungs-Verhältnis auf einem vernünftigen, nachvollziehbaren Niveau. Zudem pflegt Sportvorstand Fredi Bobic gute Kontakte zu den Großklubs wie Real Madrid oder auch Benfica Lissabon. Viele Vereine sehen die Eintracht als geeignete Plattform, um ihre Talente reifen zu lassen. Zudem: Die Sportliche Leitung hat einen guten Draht zu dem einflussreichen Spielerberater Fali Ramadani, der viele Akteure vom Balkan betreut. Mit Spielern aus Serbien oder Kroatien hat die Eintracht zuletzt gute Erfahrungen gemacht.

Werder Bremen: Einen bestimmten Kooperationspartner hat Werder Bremen nicht. Eine angedachte Partnerschaft mit Juventus Turin verlief vor sechs Jahren komplett im Sande. Aktuell ist der Verein mit dem FC Arsenal vor allem wegen des Ex-Bremers Per Mertesacker (Jugendleiter) in Gesprächen über einen Austausch.

TSG Hoffenheim: Die Kraichgauer starteten im vergangenen Sommer ein Pilotprojekt im afrikanischen Namibia. An der Grenze zu Angola nahmen angeleitet von TSG-Trainern 24 Teilnehmer teil. Unter dem Motto „Fußball als Türöffner“ sollten sowohl die deutschen als auch die namibischen Teilnehmer voneinander lernen.

Fortuna Düsseldorf: Fortuna Düsseldorf kooperiert mit vier Vereinen in der näheren Region, um „die Nachwuchsausbildung in Düsseldorf und Umgebung stetig zu verbessern“.

Hertha BSC: Hertha BSC ist auf der Suche nach Talenten regional ausgerichtet und betreibt seit Jahren eine eigene Akademie, aus der bereits zahlreiche Nachwuchsspieler den Sprung in den Profikader geschafft haben wie John Anthony Brooks, Maximilian Mittelstädt oder Arne Maier. Im Nachwuchsbereich gibt es eine Kooperation mit dem Oberligisten Hertha 03 Zehlendorf ein. „Um auch zukünftig die Qualität der Ausbildung zu sichern, werden regionale Kooperationen eine immer größere Rolle spielen“, sagte Geschäftsführer Michael Preetz.

FSV Mainz 05: Sein „erhebliches Ansehen auf der nationalen Fußballebene“ (Vereinshomepage) teilt der FSV in mehreren Kooperationen mit kleineren Vereinen. Dazu zählen unter anderem der VfB Marburg, Wormatia Worms und JFV Rhein-Hunsrück.

SC Freiburg: Freiburg hat fünf Kooperationsvereine in seinem Umland und dazu noch eine Vereinbarung mit dem SR Colmar aus Frankreich. Bei jedem dieser Partnervereine gibt es einmal im Jahr Sichtungstage.

Schalke 04: In Zeiten wachsender Internationalisierung setzt S04 bei der Talentsuche in der Jugend auf Lokales. „Natürlich sind punktuelle Verstärkungen aus dem Ausland möglich. Das Hauptaugenmerk legen wir aber auf das Ruhrgebiet und Nordrhein-Westfalen“, sagte Mathias Schober, Sportlicher Leiter der Knappenschmiede.

FC Augsburg: Mit seinem Nachwuchsleistungszentrum ist der FCA vor allem regional ausgerichtet, hat mit Fußballschule und NLZ Partnervereine in der Region.

Union Berlin: Der Aufsteiger ist im Nachwuchsbereich bislang nicht im Ausland, sondern nur regional unterwegs, veranstaltet seit langem Feriencamps in Berlin und Brandenburg.

1. FC Köln: Die Kölner haben zehn Partnervereine im Jugendbereich aus der Region, um ein flächendeckendes Scouting zu erreichen. Im Ausland hat der Bundesligarückkehrer bereits seit 2016 eine Kooperation mit dem chinesischen Klub Liaoning FC.

SC Paderborn: Im Zuge des Wechsels von Manager Markus Krösche nach Leipzig vereinbarte der Aufsteiger eine Kooperation mit den Sachsen. Der Plan stieß auf Kritik. Andere Ligakonkurrenten warnten vor Wettbewerbsverzerrung, die SCP-Fans drohten mit Boykott. Zur Versachlichung der Diskussion erläuterten die Ostwestfalen: „Inhaltlich zielt die Kooperation auf einen gegenseitigen Austausch über sportliche Entwicklungen, insbesondere im Bereich der Ausbildung von Spielern und der Fortbildung von Trainern ab“, hieß es. Die Option von Spielerleihen sei besprochen worden, stehe aber „sicherlich nicht im Vordergrund“. (dpa)

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