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Mit Konzentration und Geschick: der Portugiese Jose Macedo weiß, wie es geht.
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Mit Konzentration und Geschick: der Portugiese Jose Macedo weiß, wie es geht.

Paralympics

Boccia gegen Berührungsängste

  • VonRonny Blaschke
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Seit 1984 gehört die traditionsreiche Sportart zu den Paralympics - nun hilft sie, Berührungsängste abzubauen.

Zu den bekanntesten Parasportlern in Deutschland zählen: Markus Rehm, Rekordweitspringer mit Hightechprothese. Andrea Eskau, rasende Handbikerin. Und Niko Kappel, durchtrainierter Kugelstoßer. Rehm, Eskau und Kappel haben schon viele Titel gewonnen. Doch nicht nur deshalb seien sie interessant für Publikum, Medien und Sponsoren, sagt Thomas Abel, einer der Paralympics-Experten der Deutschen Sporthochschule in Köln: „Wenn Markus Rehm eine Jeans anhat, dann sehen wir nicht mal, dass es da eine Behinderung gibt. Und wenn sie jemanden im Rollstuhl sehen, kennen wir das auch: Die Mimik und Gestik sind kaum verändert. Da haben wir irgendwie kaum Berührungsängste.“

Thomas Abel möchte nicht falsch verstanden wissen. Er will Sportarten und Klassifizierungen von Behinderungen nicht gegeneinander ausspielen, aber er wünscht sich, dass die Paralympics die gesamte Vielfalt ihrer sportlichen Bewegung abbilden. Daher lenkt er die Aufmerksamkeit auf Boccia, eine paralympische Sportart für Menschen mit teils schweren Behinderungen. Einige Spieler haben eine infantile Zerebralparese, eine frühkindliche Hirnschädigung. „Deshalb sind Muskeln nur noch schlecht anzusteuern oder haben ein Eigenleben“, sagt Abel. „Andere Spieler haben Zuckungen oder vielleicht einen fehlenden Mundschluss. Das macht einem Teil des Publikums manchmal Sorgen.“

Boccia kann Berührungsängste abbauen. Ein Spiel mit Wurzeln im alten Ägypten, im Detail entwickelt im 16. Jahrhundert in Italien. Boccia gehört seit 1984 zu den Paralympics. Die Spieler oder Spielerinnen müssen einen Lederball möglichst nah an einer zuvor geworfenen Kugel platzieren. Boccia erfordert keine Schnelligkeit, Explosivität oder Kraft, sondern Technik, Konzentration und Genauigkeit. Die Sportler, die je nach Beeinträchtigung in vier Klassen antreten, sind meist im Alltag auf Rollstuhl und Assistenz angewiesen. „Einige Spieler können nur den Kopf bewegen“, sagt Thomas Abel. „Doch sie zeigen: wettkampforientierter Sport ist möglich. Es geht nicht um Mitleid, sondern um systematisches Training und Höchstleistungen.“

Jetzt in Tokio ist Deutschland erstmals im Boccia mit einem Spieler bei den Paralympics vertreten. Boris Nicolai hatte Boccia während eines Urlaubs in einem Hotel für behinderte Menschen auf Teneriffa kennengelernt, erzählte er der Paralympics-Zeitung des Berliner „Tagesspiegel“. Nicolai, der aus dem Saarland stammt, fand Gefallen daran, trainierte regelmäßig, wurde von Jahr zu Jahr besser.

Doch die Vorbereitungen für Tokio waren problematisch: Boris Nicolai lebt mit einer Muskeldystrophie und gehört zur Corona-Risikogruppe, sein letztes wichtiges Turnier vor den Paralympics bestritt er im Oktober 2019.

Das paralympische Boccia steht in Deutschland am Anfang, der Trainingsstützpunkt liegt in Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz. Dort arbeitet der Deutsche Behindertensportverband mit der Diakonie und dem Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderter Menschen zusammen.

„Der Organisationsaufwand ist im Boccia vergleichsweise hoch“, sagt Karl Quade, Chef de Mission der deutschen Paralympier. „Wir brauchen dafür ein barrierefreies Umfeld.“

Boris Nicolai möchte das Interesse mit guten Leistungen auf Boccia lenken. Und er könnte damit auch Berührungsängste mindern.

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