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Von: Günter Klein

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Seltener Gast bim deutschen Team_ Leon Draisaitl. Foto: AFP
Seltener Gast bim deutschen Team_ Leon Draisaitl. Foto: AFP © Getty Images via AFP

Deutsches Eishockey-Nationalteam scheitert bei der WM, weil die Topstars mal wieder fehlen.

Am Ende war das Eishockey-WM-Viertelfinalspiel zwischen Tschechien und Deutschland (4:1) halt auch ein Vergleich der Potenziale in beiden Ländern. Die Tschechen hatten ihren derzeitigen Nationalheiligen David Pastrnak (26) dabei, der eine 43-Tore-Saison bei den Boston Bruins hinter sich hat, er führte eine Armada von neun NHL-Spielern an. Bei den Deutschen beschränkte sich die NHL-Fraktion auf zwei Leute, auf Torhüter Philipp Grubauer und Verteidiger Moritz Seider, nachdem Stürmer Tim Stützle mit Knieverletzung abgereist war. Ansonsten waren für Bundestrainer Toni Söderholm nur Akteure aus der American Hockey League (AHL) zu haben: Leon Gawanke, Marc Michaelis, Lukas Reichel. Alle drei massive Verstärkungen fürs deutsche Team – allerdings auch, weil im WM-Kader 2022 Spieler standen, die von ihrer Berufung selbst überrascht waren: Wie Samuel Soramies (23), Stümer mit sieben Saisontoren beim ERC Ingolstadt – der keinen neuen Vertrag mehr anbot. Soramies wechselt zum Underdog Augsburg.

Draisaitl im NHL-Halbfinale

Finnland schaffte es, 2019 mit einer Mannschaft aus Spielern der heimischen Liga Weltmeister zu werden – die Ausnahme. In der Regel entscheidet der Zustrom aus der NHL, wer ernsthaft um den Titel spielt. „Jeder Spieler aus der NHL“, sagt Deutschlands Trainer Toni Söderholm, „ist etwas Besonderes“. Auch er vertraute auf das Gütesiegel NHL. Torhüter Philipp Grubauer (Seattle) bestritt fünf der acht WM-Spiele, obwohl Mathias Niederberger (Berlin) Meisterform mitgebracht hatte, in der Abwehr stand Moritz Seider (Detroit) regelmäßig weit über 20 Minuten auf dem Eis. Und Stützle führte, solange er da war, den ersten Sturm an. Doch der beste Mann fehlte eben: Leon Draisaitl (26).

Fast schon vergessen: Deutschlands Eishockey-Weltstar spielte bereits fünf WM-Turniere, alle von 2015 bis 19. Doch es wird immer komplizierter, ihn zu bekommen. 2017 reiste er, frisch aus den Playoffs mit Edmonton ausgeschieden, an, weil die WM in seiner Heimatstadt Köln stattfand und er sich verpflichtet fühlte, 2019 zog es ihn zur Nationalmannschaft, „weil ich da mit den Jungs einfach mal wieder blöd daherreden kann“. 2021 sagte er ab, obwohl er Zeit gehabt hätte. Für 2022 schloss er eine WM-Teilnahme aus. Bei den Oilers kann er sich als Topstar nicht einfach davonschleichen und in den nächsten Flieger setzen – dafür ist er inzwischen so groß. In der Nacht auf Freitag zog er mit den Oilers ins Playoff-Halbfinale ein, steuerte beim entscheidenden Sieg gegen Calgary vier Assists bei.

Moritz Seider (WM 2019, 21, 22) dürfte zukünftig auch seltener greifbar sein. Detroit wird absehbar stärker und Playoffs spielen. Das gilt auch für die Ottawa Senators, bei denen Tim Stützle zum Superstar werden soll. Das Management achtet auf den 20-Jährigen: 2021 durfte er wegen einer Handoperation nicht zur WM, 2022 wurde er aufgrund einer Knieverletzung abgezogen.

Der nachnominierte Lukas Reichel federte Stützles Ausfall ab. Stützle, Reichel plus der Münchner John-Jason Peterka waren der deutsche Sensationsjahrgang im NHL-Draft 2020. Doch dass sie zusammen in der A-Nationalmannschaft auch mal das Welteishockey aufmischen werden, ist nicht mehr als eine Vision. Peterka war diesmal nicht verfügbar, weil sein NHL-“Besitzer“, die Buffalo Sabres, ihn lieber im AHL-Farmteam Rochester sahen als bei der WM. Jetzt, in der Anfangsphase ihrer Karriere, wären die Jungstars für die Nationalmannschaft noch erschwinglich – ihre Einstiegs-Verträge (maximal 925 000 Dollar/Jahr) abzusichern, ist kein Problem. „Man bekommt vom NHL-Versicherungsbroker die Summe genannt – bei Rookie-Verträgen ist das einfach geregelt“, so DEB-Sportdirektor Christian Künast. Bei Grubauer (5,9 Mio. Dollar, Vertrag bis 2027) wird die Prämie schmerzhaft sechsstellig.

Günstig sind NHL-Spieler, deren Verträge gerade ausgelaufen sind. Sie spielen bereitwillig WM, weil sie sich im Schaufenster präsentieren wollen. Voriges Jahr kamen unter diesen Bedingungen Dominik Kahun, Tobias Rieder und Tom Kühnhackl zur WM nach Lettland. Deutschland begeisterte mit Platz vier – einen NHL-Vertrag gab es für keinen der drei. Sie spielen nun in Klubs in der Schweiz und Schweden. Die WM 2022 sagten sie ab.

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