Ridle Baku (Zweiter von links) von Mainz und seine Teamkollegen Taiwo Awoniyi, Jeffrey Bruma und Jean-Paul Boetius jubeln gemeinsam.
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Ridle Baku (Zweiter von links) von Mainz und seine Teamkollegen Taiwo Awoniyi, Jeffrey Bruma und Jean-Paul Boetius jubeln gemeinsam.

Bundesliga

Mainz 05: Spieler immer wieder Opfer rassistischer Beleidigungen - Verein positioniert sich 

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Der Fußball-Bundesligist Mainz 05 zeigt klare Kante beim Thema Rassismus. Bei der Mannschaft kommt das gut an.

  • Der FSV Mainz 05 hat zahlreiche Spieler mit afrikanischen Wurzeln
  • „Fans“, die den Verein deshalb rassistisch angreifen, bekommen klare Kante gezeigt
  • Mannschaft ist dankbar für die Klare Positionierung

Mainz - Dass sich der Klub im Abstiegskampf vor seine Profis mit afrikanischen Wurzeln stellt, wird in der Mannschaft ausdrücklich begrüßt. Rassistische Vorfälle sind für Mainz 05 nicht neu. Diese Lebenswege und noch ein paar mehr kreuzen sich derzeit beim abstiegsgefährdeten Bundesligisten FSV Mainz 05:

Mainz 05: Viele Profis mit afrikanischen Wurzeln

Die Eltern aus Mali und Frankreich, geboren in Roubaix: Moussa Niakhaté, Innenverteidiger.

Mutter aus den Niederlanden Vater aus St. Kitts & Nevis, geboren in Groningen: Jeremiah St. Juste, Innenverteidiger,

Vater aus den Niederlanden, Mutter aus Surinam, geboren in Rotterdam: Jeffrey Bruma, Innenverteidiger,

Mutter aus der Steiermark, Vater aus Kenia, geboren in Wien: Phillipp Mwene, rechter Verteidiger.

Eltern aus Kamerun, geboren in Limbé: Pierre Kunde Malong, defensiver Mittelfeldspieler.

Schweizer mit portugiesischen und kapverdischen Wurzeln, geboren in Sion: Edimilson Fernandes, Mittelfeldspieler.

Kongolesische Wurzeln, geboren und aufgewachsen in Mainz: Ridle Baku, Verteidiger und Mittelfeldspieler.

Wurzeln aus Surinam und den Niederlanden, geboren in Rotterdam: Jean-Paul Boetius, Spielmacher.

Luxemburger mit portugiesischen Wurzeln, geboren in Erpeldingen an der Sauer: Leandro Barreiro, Mittelfeldspieler.

Nigerianischer Vater, Mutter aus Österreich, geboren in Wien: Karim Onisiwo, Außenstürmer

Sohn einer Ghanaers und einer Schwedin, geboren in Stockholm: Robin Quaison, hängende Spitze.

Vater aus dem Kongo, Mutter Französin: Jean-Philippe Mateta, geboren in Sevran einer Vorstadt von Paris, Mittelstürmer.

Eltern aus Nigeria, geboren dort in Ilorin: Taiwo Awoniyi, Außenstürmer.

Kein anderer Erstligist hat so viele Spieler afrikanischer Herkunft in seinen Reihen,worüber sich zuletzt einige Fans und ausgetretene Mitglieder vom FSV Mainz 05 mokiert hatten. Der FSV, am Sonntag (15.30 Uhr) Gastgeber für den FC Augsburg, hat öffentlich mit klarer Kante reagiert: Leute, die sagen, sie bekämen „mittlerweile den Eindruck vermittelt, dass ich beim Afrika-Cup bin“, duldet der Klub in seinem Umfeld nicht.

Mainz 05 gegen Rassismus: Mwene äußert sich

Rassistisch motivierte Attacken sind den Mainzern nicht neu. Die beiden seinerzeit bei den Nullfünfern unter Vertrag stehenden Nigerianer Leon Balogun und Anthony Ujah waren im Januar 2018 während des Aufwärmens von Anhängern von Hannover 96 mit „Uh-Uh-Uh“-Rufen bepöbelt worden und hatten die Beleidigungen öffentlich gemacht, 96-Klubchef Martin Kind erstattete daraufhin Anzeige wegen Volksverhetzung. Zwei der mutmaßlich fünf Täter wurden später gefasst.

Diese Woche, mit zwei Jahren Verspätung, hat der aktuelle Mainzer Profi Phillipp Mwene erstmals öffentlich gemacht, dass er als Zweitligaprofi des 1. FC Kaiserslautern von einem Gegenspieler „auf das Übelste“ rassistisch beleidigt worden sei. Der 26-Jährige hatte seinerzeit kein großes Aufhebens darum machen wollen, „heute würde ich es vielleicht anders handhaben“, sagte er nun bei einem Pressegespräch im Lichte einzelner Austritte und Dauerkarten-Kündigungen.

Manchen Leuten fehle „einfach die Empathie, um sich in uns hinein zu versetzen, wie wir uns fühlen, wenn wir wegen unserer Hautfarbe beleidigt werden“, so der Abwehrspieler. Er wolle „die derzeitige Aufmerksamkeit nutzen, um so viele Leute wie möglich zu erreichen“. Die Reaktion seines Arbeitgebers mache ihn stolz: „Der Klub hat super gehandelt und klipp und klar eine Aussage gegen Rassismus getroffen.“

Mainz gegen Rassismus: Ujah mit Gastbeitrag

Auch der 2018 in Hannover rassistisch beleidigte Ex-Mainzer Anthony Uja h (jetzt Union Berlin) hat sich inzwischen öffentlich zu Wort gemeldet - in einem beachtenswerten Gastbeitrag für die „FAZ“ und in einem RBB-Interview, in dem der Mittelstürmer sagte: „Ich weiß, dass es jetzt viele Leute gibt, die genervt sind. Es geht ihnen zu viel um Rassismus, im Internet, im Fernsehen, in sozialen Medien. Sie denken sich: ‚Komm, jetzt ist es zu viel.‘ Es ist nicht zu viel. Was zu viel ist, sind die Leute, die rassistisch beleidigt werden – seit vielen, vielen Jahren, das ist zu viel!“

Trainer Achim Beierlorzer legte in der Video-Pressekonferenz am Freitag den Fokus wieder auf das Sportliche: „Wir haben es in der eigenen Hand, wir können es selber erreichen, in der Klasse zu bleiben“, sagte der 52-Jährige vor dem Spiel gegen einen direkten Mitkonkurrenten. Seine Devise: „Keine Rechenspiele, just do it.“ Danach spielen die Rheinhessen noch bei Borussia Dortmund (17. Juni), gegen Werder Bremen (20. Juni) und bei Bayer Leverkusen (27. Juni).

Von Jan Christian Müller

„Der Rassismus muss kontinuierlich neu verlernt werden“: Die Historikerin und Aktivistin Katharina Oguntoye über Fortschritte und Rückschläge im langen Kampf der Afrodeutschen um ihre Gleichberechtigung.

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