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Entlassen: Herthas Cheftrainer Pal Dardai. dpa
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Entlassen: Herthas Cheftrainer Pal Dardai. dpa

Trainerwechsel

Berliner Rauchschwaden

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Hertha BSC trennt sich von seinem Trainer Pal Dardai. Sportvorstand Fredi Bobic holt alten Spezi Tayfun Korkut nach Berlin.

Es ist jetzt erst ein gutes halbes Jahr her, dass Pal Dardai im Fernsehen eine dicke Cohiba geraucht hat, politisch nicht sehr korrekt, aber hey, der Mann hatte gerade den Big-City-Klub gerettet, zum zweiten Mal schon. Ein dünnes 0:0 reichte seinerzeit in der letzten Saison zu Hause gegen den 1. FC Köln, und kaum war das trostlose Spiel abgepfiffen, hatte Berlins Kommunikationschef Paul Keuter dem erfolgreichen Coach einen Humidor mit zwölf kubanischen Edel-Zigarren überreicht. Dardai, seit einem Vierteljahrhundert schon bei Hertha, hatte ein paar Wochen zuvor, als es an die schwierigen Rettungsaufgaben gegangen war, im kleinen Kreis gestöhnt: „Wenn ich das schaffe, rauche ich Zigarre auf der Bank.“

Das hat Dardai dann nicht getan, dafür im weitläufigen Garten des Schlosshotels Grunewald. Keuter war zuvor zu „Zigarren Herzog“ in die Stralauer Allee gefahren, um des Trainers Lieblings-Zigarre zu besorgen. „Das habe ich mir verdient, sollte der Coach später im ZDF-Sportstudio sagen, genüsslich paffend.

Tja, ein halbes Jahr später ist die Luft raus, Pal Dardai kein Cheftrainer mehr, und seine Cos, Andreas Neuendorf und Admir Hamzagic auch nicht mehr. Mit sofortiger Wirkung, teilte die Hertha am Montagmorgen mit, sei der 45 Jahre alte Ungar von seinen Aufgaben entbunden. Womöglich kehrt er zurück in die Jugendarbeit, auch das hatte er seienerzeit launig gesagt: Ob U16, U17 oder bei den Profis, das sei egal, er werde auf jeden Fall beim Klub bleiben. In der neuen Saison, am dritten Spieltag, bei null Punkten und einer 0:5-Packung gegen die Bayern sagte er spöttisch und leicht beleidigt: „Wahrscheinlich sucht Hertha BSC seit langem einen großen Trainer. Pal ist ein kleiner Trainer, ein netter Trainer, er hilft aus so lange, wie es sein soll. Wenn ein ganz großer Trainer hier ist, geht Pal sofort.“.

Es sind solche Aussagen (und natürlich der sportliche Misserfolg nach einem 0:2 im Derby gegen Union und dem 1:1 gegen Augsburg), die der ehrlichen Haut schließlich zum Verhängnis wurden. Solche Dinge kann der neue starke Mann Fredi Bobic auf den Tod nicht ertragen, das klingt ihm viel zu sehr nach Defätismus, nach laissez-faire, nach Unprofessionalität, bei Bobic muss immer Gas gegeben werden, Stillstand ist Rückstand, heißt sein Lebensmotto, und natürlich ist es dem Macher in Berlin viel zu langsam gegangen. Im Grunde ist ja gar nichts voran gegangen beim Gern-groß-Klub. Den Abstieg zu verhindern, ist nicht sein Anspruch, Platz 14, wie aktuell, und keine sichtbare Entwicklung schon mal gar nicht.

Für Dardai übernimmt Tayfun Korkut, vorerst bis zum Saisonende, den Posten beim seit langem kriselnden Hauptstadtklub. Bobic und Korkut kennen sich seit vielen Jahren aus gemeinsamen Stuttgarter Tagen,. der in Stuttgart geborene Korkut war beim VfB Coach der U19, just zu einer Zeit, da Bobic die sportliche Leitung im schwäbischen Klub hatte. „Mit Tayfun Korkut möchten wir der Mannschaft neue Impulse geben, er hat in der Vergangenheit schon unter Beweis gestellt, dass er ein Team nicht nur stabilisieren, sondern auch mit seiner akribischen Arbeit & Idee vom Fußball weiterentwickeln kann“, wurde Geschäftsführer Bobic in einer Mitteilung zitiert. Bei seinen bisherigen Bundesliga-Engagements für Hannover 96, Bayer Leverkusen und dem VfB Stuttgart war Korkut nur wenig erfolgreich, seit 2018 und seinem Aus beim VfB war der 47-Jährige ohne Verein.

Von Dardai hatte Bobic nie sonderlich viel gehalten. Auch deswegen hatte der frühere Vorstand von Eintracht Frankfurt den körperlich längst nicht mehr auf Bundesliganiveau agierende Prince Kevin Boateng nach Berlin geholt, als Persönlichkeit, der die Mannschaft führen sollte - eine Aufgabe, die Bobic Dardai offenbar nicht zutraute. Unter Dardai, der schon von 2015 bis 2019 Chefcoach war, lief es in den vergangenen Monaten überhaupt nicht rund. Den weiter hohen Ansprüchen des von Investor Lars Windhorst generös alimentierten Vereins hinkte die Hertha konstant hinterher, sportlich verfolgte man einen Zick-Zack-Kurs mit vielen Rückschlägen und wenig Mutmachern, wie etwa überraschende Siege gegen Mönchengladbach (1:0) oder Frankfurt (2:1). Der Klub verschliss in den letzte knapp zweieinhalb Jahren in Ante Covic, Jürgen Klinsmann, Alexander Nouri, Bruno Labbadia und Dardai gleich fünf Trainer.

Fredi Bobic hatte noch vor zehn Tagen beteuert, es gäbe keine Dissonanzen mit Trainer Pal Dardai. mit dpa

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