Eishockey

In der Bully-Krise

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Ein Blick in die Statistik verrät, warum Meister München in den DEL-Playoffs hinten liegt

Man glaubt gar nicht, dass Patrick Hager ein Bully verlieren könnte. Er ist ohnehin ein kompakter Spieler, den auf dem Eis kaum jemand aus der Position bringen kann, und wenn der Puck eingeworfen wird, stemmt er die Kanten ins Eis und fasst den Stock fast schon vorne an der Schaufel an, um möglichst viel Power in diesem Sekundenbruchteil-Zweikampf um die Scheibe zu entfalten.

Hager ist ein Spezialist für das Anspiel, mit dem es nach jeder Unterbrechung im Eishockey weitergeht. Face-off sagen die Nordamerikaner, Bully die Europäer. Mit einem erfolgreich absolvierten Bully gewinnt man Zeit. Im Durchschnitt dauert es nämlich 15 Sekunden, bis der Gegner sich den Puck zurückholt. Trainer stellen danach ihre Mannschaften zusammen

In den 37 Hauptrundenspielen dieser Saison hat Hager 231 Anspiele gewonnen und 182 verloren, auch die anderen Mittelstürmer des EHC lagen im Plus: John Mitchell mit 250:179, Mark Voakes mit 512:399, Matt Stajan mit 347:345. Mit 54,24 Prozent gewonnenen Anspielen lag der EHC auf Platz zwei hinter Bremerhaven. Und vor Mannheim.

Doch wenn man in der Finalserie, in der die Adler Mannheim die bisherigen drei Spiele bestimmten (und zwei von ihnen gewannen) analysiert, dann zeigt sich, dass die Münchner in eine veritable Bully-Krise geraten sind. Spiel Nummer eins: 42:33 Bullys für Mannheim. Nummer zwei: 40:32 für Mannheim. Nummer drei: 38:22 für Mannheim. Drei Gegentreffer kassierte Meister München vom Punkt weg: das 0:1 am Samstag in eigener Halle sowie 0:1 und 0:3 am Ostermontag in der Mannheimer Arena. Die Einzelstatistiken aus dem 1:4 verlorenen Match: Hager 9:14, Andy Eder 8:10, Matt Stajan (trotz der Erfahrung aus über 1000 NHL-Partien) 4:9, Mitchell 0:3. Mark Voakes fehlte im dritten Spiel mit nicht näher definierter Verletzung – doch er war am Bully in den beiden Spielen davor ebenfalls schon in den Miesen.

EHC-Trainer Don Jackson spricht in den Playoffs wenig und bleibt in seinen Statements unverbindlich; für seine Verhältnisse wurde er am Montag in Mannheim relativ konkret: „Es gibt Sachen, die wir nicht kontrollieren können, und es gibt Sachen, die wir kontrollieren können, und die müssen wir besser machen.“ Mehr Anspiele zu gewinnen und so die Regie über das Geschehen zu übernehmen, ist der eine Punkt, wenn der EHC am heutigen Mittwoch (19.30 Uhr) versucht, im Heimspiel in der Finalserie auszugleichen.

Der andere: Strafzeiten vermeiden. Bagatelldelikte wie Haken und Halten leistet sich die EHC-Mannschaft zwar kaum, doch im Playoff-Verlauf hat sie sich bereits vier Spieldauer-Disziplinarstrafen eingehandelt (verbunden stets mit fünf Minuten Unterzahl – Mannheim keine einzige).

Ein Jammer auch das Überzahlspiel. Effektivität 10,98 Prozent, schwächstes der acht Teams, die in die Playoffs starteten. Auch in der vormaligen Spezialität Unterzahlspiel ist München zurückgefallen (auf 82,61 Prozent). Eine Zahlenspielerei im Eishockey ist es, Über- und Unterzahlwerte zu addieren. Der EHC kommt auf 93,59 Prozent, Mannheim auf 117,77. Unterdurchschnittlich versus phänomenal.

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