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Funktionierende Einheit: Trainer Bennet Wiegert (Mitte) und seine Spieler.
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Funktionierende Einheit: Trainer Bennet Wiegert (Mitte) und seine Spieler.

Handball-Bundesliga

Bennet Wiegert vom SC Magdeburg: Auf den Spuren von Gislason und Kretzschmar

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
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Der erfolgshungrige Trainer Bennet Wiegert führt den SC Magdeburg bis an die Spitze der Handball-Bundesliga - und sich selbst Stück für Stück heraus aus einem riesigen Schatten.

Es war ein längerer Abnabelungsprozess für Bennet Wiegert, mehr als 20 Jahre habe er gebraucht, sagt er, um aus dem Schatten seines Vaters hervorzutreten. Er sei früher von anderen ständig nur als der Sohn von Ingolf wahrgenommen worden, bis er sich irgendwann sogar irgendwie selbst so wahrnahm. Er war es ja schließlich auch, der Sohn von Ingolf Wiegert, dem Spitzenhandballer der DDR, einem der weltbesten Kreisläufer, Europapokalsieger, siebenmaliger DDR-Meister, 225 DDR-Länderspiele samt 796 Toren, Olympiasieger 1980 in Moskau, ein Großer seines Sports. Und Sohnemann Bennet empfand das eben als „hart“, wie er einst der „Welt“ in einem sehr ehrlichen Interview verriet.

Nicht, dass das falsch verstanden wird, er war stolz auf die sportlichen Erfolge seines Vaters, den er als Vorbild sah, im Privaten sowieso. Sich aber einzugestehen als ehrgeiziger Heranwachsender, wohl niemals die Triumphe des Herrn Papa annähernd wiederholen oder sie übertrumpfen zu können, dass sei ihm sehr schwer gefallen.

Dabei muss sich Bennet Wiegert, mittlerweile 39, gewiss nicht grämen, seine Erfolge als Handballer sprechen für sich: Deutscher Meister 2001, Champions-League-Sieger 2002, damals mit 19 und 20 Jahren beim SC Magdeburg an der Seite von Größen wie Henning Fritz oder Stefan Kretzschmar, den heutigen Bundestrainer Alfred Gislason als Coach. Und mittendrin in Magdeburg: der junge Bennet Wiegert.

SC Magdeburg: Trainer Bennet Wiegert hat Erfolg

Zwei Jahrzehnte später, rund 20 Jahre nach den größten Erfolgen der Vereinsgeschichte, ist er immer noch dort, immer noch in Magdeburg, an die aktive Karriere schloss sich der Posten als Cheftrainer des Handball-Bundesligisten an. Eingestellt als jüngster seines Fachs in der deutschen Eliteklasse, ist Wiegert nun bald sechs Jahre im Amt beim Traditionsverein. Und es läuft prima.

2016 holte er mit dem SCM den DHB-Pokal, im Mai diesen Jahres die European League (ehemals EHF-Cup), vor einigen Wochen dann die Klub-Weltmeisterschaft im Finale gegen Champions-League-Sieger FC Barcelona. Und nach drei dritten Plätzen in der starken Bundesliga führen die Magdeburg nach acht Spieltagen nun sogar das Tableau an - verlustpunktfrei (16:0) vor Berlin und Kiel, weit vor Flensburg. Die beiden letztgenannten Teams besiegten die Magdeburger jüngst erst. „Ich bin Fan davon, sehr demütig zu bleiben. Unser Weg in den letzten Jahren ist alles andere als normal. Wir haben gut daran getan, kleine Schritte zu machen und nicht zu springen“, sagt Wiegert: „Aber ich werde nicht auf die Euphoriebremse treten oder irgendwas kleiner reden als es ist. Wir haben jedes Jahr die Chance, um etwas mitzuspielen. Und die wollen wir nutzen.“

Die Magdeburger Champions-League-Helden von 2002 – mit dabei Trainer Alfred Gislason (vorne links), Stefan Kretzschmar (rechts) sowie der junge Bennet Wiegert (oben in der Mitte).

Mitspielen auch um die Meisterschaft, letztmals errungen 2001, unter anderem von ihm? „Nirgends ist die Sehnsucht nach dem Meistertitel größer als in Magdeburg“, formulierte es der frühere Weltklasse-Linksaußen und heutige TV-Experte Stefan Kretzschmar, ein SCM-Idol, vor geraumer Zeit. Nun also schickt sich eine in der Breite gut aufgestellte, über die vergangenen Jahren stetig entwickelte, aber ohne die absoluten Topstars auskommende Mannschaft an, diesen Durst zu stillen. Kaum einer im Magdeburger Umfeld würde zwar den Titel als Ziel ausrufen, was mit Blick auf die Konkurrenz auch eher vermessen wäre, ein Traum aber ist er schon. „Wir haben in Magdeburg immer Druck, Magdeburg ist speziell. Man lernt damit umzugehen“, sagt der Erfolgstrainer.

Bennet Wiegert: Vergleiche mit Jürgen Klopp

Bennet Wiegert, der sich aufgrund seiner impulsiven Art an der Seitenlinie auch Vergleiche mit dem Fußballcoach Jürgen Klopp anhören darf, und SCM-Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt haben für diese Saison ein Team zusammengestellt, das in sich geschlossen auftritt, den Spielern genügend Freiräume zur persönlichen Entwicklung lässt, und das natürlich auch eine gehobene Qualität vereint. Im Sommer kamen etwa mit dem dänischen Kreisläufer Magnus Saugstrup, dem deutschen Nationalspieler im Rückraum, Philipp Weber, gute Leute dazu. Im Tor ist der Däne Jannick Green ein Mann gehobener Qualität, vor allem wenn das Selbstvertrauen wie jetzt stimmt. Linksaußen Lukas Mertens darf kommende Woche das erste Mal auch im Dress der deutschen Nationalmannschaft auflaufen.

Vermeintliche Schwachstellen taktiert Wiegert zu Stärken um. Da im Rückraum ein Top-Shooter fehlt, also einer, der aus weiter Entfernung relativ leicht treffen kann, vertraut der Coach bewusst auf wendigere Profis, die häufig bis an den Kreis durchbrechen. Der größte Pluspunkt: Die Mannschaft ist kaum auszurechnen, zum Helden werden stets andere Spieler, das unterscheidet das Team von manch Konkurrent in der Spitzengruppe der Liga. Aber ist wirklich der Meistertitel drin? Wer sich ein wenig mit Bennet Wiegert beschäftigt, kann dies zumindest nicht ausschließen.

Der verriet der „Welt“ noch über sich: „Ich habe manchmal Angst, dass ich die Lockerheit verliere und alles in Verbissenheit ausartet. Ich mache vieles extremer als andere. Es kommt schon vor, dass ich drei Nächte lang Videos auswerte, um zu sehen, was wir wie beim nächsten Mal um zwei, drei Prozent besser machen können.“ Ob er sich das von seinem Vater Ingolf abgeschaut hat?

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