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Brenzlig, Bayern

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Kein Durchkommen: Selbst Robert Lewandowski (re.) zerschellt an Bayer-Profi Odilon Kossounou. dpa
Kein Durchkommen: Selbst Robert Lewandowski (re.) zerschellt an Bayer-Profi Odilon Kossounou. dpa © dpa

Vor dem entscheidenden Achtelfinalspiel gegen Salzburg schwächeln die Münchner in der Liga

Ausgerechnet vor dem entscheidenden Achtelfinalrückspiel in der Champions League gegen Salzburg schleicht sich beim FC Bayern wieder der altbekannte Bruder Leichtfuß ein. Zu beobachten am Samstag beim 1:1 (1:1) gegen Bayer Leverkusen, einer Partie, bei der auch eine Münchner Niederlage nicht unverdient gewesen wäre. Mit dabei war alles, was die Fehlerkartei in der laufenden Saison bislang so bieten hat: groteske Rückpässe, unnötige Ballverluste und klaffende Löcher in einer Abwehr, die auch im neunten Monat der Ära Julian Nagelsmann an alles bloß nicht an eben das erinnert: eine sichere Defensive.

Ungeachtet der zwischenzeitlichen Siege gegen Fürth (4:1) und Frankfurt (1:0) ist es weiterhin ganz dünnes Eis, auf dem sich der deutsche Rekordmeister bewegt – insbesondere mit Blick auf den Gegner in der Königsklasse aus Salzburg, der sich bereits mit einem 4:0-Schützenfest gegen Altach auf den Hit am Dienstag eingestimmt hat. Brenzlig, Bayern!

Immerhin: Nagelsmann redete nicht um den heißen Brei herum. „Wir haben so ein bisschen die Aktionen gemacht wie gegen Gladbach oder gegen Bochum“, sagte der Trainer mit Blick auf die letzte Viertelstunde der ersten Halbzeit, in der seine Mannschaft die Werkself nicht nur zum Toreschießen einlud, sondern den Ausgleichstreffer in persona von Thomas Müller selbst erzielte. „Mit zu vielen Rückpässen, einfachen Fehlern und Querbällen spielen wir dem Gegner in die Karten und es entsteht der Glaube, dass man etwas holen kann.“

Fakt ist: Seine Mannschaft verteilte am Samstag Geschenke wie sonst nur das Christkind an Heiligabend. Nicht nur Müllers Eigentor sowie ein haarsträubender Rückpass des erneut unterirdischen Dayot Upamecano, den Amine Adli nur an den Pfosten setzte, auch eigentliche Leistungsträger wie Joshua Kimmich waren plötzlich nicht wiederzuerkennen. Letzterer leistete sich insgesamt 19 (!) Ballverluste.

Süle dankbar, Upa sorglos

„Nach dem unglücklichen 1:1 sind wir ein bisschen zusammengefallen“, urteilte Torschütze Niklas Süle, der es genoss, dass ihn die 25 000 Fans nicht nur nach seinem Tor feierten. „Es ist nicht selbstverständlich, dass ich hier spiele, jetzt nach Dortmund wechsle und die Zuschauer trotzdem meinen Namen rufen, wenn ich eine Grätsche mache. Dafür bin ich dankbar“, sagte er. Diese Wertschätzung vermisste er seitens der Verantwortlichen.

Nagelsmann wiederum ermahnte den als Abwehrchef der Zukunft verpflichteten Upamecano, schnellstens die Fehlerquote zu senken und öfter „einfache Lösungen“ zu wählen. Er verteufelte den 23-Jährigen aber nicht: „Er ist eine Maschine im Verteidigen.“

Fußballfachmann Nagelsmann wirkte generell nachdenklich an jenem Samstag, was aber nicht nur mit der Leistung seines Teams zu tun hatte. „Wir tun alle gut daran, nicht bei jedem Spiel, das nicht gewonnen wird oder nicht 100 Prozent in die richtige Richtung läuft, Weltuntergangsstimmung herzustellen“, sagte der 34-Jährige und stellte mit Blick auf die Ukraine fest. „Es ist gut, wenn man ein paar Momente auch mal geschehen lässt und nicht alles schwarzmalt. Es gibt gerade Themen, die deutlich dunkler sind.“ Da hat er zweifellos Recht, der Julian Nagelsmann.

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