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Sein Platz soll beizeiten wieder besetzt werden: Der zurückgetretene Präsident Reinhard Grindel.

Suche nach neuem Präsidenten 

Suche nach Grindel-Nachfolger: DFB und DFL ziehen an einem Strang 

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DFB und DFL wollen brav während der Suche nach einem Nachfolger für Reinhard Grindel bei Fuß laufen.

Es war ein vernünftiger Schritt des vormaligen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel, sich nach seinem Rücktritt vom nationalen Ehrenamt auch aus den internationalen Gremien zurückzuziehen. Der 57-Jährige hat sich so jedenfalls einen weiteren öffentlichen und institutionellen Spießrutenlauf durch die zuständigen Kommissionen der Uefa und Fifa erspart – unter Verzicht auf die von den internationalen Verbänden festgesetzten finanziellen Zuwendungen von rund einer halben Million Euro pro Jahr. Bei der Uefa lief sein derart üppig honoriertes Mandat bis 2021, bei der Fifa gar noch bis 2023.

Das Amt war Grindel über den Kopf gewachsen, er hatte überall strebsam dabei sein wollen, ganz unten bei den kleinen Amateurklubs, ganz oben bei den großen Strippenziehern, er wollte vom Bundestrainer geliebt, von den Managern der DFL und der Profiklubs akzeptiert und von den Medien geachtet werden. Mag sein, dass dieser ständige Rechtfertigungsdruck, der fortwährende Kampf um Anerkennung zur latenten Überforderung führten und somit auch dazu, die möglichen Konsequenzen der Annahme einer Nobeluhr noch nicht einmal zu unterschätzen, sondern offenbar gar nicht erst einzuschätzen. Diese komplette Ignoranz bleibt ein unfassbarer Vorgang für jemanden, der doch gerade auf diesem Gebiet gebetsmühlenartig vorgebracht hatte, neue Maßstäbe setzen zu wollen.

Reinhard Grindel steht vor den Trümmern seiner Laufbahn

Reinhard Grindel steht nun vor den Trümmern seiner beruflichen Laufbahn, was bei aller Fassungslosigkeit über den Vorgang sicher auch eine menschliche Komponente innehat. Er ist öffentlich derart diskreditiert, dass eine Rückkehr in die Politik oder den Journalismus für den ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordneten und Ex-ZDF-Redakteur kaum vorstellbar erscheint. Laut Spiegel Online sieht man das auch beim Mainzer Sender ganz genauso.

Im deutschen Fußball sind sich die gewöhnlich wenig einander zugeneigten Deutscher Fußball-Bund und Deutsche Fußball-Liga klugerweise einig, die Personalie nicht ähnlich konträr wie bei der Kandidatur von Grindel vor drei Jahren zu missmanagen. Stattdessen haben DFB und DFL sich darauf verständigt, wie sie gestern bekanntgaben, einen „gemeinsamen Kandidaten oder einer gemeinsamen Kandidatin“ (man beachte den ausdrücklichen Hinweis auf die mögliche Nominierung einer Frau) zu benennen. Grindel war seinerzeit gegen den ausdrücklichen Willen der für die Bundesligaklubs zuständige DFL durchgesetzt worden.

Der aktuelle Sommerfahrplan zur Wahl auf dem DFB-Bundestag am 27. September in Frankfurt sieht vor, dass ein Personalberatungsunternehmen herausarbeitet, „welche Anforderungen und Erwartungen künftig mit dieser Rolle verknüpft werden sollen“. Offenbar traut sich aus nachvollziehbaren Erwägungen im DFB niemand mehr zu, das hochkomplexe Anforderungsprofil mit einem möglichen Kandidaten (oder einer Kandidatin) abzugleichen. Die Unternehmensberater haben einiges an Arbeit vor sich. Sie sollen nämlich „im Dialog mit internen und externen Interessengruppen wie den Regional- und Landesverbänden, Profiklubs, anderen Nationalverbänden oder Partnern des DFB“ eine „Definition des Aufgabenzuschnittes“ entwerfen. Klingt kompliziert. Ist auch kompliziert. Was die Angelegenheit ganz schwierig macht: „In den Entwicklungsprozess sollen“ laut DFB „die Interessen des Amateur- und des Profifußballs gleichermaßen Eingang finden“. Die Nominierungsfrist läuft am 1. August ab, am 26. Juli will das DFB-Präsidium (in dem auch einige DFL-Vertreter sitzen) eine Nominierung offiziell machen.

Ämtertrennung vorstellbar

Vorstellbar ist die Trennung des Amtes in eine mit weniger Macht und Einfluss verbundene Zuständigkeit eines zu wählenden künftigen DFB-Chefchens oder, gar revolutionär, einer Chefin, die sich konsequent an den Belangen der fast 25.000 Vereine mit nahezu 155.000 Mannschaften orientiert, sowie eines hauptamtlichen Abgeordneten, der den Verband in den internationalen Gremien vertritt und somit das Big Business (Nationalmannschaften, Uefa, Fifa) managt. 

Der derzeit interimistisch regierende Vizepräsident Rainer Koch, an führender Stelle mitverantwortlich für den Irrtum mit Grindel, hat es inzwischen kapiert: Es müsse „Teil einer modernen Verbandsorganisation mit einem Budget von über 300 Millionen Euro sein, dass klar und deutlich zwischen gemeinnütziger Aufgabenerledigung und wirtschaftlicher Unternehmenstätigkeit unterschieden wird“. Die Deutsche Fußball-Liga hatte das schon vor drei Jahren gefordert.

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