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Bennett beendet seine Siegflaute

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Von: Jörg Hanau

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Starker Auftritt: Sam Bennett bejubelt sich und sein Team Bora-hansgrohe. dpa
Starker Auftritt: Sam Bennett bejubelt sich und sein Team Bora-hansgrohe. dpa © dpa

Der Ire gewinnt den Radklassiker am 1. Mai / Im Mittelpunkt aber steht Biniam Girmay / Lokalmatador John Degenkolb fährt hinterher.

Als die wilde Hatz in der Frankfurter City begann, war das Rennen für den Lokalmatador faktisch schon beendet. „Auf den letzten drei Kilometern sind mir die Leute ausgegangen“, resümierte John Degenkolb ebenso nüchtern wie gefasst. Der 33 Jahre alte Routinier aus Oberursel war im entscheidenden Moment chancenlos, konnte als 22. nur erahnen, dass in vorderster Linie der Ire Sam Bennett seine persönliche, fast ein Jahr andauernde Siegflaute mit seinem ersten Erfolg beim Radklassiker Eschborn – Frankfurt beendete. Der Sprinter aus dem deutschen Team Bora-hansgrohe konnte sein Glück denn auch kaum fassen. „Ich hatte richtig gute Beine. Der Dank geht an das Team, das mich die letzten Monate unterstützt hat. Es ist fantastisch, diesen Sieg für ein deutsches Team einzufahren“, sagte Bennett. Er müsse sich bei seinen Kollegen bedanken, die ihn im Finale in die richtige Position gebracht hätten. Allen voran bei Danny van Poppel, in dessen Windschatten Bennett auf die Zielgerade gesprintet war. Der Kolumbianer Fernando Gaviria (UAE-Team Eimirates) und der viermalige Frankfurt-Sieger Alexander Kristoff aus Norwegen (Team Intermarché – Wanty – Gobert) komplettierten das Podium. Phil Bauhaus (Bahrain Victorious) wurde als Vierter bester Deutscher.

Für Degenkolb, den Kapitän des Teams DSM, war es letztlich ein gebrauchter Tag. Er hatte sich aber nichts vorzuwerfen. In der Crunchtime des Rennens „musste ich meinen eigenen Weg finden“. Das sei ihm nicht gelungen. Der Dominanz der konkurrierenden Sprintzüge hatte er alleine nichts entgegenzusetzen. „Der Rennverlauf hat mir nicht in die Karten gespielt. Wir sind mit fast 100 Mann auf die letzten Runden gekommen. Das hat es mir extrem schwer gemacht, in eine gute Position zu kommen“, analysierte Degenkolb nach den 183,9 Kilometern.

Sprinterteams kontrollieren

Die 61. Auflage des deutschen Radklassikers gehörte zweifellos nicht zu den spektakulärsten. Das Feld rollte meist gemächlich durch den Taunus. „Es wurde recht easy gefahren, ziemlich untypisch“, so Degenkolb, der im Vorjahr noch Zweiter geworden war und sich 2011 in die Siegerliste eintrug. Der Grund: „Viele Sprinterteams wollten ein kontrolliertes Rennen“, meinte Degenkolb. Das machte es auch potentiellen Ausreißern wie Jonas Rutsch schwer. Der Wiesbadener suchte zwar seine Chance, fuhr bei der dritten Überfahrt über den Mammolshainer Berg aus dem Feld, „die Kooperation in unserer Ausreißergruppe hat aber nicht so gut geklappt“. Die Sprinterteams seien zu stark gewesen.

Ein „Heimspiel“ war der Radklassiker irgendwie auch für Biniam Girmay. Mehrere Dutzend Radsportfans aus Eritrea feierten ihren Star schon vor dem Start in Eschborn. In seiner Heimat ist der 22 Jahre alte Girmay spätestens seit seinem Sieg beim Frühjahrsklassiker Gent – Wevelgem vor gut einem Monat ein Volksheld.

Ein farbenfrohes Spektakel. Eingehüllt in die eritreische Nationalflagge ließ sich der stets lächelnde Profi aus dem belgischen Team Intermarché – Wanty – Gobert auf die Schleife durch den Taunus einstimmen. Lange rollte er im Hauptfeld mit. Bei der vierten und letzten Überfahrt über den Mammolshainer Stich gehörte er zu jenen bergfesten Fahrern, die das Tempo verschärften. Jedoch ohne nennenswerten Erfolg. Das Feld ließ sich nicht abschütteln. In der Folge stellte er sich in den Dienst seines drittplatzierten Teamkollegen Kristoff, für den er den Sprint anfuhr.

Am kommenden Freitag geht Girmay nun beim Giro d’Italia in Budapest am Start. Ausgerüstet mit einem neuen Vertrag bis 2026. „Das Team ist wie eine Familie für mich, es gibt keinen Platz der Welt, wo ich lieber wäre im Moment“, sagte Girmay im Ziel, in dem er letzten Endes als 38. von seinen stimmgewaltigen Fans wie ein Sieger empfangen wurde. Die gute Stimmung blieb natürlich auch den Kollegen nicht verborgen. „Biniam hat viele Fans in Deutschland, es gibt eine große eritreische Community – nicht nur hier“, sagte Kristoff, wissend um die beinahe fanatische Begeisterung rund um den neuen Superstar des afrikanischen Radsports.

Über den weißgetünchten Zielstrich vor den Alten Oper würde auch gerne mal Lisa Brennauer rollen. Die Olympiasiegerin hofft, dass der Radklassiker in Zukunft auch für Frauen ausgetragen wird. „Das wäre natürlich der Wahnsinn. Früher gab es hier ja ein Frauen-Rennen. Vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit“, sagte Lisa Brennauer. Die ist längst reif für ein großes Radsportevent im Herzen der Rhein-Main-Metropole.

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