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„Befürchte, sie ziehen es mit Zwang durch“

  • VonFelix Lill
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Der steinige Weg nach Toki0, Teil 9: Die Olympiamacher ignorieren die Sorgen der Bevölkerung

Wer weiß das schon…“, sagt ein Tokioter Freund auf die Frage, ob er glaube, die Olympischen Spiele würden diesen Sommer stattfinden. Es ist eine der großen Fragen, die sich derzeit ein ganzes Land stellt: Beugen sich die Organisatoren der Mehrheitsmeinung und sagen die größte Sportveranstaltung der Welt ab? Oder ziehen sie es durch, mit welchen Sicherheitsvorkehrungen auch immer?

Da es niemand weiß, hilft nur informiertes Raten. Ein paar Anhaltspunkte gibt es. Dafür, dass „Tokyo 2020“ im Sommer 2021 kommt, spricht das längst investierte Geld, das man nicht umsonst ausgegeben haben will. Sponsoren haben sich schon vor Jahren verpflichtet und dieses Geld auch zumindest teilweise schon investiert. Allerdings ist es auch Geld, das gegen die Austragung spricht. Denn durch die einjährige Verschiebung auf diesen Sommer kostet das Ganze mehrere zusätzliche Milliarden Euro. Außerdem ist da immer noch die Pandemie.

Während durch diverse Umfragen dokumentiert ist, was die Menschen in Japan von Olympia in diesem Sommer halten, ist bisher keine Erhebung zur Frage bekannt, was sie prognostizieren: Ob sie also mit Olympia rechnen oder nicht. Und weil Glücksspiel in Japan verboten ist, gibt es auch keine Wettanbieter, die hierzu Quoten errechnen. Zeit also für eine – nicht repräsentative – Miniumfrage im Tokioter Freundeskreis. Über Line, die in Japan üblichste Messaging-App, geht diese Frage raus: Wird Olympia stattfinden?

Referendum abgelehnt

„Ich befürchte, sie ziehen es mit Zwang durch“, schreibt eine Freundin Ende 30. „Einige Bekannte von mir tippen auf die Absage. Aber ich glaub’ nicht dran“, sagt ein älterer Mann. „Nach dem Atomdesaster von Fukushima war das ganze Land gegen Atomkraft. Aber die Regierung hat trotzdem keinen Ausstieg gemacht“, begründet ein anderer seinen Pessimismus. „Deswegen wird auch Olympia nicht abgesagt werden.“ Unter zehn befragten Personen erwartet niemand, dass Olympia ausfallen wird, obwohl die meisten es hoffen.

Und die Organisatoren? Die haben immer wieder beteuert, die Unterstützung der Bevölkerung sei wichtig für den Erfolg der Spiele. Auf die Frage, ob dann nicht ein Referendum über die Austragung angebracht wäre, wollen sie hingegen nicht eingehen. Dies ist wiederum ein Anhaltspunkt dafür, dass die öffentliche Meinung jedenfalls kein Kriterium für Austragung oder Absage ist. Mitte dieser Woche versicherte Toshiro Muto, CEO der Organisationskomitee, noch einmal: „Wir werden nicht aufgeben.“

Wobei am vergangenen Wochenende schon der Fackellauf zum ersten Mal aufgegeben werden musste. Wegen Infektionsgefahren will eine Insel der im fernen Südwesten gelegenen Präfektur Okinawa nicht, dass der olympische Tross Anfang Mai vorbeikommt. Damit aber auch die Spiele ausfallen, müsste wohl die Regierung von Tokio das gleiche sagen. Als Gastgeberstadt, die sich einst für das Austragungsrecht beworben hat, ist das bis auf Weiteres höchst unwahrscheinlich.

Allerdings: Die Fußballliga J-League hat am Wochenende erklärt, dass für die nächsten Wochen keine Zuschauer in die Stadien der Hauptstadt kommen dürfen. Die Infektionsgefahr sei zu groß. Tokio befindet sich nämlich seit einigten Tagen erneut im Ausnahmezustand.

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