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Schneller Läufer in der Loipe: Johannes Kühn.
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Schneller Läufer in der Loipe: Johannes Kühn.

Biathlon

Biathlon: Johannes Kühn träumt von der Olympiamedaille

  • VonArmin Gibis
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Biathlet Johannes Kühn über seine Ziele für die Winterspiele in Peking, den ersten Weltcupsieg mit 30 Jahren und die Faszination seines Sports.

Johannes Kühn, Ihr Sprintsieg in Hochfilzen ist als Sensation bezeichnet worden. Wie überrascht waren Sie selbst?

Natürlich war ich überrascht. Jeder, der an meiner Stelle in solch einem Fall nicht überrascht wäre, wäre doch leicht verrückt. Ich habe natürlich im Laufe meiner Karriere schon davon geträumt, ein Weltcup-Rennen zu gewinnen, und ich habe mir auch öfter gesagt: „Wenn ich heute null Fehler geschossen hätte, dann hätte es klappen können.“ Es gab in der Vergangenheit auch einige Rennen, wo ich sagen würde: Da hatte ich die Möglichkeit zu gewinnen. Jetzt hat es endlich gereicht: Und das ist umso schöner.

Wie stark wirkt die Euphorie nach so einem Erfolg nach?

Euphorie würde ich das nicht unbedingt nennen. Die ersten zwei Tage nach meinem Sprintsieg war es natürlich schwierig, das alles zu verarbeiten. Da ist einiges auf mich eingeprasselt. Aber an meiner grundsätzlichen Einstellung hat sich durch den Weltcup-Sieg nichts geändert. Wenn es gelingt, meine Leistung abzurufen, dann ist es möglich, vorne mitzumischen. Aber man darf nicht vergessen, dass es 20, 25 gibt, die aufs Podest laufen können. Aber ich weiß jetzt, dass es mit dem, was ich drauf habe, für sehr viel reichen kann. Es liegt halt an mir, das abzurufen. Nur: Im Biathlon ist es eben so: Das funktioniert nicht immer.

Sie haben 2012 Ihr erstes Weltcup-Rennen bestritten und seither nicht wenige Rückschläge hinnehmen müssen. Wie haben Sie es geschafft, sich über all die Jahre zu motivieren und es immer wieder zu versuchen, in die Spitze zu kommen?

Ich würde jetzt meine Karriere nicht so negativ sehen. Ich war insgesamt drei Mal auf dem Podium und 2019/20 immerhin 13. im Gesamtweltcup. Mein letztes Jahr war natürlich schlecht. Und da war es schwierig, wieder die Motivation zu finden. Allerdings: Schlechte Ergebnisse bedeuten in unserer Sportart nicht unbedingt, dass gleich alles verkehrt sein muss. Biathlon ist so komplex; wenn zwei kleine Faktoren nicht zusammenpassen, kommt unter Umständen ein schlechtes Resultat heraus – obwohl man gleichzeitig viele Dinge gut gemacht hat. Ich habe gemerkt, dass eigentlich viele Dinge passen. Zum Beispiel hat sich bei mir in den letzten Jahren das Schießen im Training stark verbessert.

Bislang hat man ja den Eindruck, dass fast alle im Männerteam einen Schritt nach vorne gemacht haben. Gab es da in der Vorbereitung Neuerungen?

Die Trainer haben gemerkt, dass es immer schwieriger wird, läuferisch vorne mitzuhalten. Und es war eben auch so, dass wir in den letzten zehn, 15 Jahren immer das Gleiche trainiert haben. Die Trainer veränderten jetzt einiges in der Methodik und Intensität. Ich glaube, das ist gerade noch rechtzeitig geschehen. Die öffentliche Sicht vor der Saison war ja die, dass man gesagt hat: Arnd Peiffer hat aufgehört, Simon Schempp gibt es nicht mehr, Erik Lesser ist nicht mehr so gut, wie er einmal war – und der Rest reißt eh nichts. Aber wenn man jetzt auf unsere Top-15-Platzierungen schaut, dann muss ich schon sagen, dass wir uns mit unserer namenlosen Truppe gut verkauft haben.

Das deutsche Biathlon-Publikum ist halt etwas erfolgsverwöhnt...

Ich weiß. Aber wenn nun welche meinen: Früher hatten wir drei Leute auf dem Podium. Dann muss ich sagen: Diese Zeiten sind vorbei. Das schaffen sogar die führenden Biathlonnationen nur einmal im Jahr. Es ist halt nicht mehr so wie zu den Zeiten von Ricco Groß, Sven Fischer oder Michi Greis. Und ich bin auch der Meinung: Wenn ich als Fan nur Wettkämpfe anschauen möchte, bei denen die Deutschen immer gewinnen, dann muss ich mir andere Sportarten suchen. Auf Dauer finde ich das stinklangweilig. Das ist im Biathlon anders. Wenn da kein Deutscher auf den Spitzenplätzen ist, dann ärgere ich mich als Zuschauer vielleicht darüber – aber es war in jedem Fall spannend.

Zur Person

Johannes Kühn , 30, und seit neun Jahren dabei im Biathlon-Weltcup, ist ein exzellenter Läufer, aber das Schießen machte ihm oft einen Strich durch die Rechnung. Vor einer Woche hat es doch geklappt: Der gebürtige Niederbayer, der für den WSV Reit im Winkl startet, feierte in Hochfilzen im Alter von 30 Jahren seinen ersten Weltcupsieg. (FR)

Auffallend ist, dass Sie in diesem Winter am Schießstand bisher eine bessere Figur abgeben.

Ja, ich habe mich da tatsächlich verbessert. Das hat sich wie gesagt schon seit längerem in den Trainingsleistungen gezeigt. Aber ich habe es früher nicht geschafft, das im Wettkampf umzumünzen. Ich werde auch in Zukunft kein Wunderschütze sein. Aber ich bin im Schießen besser geworden. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich gut schieße, hat sich deutlich erhöht.

Dennoch mussten Sie am ersten Weltcup-Wochenende im zweitklassigen IBU-Cup antreten. Hat Sie das gewurmt?

Gewurmt ist vielleicht nicht das richtige Wort. Ich würde eher sagen: Es hat mich gestört. Aber dafür mache ich niemand einen Vorwurf. Die Situation war eben die: Wir hatten zwei Qualifikationsrennen in Munio; und da waren in der Summe andere besser, weil ich im zweiten Rennen richtig schlecht geschossen habe. Es war vielleicht nicht das, was ich theoretisch leisten kann. Aber ich verstehe das Prinzip einer Qualifikation. Ich musste mich vielmehr darüber freuen, dass man gesagt hat: An diesem Tag hat es nicht gereicht, aber prinzipiell ist bei Johannes die Leistung da. Deshalb wurde entschieden, dass ich im zweiten Teil der Östersund-Rennen starten darf.

Wenn man so früh in der Saison schon einen Weltcupsieg in der Tasche hat, geht man da mit einer anderen Einstellung ins Rennen?

Ich denke schon. Ich weiß jetzt: Wenn ich für mich ein Toprennen mache, geht’s nicht um Platz zehn – sondern dann reicht es für richtig weit nach vorne. Ich gehe jetzt aber nicht an den Start und sage: Ich gewinne jetzt wieder. Ich mache mich da nicht verrückt. So realistisch bin ich schon, um zu wissen, dass man nicht über Nacht ein Sportler werden kann, der jedes Mal auf dem Podest steht.

Saisonhöhepunkt sind die Winterspiele in Peking. Hat sich Ihre entsprechende Zielstellung durch Ihren Sieg geändert?

Ganz klar: ja. Vor der Saison ging es mir vor allem darum, mich überhaupt zu qualifizieren. Nach meinem Sieg in Hochfilzen kann ich davon ausgehen, dass ich bei Olympia starten werde. Mit dem Wissen, dass ich auf das Podest laufen kann, werde ich versuchen, ein gutes Rennen zu machen. Ich fahre allerdings nicht nach Peking mit dem Vorsatz: Ich muss unbedingt eine Medaille machen. Nur weil ich es jetzt ein Mal geschafft habe, aufs Podest zu kommen, kann ich nicht davon ausgehen, dass das bei Olympia wieder klappt.

Träumen dürfen Sie davon...

Ich bin ein normaler, bodenständiger Mensch und weiß, von wie vielen Faktoren eine Medaille abhängt. Aber natürlich darf man träumen. Und ich glaube auch, dass der Traum von einer Medaille jetzt ein bisschen realistischer geworden ist, nachdem ich in Hochfilzen gesehen habe: Ja, es geht.

Interview: Armin Gibis

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