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Bora-Teamchef Ralph Denk.
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Bora-Teamchef Ralph Denk.

Tour de France

Bora-Teamchef Denk: „Emu kann bei der Tour was reißen“

  • VonArmin Gibis
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Bora-Teamchef Ralph Denk überden Kletterspezialisten Emanuel Buchmann, das Grüne Trikot und das Ringen um Aufmerksamkeit in Zeiten der EM.

Herr Denk, im Vorfeld der Tour gab es interne Dissonanzen, das ist ungewöhnlich für Ihr Team. Pascal Ackermann beschwerte sich bitter über seine Nichtnominierung.

Pascal war natürlich megaenttäuscht. Aber mein Versprechen für eine Tour-Nominierung war immer daran gekoppelt, dass er eine ähnliche Leistung bringt wie in den vergangenen beiden Jahren. Und davon war er zuletzt sehr weit weg. Er hat dieses Jahr kein Rennen gewonnen – das ist eben der Fakt. Er hat sich dann öffentlich geäußert. Dazu sage ich: Kann man machen. Er ist noch ein junger Mensch. Und ich bin ihm jetzt nicht böse, dass er ein bisschen um sich schlägt und Luft ablässt.

Wie nachhaltig schätzen Sie seine Verstimmung ein. Angeblich verhandelt Ackermann mit UAE Team Emirates. Wird er sich von Bora-hansgrohe verabschieden?

Ich glaube nicht, dass es da eine Tendenz gibt, das Team zu verlassen. Und ich hoffe es auch nicht. Er ist ja ein Eigengewächs, er kam von den Amateuren zu uns und hat eine tolle Entwicklung gemacht. Da kann man von einer Erfolgsgeschichte sprechen.

Dafür rutschte etwas überraschend noch Emanuel Buchmann ins Tour-Team. Er war beim Giro d’Italia in guter Form, musste aber nach einem schweren Sturz aufgeben.

Emanuel hat das ganz gut weggesteckt. Seine Verletzung war ja nicht so schwer wie bei der Dauphiné im vergangenen Jahr. Nach dem Sturz in Italien dauerte es nur ein paar Tagen, bis er wieder auf dem Rad war.

Reicht die Vorbereitung, um bei der Tour konkurrenzfähig zu sein?

Emu kann auch bei dieser Tour was reißen. Aber ich muss auch sagen: Seine Form kann nicht bei 100 Prozent sein – ansonsten wäre etwas bei der Giro-Vorbereitung schiefgelaufen. Man hatte ja beim Giro gesehen, dass er voll auf Plan war für die dritte Woche. Aber er könnte bei Tour 99 Prozent sein. Damit kann er mal eine Bergetappe gewinnen oder unter die Top 10 fahren. Wir müssen aber auch realistisch sein: Das Streckenprofil entspricht nicht ganz seinen Fähigkeiten. Auch in Bestform hätte Emu das Podium wohl nicht angreifen können.

Immerhin stehen sechs Bergetappen auf dem Programm.

Seine Rolle wird in der ersten Wochen noch nicht ganz so klar sein. Wir warten ab bis zum fünften Tag, wenn das Zeitfahren auf dem Programm steht. Dann schauen wir, wie Emu liegt. Und natürlich kommt es auch darauf an, wie unser Kapitän Wilco Keldermann drauf ist. Vor den ersten Bergetappen werden wir dann eine Strategie festlegen.

Gute Form hatte zuletzt Maximilian Schachmann, dem Sieger von Paris-Nizza. Er hätte sicher auch bei Tour eine gute Figur abgeben können. Aber er bevorzugt das Olympische Straßenrennen in Tokio. Haben Sie ihn von dieser Terminplanung überzeugen müssen? Oder war das sein persönlicher Wunsch?

Wir hatten da einen guten Austausch. Wobei es bei seiner Entscheidung nicht nur darum ging, den Fokus allein auf Olympia zu legen. Wichtig war uns auch, was danach kommt. Wir haben im Anschluss an Tokio die Weltmeisterschaft, die Lombardei-Rundfahrt, wo er ganz vorne reinfahren kann. Max wird höchstwahrscheinlich auch sein Debüt bei Paris – Roubaix geben. Wir haben also noch einige Highlights, bei denen wir einen frischen Max Schachmann brauchen.

Zur Person

Ralph Denk ist der Kopf des deutschen Teams Bora-hansgrohe, das am Samstag an den Start der Tour de France (26. Juni bis 18. Juli) gehen wird. Seine Mannschaft gilt als Nationalmannschaft des Radsports. Für den Rennstall des Teammanagers fahren die besten deutschen Pedaleure. (FR)

Wie sehen Sie seine Olympia-Chancen?

Wenn es taktisch gut läuft, dann kann er gewinnen. Wer bei Lüttich-Bastogne-Lüttich, einem der schwersten Eintagesklassiker aufs Podium fährt wie Max, der kann auch Olympiasieger werden.

Ihr Tour-Kapitän ist Wilco Keldermann, der Neuzugang. Was trauen Sie ihm bei zu?

Er kann es unter die besten Fünf schaffen. Wilco war zuletzt Vierter bei der Dauphiné, war Fünfter bei der Katalonien-Rundfahrt, Zehnter bei der Tour de Romandie. Das sind tolle Ergebnisse auf höchstem Niveau. Letztes Jahr war er Dritter beim Giro, mehr braucht man nicht zu sagen. Er hatte in seiner Karriere zwar oft Sturzpech, ich hoffe aber, dass in den kommenden drei Wochen das Glück auf unsere Seite ist.

Welche Ziele haben Sie sich sonst noch gesetzt?

Natürlich das Grüne Trikot für Peter Sagan. Er könnte es zum achten Mal gewinnen. Das wäre ein Novum. Wir trauen ihm zu, dass er das schaffen kann. Das bedeutet aber auch jede Menge Arbeit für die Mannschaft. Weswegen wir auch viele sogenannte Rouleure dabei haben, die ihn in Position fahren können. Er war bisher guter Form, hat der Sprintertrikot beim Giro gewonnen.

Sagans Vertrag läuft am Saisonende aus. Er ist ja als dreifacher Weltmeister der Star Ihres Teams. Wie laufen die Gespräche?

Eine Tendenz gibt es noch nicht. Aber wenn es Gespräche gibt, zeigt das immer, dass von beiden Seiten Interesse da ist. Wir werden die Ruhetage bei der Tour de France auf jeden Fall intensiv nutzen, um die Zukunft zwischen Peter Sagan und Bora-hansgrohe zu besprechen. Dafür reist extra sein Management nach Frankreich.

Das öffentliche Interesse an der Tour wird wohl etwas überschattet von der Fußball-EM. Beeinträchtigt das die Vorfreude auf den Saisonhöhepunkt?

Wir sind erstmal froh, dass die Tour wieder zu ihrem Originaltermin zurückgekehrt ist – und nicht erst im August stattfindet. Natürlich stehen wir in einem harten Wettbewerb mit der Fußball-Europameisterschaft. Aber mit dieser zeitlichen Überlappung können wir schon umgehen.

Obligatorische Schlussfrage: Wer gewinnt die Tour?

Ich glaube, dass Geraint Thomas die Tour gewinnt. Sein Ineos-Team ist eine ausgesprochene Rundfahrtmannschaft. Das haben die schon oft bewiesen. Ineos hat große Erfahrung darin, wie man die Tour gewinnt.

Interview: Armin Gibis

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